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Vorwürfe gegen das Jugendamt

gallrein / 05.03.2010, 08:04 Uhr
Als der einjährige Paul* (Name von der Redaktion geändert) bei der Kinderärztin vorgestellt wird, fällt sofort auf: Der Junge ist unterernährt. Er muss ins Krankenhaus. Die Ärztin weist den Jungen ein. Dabei hätte es so weit gar nicht kommen müssen, bemängelt eine andere Mutter, die ihren Namen nicht nennen möchte.

Beim Jugendamt war schon länger bekannt, dass es Probleme in der Familie gibt. Pauls Mutter war bei der Geburt ihres Kindes noch nicht volljährig. Die Oma erkannte, dass ihre Tochter auf Hilfe angewiesen ist und beantragte sozialpädagogische Familienhilfe, die das Jugendamt auch gewährte.

Mit einem halben Jahr kommt das Baby zu einer Tagesmutter. Da es nun täglich betreut wird und die Mutter inzwischen volljährig ist, wird die Hilfe eingestellt. Dass das Kind schlecht ernährt war, war dem Familienhelfer offenbar nicht aufgefallen. "Das Kind war schon immer sehr zart", sagt dazu Silvia Ulonska, Chefin des Jugendamtes.

Als bei dem kleinen Jungen Läusebefall entdeckt wird, habe die Tagesmutter den Vater des Kindes darüber informiert und erklärt, dass das Kind erst mit einem ärztlichen Attest wieder in die Tagesgruppe kommen könne, berichtet Silvia Ulonska weiter. Doch der Junge kommt in der Folge gar nicht mehr in die Gruppe.

Der Tagesmutter kommen Bedenken. Sie informiert das Jugendamt darüber, dass sie sich Sorgen um das Kind macht. Doch auch nach der zweiten Nachfrage drei Tage später passierte nichts.

"Unsere Mitarbeiter haben den Anruf nicht so verstanden, dass das Kind in Gefahr sein könnte", versucht Silvia Ulonska, die Untätigkeit ihrer Behörde zu erklären. "In dem Gespräch ging es laut Auskunft der Mitarbeiterin eher um die Läuse, aber nicht darum, dass das Kind unterernährt sein könnte. Sonst wären die Mitarbeiter da natürlich sofort rausgefahren", versichert sie.

So aber war es die Kinderärztin, die handelte. Im Rahmen einer regulären Vorsorgeuntersuchung war ihr der schlechte Ernährungszustand aufgefallen. Der Chefarzt der Kinderabteilung des Bernauer Krankenhauses informierte das Jugendamt, nachdem Paul dort eingeliefert worden war.

Jetzt wird auch das Jugendamt wieder tätig. Bereits im Krankenhaus gibt es ein Gespräch mit der Mutter und einer Mitarbeiterin des Netzwerkes Gesunde Kinder, die nun die Patenschaft des Einjährigen übernehmen wird und die Familie auch bei der Erarbeitung eines Tages- und Ernährungsplanes unterstützen und das Jugendamt informieren soll. Alle 14 Tage wird Paul künftig vom Kinderarzt untersucht.

Der amtierende Landrat Carsten Bockhardt wollte sich gestern noch nicht weiter zu den Vorgängen in seiner Behörde äußern. "Es wird aber ein klärendes Gespräch geben", kündigte er an.

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