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Tegeler S-Bahn-Unglück: Ursache gefunden, aber nicht gemeldet

Ende einer Fahrt: Diese S-Bahn entgleiste am 21. August 2012 auf dem Weg nach Hennigsdorf.
Ende einer Fahrt: Diese S-Bahn entgleiste am 21. August 2012 auf dem Weg nach Hennigsdorf. © Foto: dpa
Roland Becker / 24.07.2014, 07:00 Uhr
Berlin (MOZ) Knapp zwei Jahre nach dem Tegeler S-Bahn-Unglück sind die Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft noch immer nicht beendet. Begründet wird dies mit dem noch fehlenden Bericht der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes. Im Internet jedoch ist das Papier seit acht Monaten jedem zugänglich. Dem Bericht ist zu entnehmen, dass menschliches Versagen zu dem Unglück auf der S-Bahn-Linie 25 am 21. August 2012 geführt hat. Dabei wurden sechs Menschen leicht verletzt.

Wie aber kann es sein, dass der Staatsanwaltschaft der Bericht nicht vorliegt? "Das muss förmlich abgearbeitet werden", sagt Thomas Fels, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Berlin. Förmlich heißt: Die zuständige Staatsanwältin kann den Bericht nicht einfach aus dem Internet ausdrucken. Es gelte, den Dienstweg einzuhalten. "Der Bericht muss von der Unfalluntersuchungsstelle an die Bundespolizei in Berlin geschickt werden. Diese muss ihn der Staatsanwaltschaft zusenden."

Die Gutachter der Bundesstelle untersuchten das Unglück nicht mit dem Ziel, Schuldige für das Unglück zu ermitteln. Ihnen ging es darum, die Ursachen für das Entgleisen der Bahn zu ermitteln, damit sich ein solcher Unfall nicht wiederholt.

Bereits am Tag des Unglücks war klar, dass eine falsch gestellte Weiche zum Entgleisen des dritten und vierten Wagens geführt hatte. Zu klären war, ob direkt an der Weiche ein Schaden vorlag oder menschliches Handeln ursächlich war. Untersuchungen an der Weiche ergaben, dass diese einwandfrei funktionierte. Weil am Tag zuvor ein Blitzeinschlag Schäden an den Bahnanlagen angerichtet hatte, musste jede Weiche vom Stellwerk aus bedient werden. Da dem Triebwagenführer kein Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte, konzentrierten sich die Ermittlungen nun aufs Stellwerkpersonal. Dort waren ein Fahrdienstleiter und eine von ihm anzulernende Kollegin im Einsatz. Die Ermittlungen ergaben, dass der Fahrdienstleiter die Weiche korrekt gestellt hatte. Als der Zug die Weiche bereits mit zwei Wagen passiert hatte, wurde die Weiche aber umgestellt.

Welcher Mitarbeiter diesen Handgriff zu verantworten hat, ist dem sogenannten Zählwerke-Nachweis im Tegeler Stellwerk nicht zu entnehmen. Dies wurde nämlich ausgesprochen schlampig geführt. "Eine nachträgliche Überprüfung der S-Bahn GmbH ergab, dass 218 nachweispflichtige Bedienhandlungen nicht eingetragen waren", heißt es im Bericht.

Sollte es jemals zum Prozess kommen, muss der Richter hoffen, dass einer der beiden Mitarbeiter sein Schweigen bricht. Andernfalls wird es wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben, wer den fatalen Handgriff tat. Den Fahrdienstleiter dürfte allerdings auf jeden Fall eine Mitschuld treffen. Denn er muss laut Bericht jeden Handgriff der anzulernenden Kollegin überwachen.

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