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Aus Liebe zum Detail: Technisches Jahr eröffnet Frauen neue Berufschancen

Lernen die Arbeit im S-Bahn-Werk Schöneweide kennen: Tabatha Leitzke (l.) und Claudia Koeppen
Lernen die Arbeit im S-Bahn-Werk Schöneweide kennen: Tabatha Leitzke (l.) und Claudia Koeppen © Foto: MOZ
Wiebke Wollek / 17.07.2014, 21:01 Uhr - Aktualisiert 17.07.2014, 21:06
Berlin (MOZ) Die Organisation LIVE e.V. hat ein Technisches Jahr für Frauen entwickelt, in dem Praktika in kooperierenden Unternehmen absolviert werden. Der erste Durchlauf startete vor einem Jahr. 80 Prozent der Teilnehmerinnen haben sich nun für einen technischen Beruf entschieden.

Dass sie einmal mit blauer Arbeitshose durch eine der Werkstätten der Berliner S-Bahn eilen würde, hätte Tabatha Leitzke vor gut einem Jahr nicht gedacht. Die 18-Jährige wollte eigentlich Zahntechnikerin werden - bis ihr eine Berufsberaterin kurz vor dem Schulabschluss von der Möglichkeit erzählte, ein Technisches Jahr zu absolvieren. Davon hatte die junge Frau noch nie gehört - kein Wunder, denn dieses spezielle Orientierungsjahr stand gerade erst in den Startlöchern. Tabatha Leitzke gehört zum ersten Jahrgang, der im September 2013 anfing.

"Immer noch trauen sich viele junge Frauen einen technischen Beruf nicht zu oder haben Schwierigkeiten, zwischen den vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten und Branchen zu wählen", sagt Dr. Petra Metz von der Bildungsorganisation LIFE, die die Initiative "EnterTechnik" entwickelt hat. "Viele Schülerinnen haben in allen Fächern gute Noten, entscheiden sich dann dann aber häufig für Psychologie oder Medizin", erklärt die Projektleiterin. Durch das Orientierungsjahr soll auch verhindert werden, dass eine Ausbildung oder ein Studium wieder abgebrochen werden. Wenn sich hinter der Berufsbezeichnung etwas anderes verbirgt, als erwartet, ist die Enttäuschung groß.

"Die Idee ist doch genial", sagt Michael Hallmann, Personalreferent der S-Bahn. "Es gibt ein Freiwilliges Soziales, Ökologisches und nun eben auch ein Technisches Jahr." Die S-Bahn ist eines der kooperierenden Unternehmen, bei denen die Teilnehmerinnen mehrmonatige Praktika absolvieren. "Wir sind schon lange bemüht, Teams aus Männern und Frauen zu bilden. Das tut dem Arbeitsklima sehr gut." Tabatha Leitzke war bereits Ende vergangenen Jahres im S-Bahn-Werk Schöneweide und arbeitet nun noch einmal zwei Monate dort, bis sie im September als Auszubildende übernommen wird. Die Berlinerin wird den Beruf "Industrieelektrikerin/Triebfahrzeugführerin" erlernen. In der Werkstatt fühlt sie sich wohl.

Mit den Kollegen kann sie auch mal scherzen. "Früher war ich sehr schüchtern", erzählt sie. Bei der S-Bahn erlebte sie etwas, das sie nachhaltig beeindruckt und in ihrem Berufswunsch geprägt hat. Einer der Lokführer bot ihr an, einmal im Führerstand mitzufahren. "Diese Aussicht - das war unglaublich schön", schwärmt die 18-Jährige. Als sie eine Durchsage ins Mikrofon sprechen sollte, war sie plötzlich gar nicht mehr schüchtern. "Ich fand es lustig, meine eigene Stimme auf dem Bahnsteig zu hören. Nach ein paar Übungen klang sie so genauso monoton, wie man es für die Durchsagen typisch ist."

Der Weg von Tabatha Leitzke ist nur eine von vielen Erfolgsgeschichten. 80 Prozent der 21 Teilnehmerinnen haben sich für einen technischen Berufsweg in unterschiedlichen Branchen entschieden, wie Biotechnologie, Mobilität oder Kommunikation. Wenn Claudia Koeppen von Bohrköpfen und Fräsern spricht, leuchten ihre blauen Augen. "Total cool" findet sie auch die Maschinen im Mercedes-Werk. Im vergangenen Jahr hatte sie sich bei Bombardier in Hennigsdorf beworben, doch da waren schon alle Plätze für ein duales Studium vergeben. Da das Unternehmen Kooperationspartner für das Technische Jahr ist, lag der Gedanke nahe, die 19-Jährige an diesem Programm teilnehmen zu lassen. Für einige Monate hat Claudia Koeppen dann auch bei Bombardier gearbeitet. Ihr Ziel hat sie mithilfe des Orientierungsjahres erreicht: Im Oktober wird sie ihr duales Studium zur Maschinenbauingenieurin bei Bombardier beginnen.

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