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Zu Besuch bei Rüdersdorfs Bergmännern

Unter-Tage-Bahn: Steiger Jörg Nicol (r.) und Hauer René Bretschneider nutzen für ihre Kontrollfahrten auch diesen Zug. Gleise liegen auf sieben Kilometern.Fotos (7): MOZ/Gerd Markert
Unter-Tage-Bahn: Steiger Jörg Nicol (r.) und Hauer René Bretschneider nutzen für ihre Kontrollfahrten auch diesen Zug. Gleise liegen auf sieben Kilometern.Fotos (7): MOZ/Gerd Markert © Foto: MOZ/Gerd Markert
Margrit Höfer / 17.08.2014, 03:05 Uhr - Aktualisiert 18.08.2014, 14:38
Rüdersdorf (MOZ) Das weltweit agierende Unternehmen Cemex mit Hauptsitz in Mexiko betreibt bekanntlich in Rüdersdorf ein Werk. Dort, so sagt Steiger Jörg Nicol stolz, gibt es im Konzernverbund die einzige Abteilung Untertagebergbau. Die Märkische Oderzeitung hat die acht Hauer um Chef Nicol besucht.

Den vier Kilometer langen Tagebau, der in seiner größten Breite 1000 Meter aufweist, kennt fast jeder. Schon mancher hat gehört, dass dort riesige Maschinen unterwegs sind. Etwa der größte hydraulische Hochlöffel-Bagger Deutschlands. Der frisst sich unweit des Parkplatzes vom Museumspark, wo sich die Schauwand befindet, scheinbar mühelos durch den Kalkstein. Und belädt im Minutentakt Schwerlastkraftwagen CAT 777, von denen es vier nagelneue gibt. Die können 100 Tonnen mit einem Mal transportieren. Zum Vergleich: ein Auto wiegt ein bis zwei Tonnen. Gigantisch ist der Radlader, dessen Schaufel ein Fassungsvermögen von zwölf Kubikmetern hat. Vier Schaufeln reichen, und die CAT 777 sind beladen. Aber auch Dumper (40-Tonner) rollen durch den Tagebau, der gleichzeitig auf verschiedenen Sohlen, die Tiefste ist 50 Meter unterm Meeresspiegel, abgebaut wird.

CEMEX OstZement GmbH in Rüdersdorf ,Bilder aus dem Tagebau und dem Schacht Heinitz.
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CEMEX Tagebau und Schacht Heinitz

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Wer mit Tagebauleiter Thomas Weber unterwegs ist, merkt rasch: Der Mann glüht nicht nur für seinen Beruf - er schüttelt die Entstehung des Muschelkalks, der in Rüdersdorf abgebaut wird, nur so aus dem Ärmel -, sondern ist stolz auf das, was er den Gästen zeigen kann. Auffallend ist, dass nicht nur penibel darauf geachtet wird, dass jedermann im Tagebau Helm, Weste und Schutzbrille trägt, sondern, dass sich alle mit Handzeichen grüßen. Auch mehrfach. "Wenn die Kollegen mit den Riesenmaschinen zur Brecheranlage fahren, dann kann man hier nicht einfach irgendwo herumlaufen. Ist doch klar, dass eine solche Maschine nicht einfach so vollbeladen zum Stehen kommt", erzählt er. Deshalb seien Blickkontakt, aber auch das Miteinander enorm wichtig, bevor er seinen Besuch auf einen ganz besonderen Ausflug mitnimmt. Nämlich zu Jörg Nicol. Der ist Chef der neunköpfigen Abteilung Untertagebau. Sprich: Es gibt in Rüdersdorf noch neun Bergleute, die unter Tage arbeiten. Der Chef ist der Steiger, die anderen sind die Hauer.

"Glück auf!" sagt Nicol zur Begrüßung. "Ich bin Jörg. Im Bergbau duzt man sich", schiebt er hinterher, bevor er die Funktion des Selbstretters erklärt. Dies ist ein Atemgerät, das bei Kohlenmonoxidgefahr die Luft in Kohlendioxid umwandelt. Eine Stunde hält das Ganze. Wer umfällt, bleibt liegen. Jeder ist für sich selbst zuständig.

Dann geht es mit Hauer René Bretschneider in den Korb und hinab in den einzig aktiven Bergbauschacht im Land Brandenburg. Der Bergmann "erklärt" dem Maschinisten per Klingelzeichen, dass alle nach unten wollen. Der Maschinist bestätigt. Der Käfig ruckelt in gemütlichem Tempo in die Tiefe.

Es wird merklich, aber nicht unangenehm kühler. 13 Grad herrschen 100 Meter unter Tage im Bergwerk. In den drei mal drei Meter großen gehauenen Stollen befinden sich Rohre, Schaltkästen, Gleise. Alles wirkt antiquiert. "90 Prozent unserer Technik stammt aus der DDR, wurde 1985 eingebaut und funktioniert hervorragend", sagt Nicol. 15 Kilometer "Strecke" führen durchs Gestein. Auf sieben Kilometern liegen Gleise. "Der Kalkstein muss vor dem Abbau entwässert werden. Wir sind die Vorhut unter Tage, treiben die Entwässerung voran, ehe es oben mit den großen Maschinen losgeht oder gesprengt wird", erzählt der Steiger.

Von sechs Pumpen, zwei rote, grüne und blaue, sind je nach Wasseranfall zwei bis drei in Betrieb. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Bis zu 23 Kubikmeter glasklares Wasser pro Minute werden in die benachbarten Seen gepumpt. Für den Fall, dass die Pumpen ausfallen, gibt es ein stählernes Dammtor (ähnelt einem U-Boot-Schott), das nachts geschlossen wird. Bis zu eine Woche könnte dahinter im Stollen Wasser gestaut werden, ehe es in den Tagebau läuft. "In dieser Zeit sollten wir wohl eine Lösung finden", sagt Nicol, bevor er mit den Gästen wieder nach oben fährt.

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