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Für Gutachter bleibt Tram die Nummer 1

Heinz Kannenberg / 11.07.2014, 01:29 Uhr
Frankfurt (MOZ) Die Straßenbahn bleibt laut einem externen Gutachten das dominierende Verkehrsmittel in der Stadt. Stuttgarter Gutachter warnen vor Annahmen, dass die Zuschüsse für den Öffentlichen Personen- und Nahverkehr (ÖPNV) sinken könnten.

Kämmerin Claudia Possardt hatte in einem Prüfauftrag angeregt, den städtischen Zuschuss für den ÖPNV um 2,8 Millionen Euro zu senken. Dies sollte ein Beitrag zur Haushaltskonsolidierung sein. Die Stadt beauftragte eine Beratungsfirma mit diesem Prüfauftrag. Die Gutachter von civity Management Consultants halten dieses Ziel jedoch für unrealistisch. Sie sehen allenfalls Chancen, unter anderem durch Effizienzsteigerungen im Werkstattbereich zwischen 2016 und 2018 jährlich 150 000 Euro bei der Städtischen Verkehrsgesellschaft (SVF) einzusparen. Das Defizit der SVF lag 2012 bei etwa fünf Millionen Euro.

Die Gutachter sehen weder in der Einstellung des Angebots in schwachen Verkehrszeiten noch in Einschränkungen des Angebots in der Hauptverkehrszeit Möglichkeiten für nennenswerte Kostensenkungen. Sie gehen davon aus, dass bei Beibehaltung ausreichender Mobilitätsangebote die Zuschüsse für den ÖPNV langfristig sogar steigen werden. Ursachen dafür seien steigende Energie- und Personalkosten, weniger Fahrgäste sowie die Umrüstung aller Fahrzeuge auf Barrierefreiheit bis 2022. Stadt und Eigentümer würden derzeit jedoch meist noch ein sinkendes Defizit erwarten. Die Gutachter warnen vor einer solchen Annahme.

Sie gehen in ihrer Planung davon aus, dass die Straßenbahn weiterhin Hauptverkehrsmittel in der Stadt ist und Busse zur Ergänzung dienen. Damit bestätigen sie auch einen einstimmigen Beschluss der Stadtverordneten aus der vergangenen Legislaturperiode. Eine vollständige Systemumstellung von der Bahn zum Bus würde rund 60 Millionen Euro Mehrkosten verursachen, heißt es.

Dringend müssten laut Gutachter die Linien mit Slubice und den Landkreisen Märkisch-Oderland sowie Oder-Spree besser vernetzt werden. Unter anderem müssten parallele Linien zwischen Regional- und Stadtverkehr abgebaut und der Bahnhof als Schnittstelle für das Umsteigen genutzt werden.

Die Gutachter empfehlen, die Erneuerung der Fahrzeugflotte aufzuschieben und statt neuen Fahrzeugen zunächst Generalreparaturen den Vorzug zu geben. Demnach will die SVF 2016 bis 2018 je Jahr nur eine Straßenbahn neu anschaffen. Das würde dazu führen, dass das Ziel der Barrierefreiheit in allen Fahrzeugen nicht bis 2022 umgesetzt werden könnte.

Der Beigeordnete Markus Derling sieht in dem Gutachten eine Grundlage, einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung zu leisten. "Wir werden die Anregungen umsetzen", betont er. Die Stadt soll dem Vernehmen nach für das Gutachten 70 000 Euro gezahlt haben, für weitere sich daraus ergebende Beratungsleistungen nochmals 110 000 Euro.

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motzer 12.07.2014 - 14:22:44

Sehr geehrter Herr Kannenberg,

mir reicht das Synonym Stadtverwaltung nicht. Ich möchte wissen wer den Auftrag erteilt hat, und wer für die Bereitstellung der Mittel verantwortlich ist? Die Kassenlage kann so schlecht nicht sein. Könnte man annehmen. Nennt doch mal Namen.

Karsten Richter 12.07.2014 - 14:17:05

Gutachten über Gutachten

Die Stadt gibt ein Gutachten,dessen Nutzen zumindest angezweifelt werden muss, nach dem anderen in Auftrag. Die Kassenlage spielt hierbei anscheinend gar keine Rolle. Vielleicht kann man ja mal ein Gutachten in Auftrag geben, um zu prüfen, zu welchen Themen sich noch weitere Gutachten erstellen lassen. - Ist natürlich nicht Ernst gemeint......obwohl: wundern würde es mich nicht.

MOZLESER 12.07.2014 - 13:56:25

Wozu benötigt man einen Prüfauftrag/Gutachten?

