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13 Rettungshunde-Teams aus dem gesamten Bundesgebiet bei 36-stündiger Katastrophenschutzübung dabei

Tsunami in der Kiesgrube

Kai-Uwe Krakau / 18.08.2014, 06:27 Uhr
Bernau (MOZ) Mensch, Tier und Ausrüstung im Stress: Am Wochenende ging im Barnim eine 36-stündige Katastrophenschutzübung für Rettungshundeteams aus dem gesamten Bundesgebiet zu Ende.

Das Seebeben war mächtig, der nachfolgende Tsunami verheerend - innerhalb von Minuten kommen tausende Menschen ums Leben. Noch mehr sind obdachlos oder werden vermisst. Unzählige Häuser sind zerstört, die Straßen nicht mehr passierbar, der Verkehr zusammengebrochen. Polizei und Militär versuchen, die Sicherheit zu gewährleisten. Die nationalen Rettungdienste sind überfordert und stoßen rasch an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Die Regierung bittet weltweit um humanitäre Hilfe und Unterstützung. Rettungshundestaffeln mehrerer Organisationen bereiten sich auf ihren Einsatz vor. Sie sollen bei der Ortung von vermissten Menschen helfen.

Das war das Szenario des diesjährigen "Rescue-Camps", zu dem 13 Staffeln am Donnerstag in den Barnim gekommen waren. Ausrichter der inoffiziellen deutschen Meisterschaft für Rettungshundeteams war der Kreisverband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Das Mannschafts-Camp hatten sie auf dem Flugplatz in Finow aufgebaut. Vor dort starteten die Hundeführer mit ihren Vierbeinern zu den Einsätzen. Das Ziel der Übung war es dabei, den Trainingsstand von Hunden und Betreuern zu überprüfen und mögliche Schlussfolgerungen für die Ausbildung zu ziehen. An zwölf sogenannten Schadstellen, die vom Eberswalder Staffelleiter André Winkler ausgesucht wurden, sollten die Tiere die Witterung der Vermissten aufnehmen. Geübt wurde unter anderem am Eberkran im Eberswalder Familiengarten, auf einem Bauhof-Gelände - und einer Kiesgrube bei Lanke.

Dort bietet sich ein furchtbares Bild. Durch den Erdrutsch ist eine ganze Wohnsiedlung verschüttet, Bewohner werden unter dem Geröll vermutet. Dann fährt ein Einsatzfahrzeug vor. Die drei Männer und eine Frau der ASB-Rettungshundestaffel Mecklenburg-Strelitz legen ihre Kleidung an. Dann erklärt Petra Schumacher, sie ist Beobachterin an dieser Schadstelle, dem Gruppenführer des Teams, Sven Kranich, die Situation. Der junge Mann macht sich ein paar Notizen, dann ruft er per Funk die Rettungshundeführer. Nach einer kurzen Einweisung machen sie sich auf den Weg.

"Asa da entlang". Anika Hinderer weist ihren Mischlingshund in eine Richtung. Der Vierbeiner läuft los, erklimmt eine kleine Böschung. Aber dort ist nichts zu finden. Die junge Frau holt etwas Pulver aus der Tasche und lässt es durch die Finger rieseln. "So können wir die Windrichtung feststellen", erklärt die Hundeführerin. Asa schlägt einen anderen Weg ein, ebenfalls Fehlanzeige. Dann geht es etwas tiefer in die Kiesgrube hinein. Der Hund biegt nach links ab - und fängt an zu bellen. Asa war erfolgreich und hat die "Vermisste", in diesem Fall war es Viktoria Zimmermann, gefunden. Anika Hinderer streichelt ihren Hund und gibt ihm etwas zu trinken.

Aber auch Jens Scheele mit seinem "Arthur" und Tamas Vari mit "Rudi" kommen noch zum Einsatz, schließlich weiß das Team nicht, nach wie viel Personen gesucht werden soll. Sorgfältig suchen die Männer mit ihren Hunden das Gebiet ab, immer beobachtet von Petra Schumacher und Marion Lang von der gastgebenden Staffel. Doch sie werden nicht fündig, es bleibt bei einer Vermissten.

Marion Lang ist seit September 2011 mit ihrem Appenzeller Sennenhund beim Team. "Die Anregung bekam ich durch einen Zeitungsartikel", erzählt sie. Die höchste Prüfung haben sie und ihr Hund bereits abgelegt, diverse Einsätze schon hinter sich. "Es ist immer ein schönes Gefühl, wenn man Menschen, die beispielsweise aus Altenheimen ausgerissen sind, findet", sagt die Biesenthalerin.

Unterdessen zieht Petra Schumacher eine erste Bilanz des Einsatzes der ASB-Rettungshundestaffel aus dem nördlichen Bundesland. "Man hat gemerkt, dass das schon ihre siebente Station war", sagt die Beobachterin. Vom Gruppenführer hätte sie sich eine noch mehr koordinierende Tätigkeit gewünscht, aber ansonsten sei sie zufrieden. "Die Aufgabe wurde erfüllt", stellt Schumacher fest.

Dass das "Rescue-Camp" überhaupt erfolgreich durchgeführt werden konnte, ist auch vielen Freiwilligen zu verdanken. "Die uns zugesagten 35 Reservisten sind nämlich nicht gekommen", berichtete Rettungshundeführerin Anjuta Klauke. Also mussten kurzfristig andere "Vermisste" organisiert werden. Nach einigen Anrufen stellten sich vor allem Feuerwehrleute, unter anderem aus Schwanebeck, Schönow, Bernau und Melchow, zur Verfügung. Aber auch Freunde, Bekannte und Verwandte von Mitgliedern der Barnimer DLRG-Rettungshundestaffel spielten

Statisten. "Dafür können wir uns nur ganz herzlich bedanken", so Klauke.

Nach den 36 Stunden und einer gründlichen Auswertung standen am Sonnabend die Sieger der Meisterschaft fest. Den ersten Platz belegte das Team DRK Sachsen, gefolgt vom ASB Mecklenburg-Strelitz und den Maltesern aus Schwäbisch Gmünd.

Die Barnimer erreichten übrigens 2013 bei ihrer ersten Teilnahme am "Rescue-Camp" einen dritten Rang. Sie hatten sich damit für die Ausrichtung der diesjährigen Katastrophenschutzübung empfohlen.

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