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Führung über den Waldfriedhof / Erinnerungen an David Schickler, Robert Ardelt, Karl Wahl, Marie-Luise von Pfuhlstein und Co.

Grabsteine erzählen Stadtgeschichte

Sven Klamann / 30.07.2014, 06:40 Uhr
Eberswalde (MOZ) Auf dem Waldfriedhof, Eberswaldes größter Begräbnisstätte, wird viel Stadtgeschichte lebendig. Vor allem, wenn ein kundiger Führer zu einem Spaziergang entlang der Grabsteine einlädt. Dann sind Spannung, Rührung und Unterhaltung garantiert.

Ein-, zweimal im Jahr findet sich Volkhard Köppe (71) auf dem Waldfriedhof ein, um einen ganz besonderen Ausflug anzubieten. Als einer von sieben Stadtführern ist der Diplom-Ingenieur im Ruhestand stets bestens präpariert, Fragen zur Vergangenheit Eberswaldes zu beantworten. Was er nicht aus dem Kopf weiß, steht mit großer Wahrscheinlichkeit auf einem der handbeschriebenen Zettel, die er in den Händen hält. "Ich habe eigentlich kein Spezialgebiet", erklärt Volkhard Köppe, dem es wichtig ist, sich auf jede Stadtführung akribisch vorzubereiten - egal, ob sie Sehenswertem im Zentrum oder eben der letzten Ruhestätte zum Beispiel des Bankiers David Schickler (1755 bis 1918), des Fabrikbesitzers Robert Ardelt (1847 bis 1925), des Malers Karl Wahl (1868 bis 1920) oder der DRK-Oberin Marie-Luise von Pfuhlstein (1901 bis 1994) gilt.

Die vier Eberswalder Prominenten früherer Zeiten sind beinahe wahllos herausgegriffen - aus der riesigen Zahl derer, die Eberswalde wirtschaftlich, kulturell oder sozial vorangebracht haben und auf dem Waldfriedhof bestattet wurden. Dass es Geschichten in Hülle und Fülle zu erzählen gibt, liegt zum einen an der Bedeutung, die Eberswalde vor allem als Wiege der Industrie im heutigen Brandenburg und als Motor der forstlichen Lehre und Forschung hatte. Da herrschte an wichtigen Persönlichkeiten kein Mangel. Zum anderen ist der Waldfriedhof wegen seiner gewaltigen Größe und der deshalb zahlreichen Beerdigungen schon statistisch eine tolle Quelle. Einst brachte es die Stätte auf 30 Hektar - das entspricht der Fläche von 42 länderspieltauglichen Fußballplätzen. "Auch jetzt noch werden etwa 20 Hektar genutzt", sagt Volkhard Köppe.

Der Waldfriedhof sei etwa um 1210 an der damaligen Kapelle St. Gertrud angelegt worden, berichtet der Stadtführer weiter.

Der unter Denkmalschutz stehende historische Teil des Waldfriedhofes gleicht einem Park. Wer nicht darauf hingewiesen wird, geht achtlos an der vielleicht gestalterisch reizvollsten Grabplatte vorbei: der des Bildhauers Karl Pracht. Auf ihr liegt ein Mann, geschaffen aus längst verwittertem Stein, die Arme ausgestreckt, bäuchlings auf dem Boden. Viel erzählt Volkhard Köppe über den Bildhauer nicht, der am 28. Oktober 1866 in Gramzow, Kreis Anklam, geboren wurde. Nur, dass zum Fundus des Museums in der Adler-Apotheke zwei Büsten aus Marmor von Karl Pracht gehören, die den Hufeisenfabrikanten Clemens Schreiber und dessen Frau zeigen, berichtet der Stadtführer. Wer das Kunstwerk auf dem Grab gefertigt habe, sei nicht überliefert.

Jeder der bekannteren Toten auf dem Waldfriedhof hätte eine eigene Führung verdient -so auch David Schickler, Inhaber eines Handelshauses, das sich zu den angesehensten Privatbanken Preußens entwickelte. In Eberswalde wird das Andenken an den Ehrenbürger auf dem Straßenschild bewahrt.

Oder Robert Ardelt, der seiner kranken Frau zur Liebe von der oberschlesisch-polnischen Grenze in den Luftkurort Eberswalde zog und dort 1902 am Alsenplatz, dem heutigen Karl-Marx-Platz, ein technisches Büro gründete. Dies war die Keimzelle der Ardeltwerke, die später für den hemmungslosen Einsatz von Kriegsgefangenen in der Produktion stark kritisiert und für ihre Krane weltweit anerkannt wurden.

Der Maler Karl Wahl, um 1900 ansässig in Eberswalde, gilt als detailversessener Landschafts-abbilder. "Er ist einer der relativ wenigen Künstler, auf die in der Stadt zurückgeblickt werden kann", sagte der Stadtführer.

Die DRK-Oberin Marie-Luise von Pfuhlstein hat sich als langjährige Leiterin des Viktoriaheims Verdienste erworben.

Stadtführung zum Barnim-Plateau, 30. August, 10.30 Uhr, Treffpunkt Tourist-Info Steinstraße

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