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Beim Wahlkampf der Linken scheut sich Bürgermeisterkandidat André Stahl nicht vor Übertreibungen

"24 Stunden für Bernau arbeiten"

Die Politikerin Dagmar Enkelmann (Linke) befragt den Linken-Bürgermeisterkandidat André Stahl.
Die Politikerin Dagmar Enkelmann (Linke) befragt den Linken-Bürgermeisterkandidat André Stahl. © Foto: Wolfgang Rakitin
Hans Still / 26.08.2014, 08:00 Uhr
Bernau (MOZ) Innerhalb von 100 Tagen will André Stahl die Voraussetzungen für einen tragfähigen Kompromiss in Sachen Abwasserproblematik schaffen. Das versprach der Bürgermeister-Kandidat der Bernauer Linken Montagabend auf dem Marktplatz für den Fall, dass er der neue Bürgermeister wird.

Der Bernauer Wolfgang Richter klingt richtig sauer. "So viel muss sich in der Stadt ändern. Die Parteien sollen sich vertragen und sich nicht noch länger gegenseitig blockieren. Die Stadt darf nicht weiter in Mieter und Hauseigentümer geteilt werden", wettert er vom Rand des Bernauer Marktplatzes aus.

Sein Blick liegt auf der Tribüne, die die Linken vor dem Rathaus aufgebaut haben. Dort schafft sich gerade das ukrainische "Trio Scho", es besingt "Die Nächte von Moskau", Kontrabass, Gitarre und Akkordeon begleiten den Sänger.

"Warum wir hier russische Musik hören müssen, begreife ich nicht", wundert sich Wolfgang Richters Frau kopfschüttelnd und fühlt sich an frühere DDR-Zeit erinnert. Mit dem Kompromiss-Vorschlag von André Stahl zur Altanschließer-Problematik können die Richters dagegen gut leben. Sie wollen, dass es endlich wieder vorwärts geht.

Genau das verspricht Stahl in einer Talk-Runde mit Dagmar Enkelmann den 300 Zuhörern. Er werde sich für das Abschmelzungsmodell einsetzen, auch wenn es einen Kompromiss darstelle. "Die Fraktionsvorsitzenden wollen den Vorschlag weiter entwickeln. Wir werden sehen, ob sie den Stein der Weisen finden. Auf alle Fälle muss gehandelt werden, es muss eine Satzung beschlossen werden, dann werden wir ja unsere Erfahrungen sammeln. Wenn es später, also 2016 oder 2017 zu Verfahren kommt, sind die Ansprüche auf jeden Fall verjährt."

Mit klaren Worten fordert Stahl zudem einen neuen Führungsstil im Rathaus. "Autoritär und hierarchisch" sei die Verwaltung aufgestellt, die qualifizierten Mitarbeiter hätten hingegen eine "Führung auf Augenhöhe" verdient, lässt Stahl seine Zuhörer wissen. Beim Thema Straßenbau verspricht er, Biesenthaler Erfahrungen einzubringen. "Wir stellen den Anwohnern die Frage, ob sie einen grundhaften Ausbau oder eine erweiterte Instandsetzung wünschen, die dann ohne Kostenbeteiligung auskommt. Das wäre eine Bitumendecke, vielen reicht das aus." Dieses Modell, so der Kandidat, sei sehr wohl auf die Stadtgebiete übertragbar, in denen die Belastungen der Bürger ohnehin schon sehr hoch seien.

Dabei scheut sich Stahl nicht vor Übertreibungen. "24 Stunden werde ich für Bernau arbeiten, ich bin Vollblutkommunalpolitiker", versichert er. Mit dem Hinweis auf seine Frau und die Kinder tritt Parteifreundin Dagmar Enkelmann in dieser Situation auf die Bremse. Zumal Stahl wenige Minuten zuvor ausdrücklich Familienfreundlichkeit, aber auch bessere Förderungen der Vereine und sogar ein kostenfreies Obstangebot an Schulen zugesagt hatte.

