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Podiumsdiskussion "Erdgas sicher fördern" am 4. September in der Beeskower Stadtbibliothek geplant

Umweltschützer am Bohrturm

Iris Stoff / 17.08.2014, 21:45 Uhr
Beeskow (MOZ) Auf Einladung der Bürgerinitiative "CO2-Endlager stoppen - Umwelt schützen e.V." haben Mitglieder der BI zusammen mit der Brandenburger Grünenpolitikerin und Berliner BUND-Vorsitzenden Heide Schinowski sowie Aktivisten aus der Altmark die Probebohrungen von Bayerngas bei Beeskow besichtigt.

Weithin sichtbar ragt der 24 Meter hohe Bohrturm auf einem Feld zwischen Beeskow und Schneeberg in die Höhe. "Wir sind heute am 20. Tag der Aufsuchungsbohrung und haben eine Tiefe von etwa tausend Meter erreicht", erläutert Bohrmeister Frank Steinich. Gebohrt werden solle bis in eine Tiefe von 2750 Meter. Gearbeitet wird in zwei Schichten an allen Tagen der Woche. Zu den Besuchern der Führung über die Bohranlage gehörte auch Bernd Ebeling, ein Wasserbau-Ingenieur aus Niedersachsen, der viele spezielle fachbezogene Fragen hatte.

Der Bohr-Spezialist Frank Steinich erklärte detailliert, wie und mit welchen technischen Parametern die Bohrung abläuft. Diese momentan stattfindende Probebohrung soll Auskunft über das hier vermutete Erdgasvorkommen geben. Anhaltspunkte dafür liefern zwei Altbohrungen aus den Jahren 1964 und 1989. Es wird mit einem förderbaren Gasvolumen von mehr als fünf Milliarden Kubikmeter gerechnet. Die Menge würde ausreichen, um 15 Prozent aller Haushalte in Brandenburg mit Gas zu versorgen. Falls Bayerngas mit der Bestätigungsbohrung fündig wird, werde der Gaszufluss über mehrere Tage geprüft. Sollte es zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Förderung kommen, würde das Gas über unterirdische Leitungen zur Aufbereitungsanlage und dann weiter in ein bestehendes Pipelinesystem transportiert. Sowohl die Bohrungen als auch die Testförderung erfolgen mit konventionellen Methoden. Der Einsatz der umstrittenen Fördertechnologie "Fracking" soll Unternehmensangaben zufolge nicht zum Einsatz kommen.

Nach der spannenden Führung seien aber noch Fragen offen geblieben, betonte Heide Schinowsky. "Heute wurde vor allem etwas über die Technik gesagt. Wir wollen zum Beispiel aber auch wissen, welche Schwermetalle in der Erde sind und wie damit umgegangen wird." Am 4. September lädt die Bürgerinitiative um 19 Uhr zu einer Podiumsdiskussion in die Beeskower Stadtbibliothek ein. Heide Schinowsky wird dieses öffentliche Forum leiten. Auch Vertreter von Bayerngas werden mit dabei sein. Dem Unternehmen bescheinigt die Grünenpolitikerin eine "offene Diskussionskultur".

Grundsätzlich sei die bisherige Rechtspraxis bei der Förderung von fossilen Rohstoffen allerdings unhaltbar, kritisiert Heide Schinowsky. Der aus dem Bergrecht stammende Rechtsanspruch auf Genehmigung habe dazu geführt, dass selbst Wasserversorger und Bürgermeister nicht beteiligt werden müssen, wenn unter ihren Wasserschutzgebieten oder unter Gemeinden Rohstoffe ausgebeutet werden. Über den Bundesrat habe der Umweltminister aus Schleswig-Holstein, Robert Habeck, vor der Sommerpause eine bürger- und umweltfreundliche Änderung des Bergrechtes beantragt. Eine Entscheidung der Länderkammer dazu werde im Herbst 2014 erwartet. Sie habe den Minister zusammen mit Sabine Niels, der Landtagsabgeordneten und Vorsitzenden der Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen & Piraten, eingeladen, am 27. August in Beeskow seinen Vorstoß vorzustellen, kündigt Heide Schinowsky am Sonnabend an.

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