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Kopfkino für Schmökerfreunde

Spannung ohne Anspannung: Lesende und Zuhörer genossen die Geschichten.
Spannung ohne Anspannung: Lesende und Zuhörer genossen die Geschichten. © Foto: MZV/Niedt
Juliane Niedt / 15.02.2014, 15:00 Uhr
Falkensee (MZV) Angespanntes Gemurmel erfüllt den Raum, dann wird es still. Alle horchen gespannt, leise raschelt das Papier. Atem wird geholt und los geh's.

Es ist ein aufregender Tag. In der Stadtbibliothek Falkensee findet der alljährliche Vorlesewettbewerb, Regionalentscheid Havelland und Falkensee, des deutschen Buchhandels statt, bereits zum 55. Mal seit 1959.

Die stellvertretende Leiterin der Bibliothek, Heike Strauss, freut sich schon: "Eingeladen sind Freunde, Eltern, Großeltern, Verwandte der Wettbewerber und die Lehrer. Die Fachbereichsleiterin für Kultur, Ines Fröbel, hat auch zugesagt. Sie wird mit Lehrerin Helgrid Döring, Heidemarie Rüstig (Fördervereinsmitglied), Eva-Marianne Mewes (Fördervereinsmitglied) und Lilly Teßmer (Bundesfreiwilligendienst) die fünfköpfige Jury bilden."

Strauß führt durch den Wettbewerb und kümmert sich um den Organisationsablauf. Sie erklärt, dass die Reihenfolge der Teilnehmenden per Los zustande gekommen ist, "damit sich keiner benachteiligt fühlt", sagt sie.

Im ersten Teil stellen die Schüler ihr mitgebrachtes Buch vor. Biographische Einblicke im Hinblick auf die Autoren werden gewährt. Ein Plakat dient zur Visualisierung. Es wird mit einem Extra-Preis gekürt. "Es ist doch erstaunlich, wie diszipliniert alle sind. Keiner bufft den anderen", sagt Rüstig, das sei ihr auch im letzten Jahr schon aufgefallen.

Als am Mittwoch beispielsweise die Befestigung an einem Plakat versagt, erklärt sich kurzerhand eine Schülerin mit den Worten "ich mach das" kollegial bereit, das Plakat für die Vortragende zu halten. In einem von den Schülern oft mit vielen farbigen Markierungen vorbereiteten Text, wird ein Ausschnitt des mitgebrachten Buches präsentiert. Es macht Lust auf mehr. Denn oft endet der Text an einer der spannendsten Stellen, und der Vortragende, mit glänzenden Augen, lächelt dann diebisch und sagt, eher er vom Stuhl springt und dem nächsten Platz macht: "Wenn ihr mehr wissen wollt, dann müsst ihr das Buch selbst lesen." Vom Wehrhasen ist da etwas zu hören, mit den langen Zähnen oder von Vampiren, mit ebensolchen Zähnen und wahnwitzigem Blutdurst, Zeitreisen und "wie man mit sechzehn überlebt", Drogenbossen und NSA. Aber auch Themen, wie der Missbrauch von Jugendlichen werden angesprochen. "Wir haben noch nie so eine große Auswahl an Themen gehabt, kein Buch war doppelt!" sagt Strauß begeistert. "Es gibt jetzt eine Pause von 20 Minuten. Wir lüften und im Foyer gibt es kleine Naschereien und etwas zu trinken."

Im zweiten Teil haben die Teilnehmer einen ihnen unbekannten Text zu bewältigen, um ihr Vorlesetalent zu beweisen. "Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen", sagt Rüstig. "Natürlich hat man irgendwann seinen Favoriten, aber beim zweiten Teil kristallisiert es sich dann noch einmal heraus." Imke Ridder, Bibliothekarin, war im letzten Jahr Jurymitglied und sagt: "Da hört man den ersten und denkt, ,ach, der ist aber gut'. Dann kommt die zweite und man denkt, ,die ist aber jetzt viel besser!' Dann muss man den ersten zurückstufen und das ist dann schwer."

Ob routiniert oder mit Zittern in der Stimme, am Schluss hat sich jeder der 15 Teilnehmer eine Urkunde und ein Buch erkämpft, gestiftet vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. "Norden ist, wo oben ist" -Autor: Rüdiger Bertram - lautet der Titel. "Dieses Jahr waren alle sehr gut und die Entscheidung ist sehr schwer gefallen", verkündet Strauß den gespannt Wartenden.

Die Siegerin heißt wohlverdient Pia Martens. Sie ist elf Jahre alt und kommt von der Lessing-Grundschule Falkensee. Sie erhält neben Buch und Urkunde die Berechtigung, am Landesentscheid teilzunehmen. Das Finale der Landesbesten findet im Juli statt.

Eva Wellmer hat übrigens für das schönste Plakat eine Auszeichnung entgegennehmen können. Sie geht auf die Europa Grundschule und ist ebenfalls elf Jahre alt. Die Plakate der Teilnehmer können noch bis Mitte März 2014 in der Stadtbibliothek Falkensee, Am Gutspark 5, besichtigt werden.

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