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Großfeuer vernichtet Firmengebäude

Das war mal eine Firmenhalle: Das Großfeuer in Neukünkendorf in der Nacht zum Sonntag hat nur einen Klumpen Stahl hinterlassen.
Das war mal eine Firmenhalle: Das Großfeuer in Neukünkendorf in der Nacht zum Sonntag hat nur einen Klumpen Stahl hinterlassen. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Daniela Windolff / 27.07.2014, 19:25 Uhr - Aktualisiert 29.07.2014, 14:37
Neukünkendorf (MOZ) Ein Großbrand hat in der Nacht zum Sonntag zwei Firmenhallen in Neukünkendorf vernichtet. Ein Großaufgebot von Feuerwehren war im Einsatz und konnte in letzter Minute ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Wohnhäuser verhindern. Der Schaden geht in die Millionen.

Den Sonntag hatte sich Uwe Schmidt ganz anders gedacht. "Ich wollte mit meiner Partnerin und dem Hund endlich mal ausspannen und an die Ostsee fahren." Doch statt am Strand steht der Neukünkendorfer vor den Trümmern seiner Existenz.

In der Nacht zum Sonntag musste ein Großaufgebot der Feuerwehr nach Neukünkendorf ausrücken. Zwei Lagerhallen standen in Flammen. Die Löscharbeiten zogen sich bis in die Mittagsstunden hin, die Ortsdurchfahrt wurde währenddessen für den Verkehr gesperrt
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Brand in Neukünkendorf

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In der Nacht hatte ein Großfeuer das Gebäude seiner Firma Pegasus Uckermark GmbH in Neukünkendorf vernichtet, die auf Onlineversand von Büro- und Schreibmaterial spezialisiert war. Unmittelbar daneben ist von der einst großen blauen Lagerhalle einer anderen Firma nur noch ein riesiger, unkenntlicher Haufen verbogener, verschmorter Blech- und Stahlteile zu sehen. Diese Halle gehörte der Firma Optex, ein deutsches Unternehmen, das ebenfalls mit Bürotechnik und Schreibmaterial handelt.

"Mitten in der Nacht hat uns ein Anruf aus dem Schlaf gerissen. Die Nachbarin sagte, dass es auf dem Firmengelände brennt", berichtet Uwe Schmidt, der unmittelbar neben seiner Betriebshalle wohnt. Das neugebaute Eigenheim hat die Familie erst vor wenigen Tagen bezogen. Als Uwe Schmidt kurz vor ein Uhr vor das Haus eilt, sieht er Feuer unter einem großen Stapel Holzpaletten, der direkt an der Nachbarhalle lagert, nur wenige Meter von seinem Firmengebäude entfernt. "Wir haben noch versucht, selbst mit dem Gartenschlauch zu löschen." Von Brandstiftung wird gemunkelt.

Als etwa 20 Minuten später die Feuerwehr eintraf, stand die Lagerhalle schon lichterloh in Flammen und ist auch auf Schmidts Firma übergesprungen. "Die Flammen waren so hoch, dass der Lichtschein bis Kerkow zu sehen war", erzählen Feuerwehrleute. Auch der Gestank hing vormittags noch in der Luft über Angermünde. Insgesamt neun Feuerwehren aus Angermünde, Kerkow, Greiffenberg, Welsow, Crussow, Gellmersdorf, Herzsprung, Steinhöfel und Pinnow mussten zu Hilfe gerufen werden. Neukünkendorf selbst hat keine Löschgruppe mehr. Über 50 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Für Einsatzleiter und Stadtbrandmeister Jürgen Duckert war es nicht nur der größte und verheerendste Einsatz des Jahres, sondern auch ein sehr komplizierter und gefährlicher dazu. "Problematisch war die enorme Hitze und Rauchentwicklung. Außerdem hatten wir Probleme mit dem Löschwasser, der Löschteich reichte nicht aus. Wir mussten Wasser aus dem Haussee pumpen und dafür erst eine 800 Meter lange Schlauchverbindung legen. Zusätzlich wurden zwei Tankwagen aus Pinnow zur Unterstützung angefordert", berichtet Jürgen Duckert. In der brennenden Halle schmorte die Gasleitung durch. Die Firma EWE musste die tickende Zeitbombe entschärfen und dafür außerhalb ein Loch buddeln, um die Leitung abtrennen zu können. Und als würde dies an Schwierigkeiten noch nicht genügen, bereitete eine Photovoltaikanlage auf dem brennenden Hallendach den Feuerwehrleuten zusätzliche Anstrengung. "Man kommt nicht dicht heran, das Wasser verpufft, das Aluminium tropft herunter", versucht Jürgen Duckert die dramatische Situation zu schildern. Nur um Haaresbreite und mit viel Glück konnte ein Übergreifen der Flammen auf die dicht daneben stehenden Wohnhäuser verhindert werden. Ein bisschen Wind ...

Dennoch läuft jeder Handgriff wie am Schnürchen. "Das Wichtigste ist, die Ruhe zu bewahren und alle Emotionen auszuschalten. In solchen Situationen zeigt sich, wie wichtig das regelmäßige Training und die Schulung der Kameraden sind, damit im Ernstfall jeder weiß, was er zu tun hat", bestätigt auch Bernd Winkler, Wehrleiter der Kerkower Löschgruppe.

Die zerstörerische Kraft des Feuers wird erst am Sonntagvormittag sichtbar. Von den Lagerhallen ist nur noch ein Haufen verbeulter Metalle übrig. Die mächtigen Stahlträger der Decke haben sich durch die Hitze wie Kuchenteig verformt. Bei 1300 Grad verformt sich Stahl, bei 1600 Grad schmilzt es. Immer wieder lodern Feuer auf. Die Feuerwehrleute kommen nicht zur Ruhe. Im benachbarten Büroteil von Uwe Schmidt hat die Hitze das Isoliermaterial zwischen den Wänden verschmort, für den Rest an Zerstörung sorgten Ruß und Löschwasser. "Das Gebäude ist völlig unbrauchbar. Auch alle Lagerbestände und die Bürotechnik sind zerstört. "Ich stehe vor den Trümmern meines Lebenswerkes", sagt Uwe Schmidt tonlos und versucht irgendwie zu realisieren, was eigentlich geschehen ist. Viele seiner Mitarbeiter sind gekommen, stehen fassungslos vor der Ruine, die bis eben ihr Arbeitsplatz war. 25 Mitarbeiter beschäftigt Uwe Schmidt. Wie es weitergeht, weiß er nicht.

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Diana 27.07.2014 - 22:21:39

Großbrand Neukünkendorf

Es waren weit aus mehr als nur neun Feuerwehren da,auch die Görlsdorfer Feuerwehr war gleich zur Stelle. Vor allem sollte man beachten,es sind all unsere freiwilligen Feuerwehren die durch solche Ernstfälle auch ihr eigenes Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen um schlimmeres zu verfinden. Zum Glück gibt es noch die freiwilligen Feuerwehren!!!

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