1. Man hat für das Vorhaben keinen eigenen fachlich kompetenten Sachverstand im Hause. 2. Man vertraut dem kompetenten Sachverstand im eigenen Hause nicht. 3. Man will seine eigene fachliche Expertise extern absichern. 4. Äußere Kräfte/Gesetze verlangen diese Prüfaufträge/Gutachten. Herr Kannenberg, als Journalist müßte es doch für Sie interressant sein herauszufinden, aus welchen Erwägungen heraus diese Vielzahl an hochpreisigen Gutachten, oftmals wiederkehrend zu den selben Themen, in Auftrag gegeben werden müssen. Das hierfür Unsummen ausgegeben werden ist bekannt. Das hierbei die beauftragten Firmen keinerlei Erfolg schulden, ist hoffentlich auch bekannt. Der ÖPNV ist weltweit ein Zuschussgeschäft. Es gibt nur wenige Außnahmen. Was hier aber betrieben wird, ist die systematisch Zerstörung einer Dienstleistung, die früher wie selbstverständlich erbracht werden konnte. Wie geht man dabei vor? Man trennt die Netze auf und entscheidet an Verkehrszahlen für jeden Abschnitt ob er sich alleine wirtschaftlich trägt. Wenn nicht, dann wird unter einem angeblich unvermeidlichen Spardiktat dieser Abschnitt geschlossen. Das machen "alle" so. Keiner hat mehr den Mut und die Kraft eine ordentliche Mischkalkulation aufzustellen und diese zu vertreten und durchzusetzen. Das ist auch als AG etc. vor den Eigentümern etc. nicht so einfach. Das ist ein wesentlicher Systemfehler. Und die Leute finden sich mit den Einschränkungen ab und steigen aufs Auto um anstatt energisch dagegen aufzutreten. Aber wer interessiert sich schon für 300 Leute an den Nebenstrecken.

Blackman 12.07.2014 - 10:57:12

HCFB

Aber zum Glück sind Sie noch da und geben Ihr bestes damit schaffen Sie es locker wieder auf den 1 Platz vom ranking der Bildungsbefreiten! Ich sehe da jede menge Potenzial. Das Freut mich sehr .....

Marco Habeck 12.07.2014 - 08:48:34

lange Laufzeiten sind kein Problem

Siehe Berliner U-Bahn oder die Kölner, Frankfurt am Main. Die Fahrzeuge sind 50 Jahre alt. Ob diese Allerdings den heutigen Ansprüchen an Komfort, Stromverbrauch usw. entsprechen ? Der Termin 2020 ist ja nicht irrend einer sondern in einen Gesetz verankert, ob die Ausrede "wir hatten kein Geld" hier zur Ausnahmegenehmigung führt wird sich zeigen. Hier wird bewusst gegen Gesetze verstoßen auf kosten der alten Leute. Man muss aber auch erwähnen das die kleinen Verkehrsunternehmen ein Finanzierungsproblem haben. Die Ursache liegt im VBB wie die Fahrgelder verteilt werden. Die größte Lobby hat die DB und diese ist auch der Hauptgewinner jeder Preiserhöhung. Die Fahrpreise werden demnächst wieder steigen, die kleinen Unternehmen dürfen wieder als Sündenbock herhalten während sich die DB die Hände reibt. Die Politik muss die Umverteilungsmechanismen der Fahrgelder überprüfen und ändern. Die kleinen Unternehmen haben dazu keine Lobby sie können sich ein Pofalla nicht leisten. Mich erstaunt das die Gutachter den Bahnhof als Mittelpunkt sehen. In Markendorf hat man mit viel Geld einen Umsteigeplatz errichtet um dort den Ländlichen Verkehr enden zu lassen. Offenbar wird diese Idee völlig verworfen. Aus welche Gründen? Nahverkehr ist ein komplexes Thema dazu brauchen sie Experten. Die weiteren 110000€ sollte uns Herr Derling nochmal etwas genauer erklären wofür diese Verwendet wurden.

na Hallo 12.07.2014 - 04:14:23

Ja was !!!!!!!!!!!!!!!!!!

Schrott bleibt eben Schrott. Da hilft auch keine Farbe mehr. MfG

Roman Tisch 12.07.2014 - 00:33:42

Langzeitversuch ...

Der letzte Satz noch mal richtig - Nur weiter so - der LANGZEITVERSUCH - ist noch nicht abgeschlossen.

HCFB 11.07.2014 - 23:49:19

Blackman

Schade, dass Sie dieser unserer Stadt den Rücken gekehrt haben. Denn dadurch sind wir im Ranking der bildungsbefreiten Kommunen vom ersten auf den zweiten Platz abgerutscht.

Blackman 11.07.2014 - 18:55:28

Melody

Kann ich jeden anderen raten und für Frau Melody besteht glaub ich keine hoffnung mehr !!! Wenn Sie noch Hoffnung sieht in ffo ... den letzten beißen die Hunde * frechgrins***

hkannenberg 11.07.2014 - 18:24:11

MOTZER

Sehr gegehrter Herr MOTZER, "Stadt" steht hier als Synonym für Stadtverwaltung. Diese hat das Gutachten und weitere Beratungen in Auftrag gegeben. Heinz Kannenberg

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