Stargast der Linken war dann am späteren Abend der Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Gregor Gysi. Er war direkt aus Sachsen nach Bernau gereist, lobt zunächst Bürgermeisterkandidat Stein und korrigierte sich sofort. "Ich meine Herrn Stahl, der hart wie Stein ist." Lob auch für Brandenburgs Finanzminister Rico Gebhardt - auch hier hatte sich Gysi vertan, Gebhardt ist der Spitzenkandidat der Linken in Sachsen.

Dessen ungeachtet, nahm der wortgewandte Politiker seine Zuhörer in einem erwartungsgemäß gekonnten Vortrag durch die Bundes-, Europa- und Weltpolitik mit. Er sprach unter anderem über Renten, soziale Gerechtigkeit, Lohndumping und Mindestlöhne, über Leiharbeit oder Deutschlands Verhältnis zur USA.

Brandenburgs Linken-Fraktionschefin im Landtag, Margitta Mächtig, hatte schon gegen Nachmittag das Ziel der Linken ausgegeben: Erneut drei Barnimer Direktmandate für den Landtag und einen neuen Bürgermeister André Stahl.

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BS Bernau 29.08.2014 - 21:11:51

Immer bei der Wahrheit bleiben

Unter Bezug auf die Mitarbeit einer renommierten Anwaltskanzlei, die ständig den WAV Panke/Finow berät, wurde im Hauptausschuss der SVV Bernau festgestellt, dass die unterschiedlichen Rabatt- und Abschmelzungsmodelle keinen Bestand haben werden und der "interfraktionelle Beschlussantrag" der SVV-Vorsteherin keinen rechtlichen Bestand haben wird. Besser konnte man den Verrat der LINKEN gegenüber der Bürgerinitiative nicht vorführen. Hr. Dyhr als Vertreter von Bernau beim WAV hat sich rechtlichen Rat geholt und seine Entscheidung im WAV-Vorstand begründet.

Klaus Busse 29.08.2014 - 19:50:14

Der Sachlichkeit und Wahrheit wegen

@Herr Köhn, hat Herr Stahl einen Vorschlag unterbreitet, den die Fraktionen weiter diskutiert haben oder hat Herr Stahl etwas versprochen? Ich weiß nur von ersterem. Stehen Sie weiter zu Ihrer Aussage? Dann wäre das eine bewusste Lüge. Und woher wissen Sie, dass Herr Stahl bereits wusste, dass eine andere Anwaltskanzlei zu einem anderen Ergebnis kommt? Es gilt noch immer, zwei Anwälte - zwei Meinungen. @Herr Wirth, wer ist denn die Frau mit Sachverstand, Kompetenz und Ansehen über Parteigrenzen hinweg? Von der würde ich gern mal konstruktive Vorschläge zum Altanschließerproblem und zum Straßenbau hören. Meinen Sie vielleicht Frau Merkel, die auch nie was sagt und andere vors Loch schiebt, um sie dann irgendwann für sich zu opfern? Irgendwie hat man den Eindruck, diese Kommentarseite verkommt so langsam zum Schmuddelkasten für Leute, mit denen sonst keiner spielt. Hier wird ja nur noch mit Unflat und falschen oder halbwahren Behauptungen herumgeschleudert, während die, gegen die hier gerotzt wird, sich wenigstens noch Gedanken um die Allgemeinheit machen.

A.F. 27.08.2014 - 13:29:22

@ Herr Köhn

Oder es bleibt alles wie es ist. Hat ja die letzten 2 Jahrzehnte die Altanschließer auch nicht gestört das die Neuanschließer die Zeche zahlen.

André Köhn 27.08.2014 - 12:11:39

Das Wahltaktikkartenhaus des Herrn Stahl stürzt in sích zusammen!!!

Nun muss wohl ein anderer Kompromiss her, der in einer Gebührenumstellung endet oder es wird gleich auf Gebührenmodell umgestellt! Auf jeden Fall stürzt die Wahltaktik des Herrn Stahl wie ein Kartenhaus zusammen. Den Leuten etwas zu versprechen, was wissentlich nicht funktionieren wird ist schon eine peinliche Nummer. Und dabei öffentlich auf eine Verjährung zu hoffen, schlägt dem voll gelaufenem Fass den Boden aus! O-Ton "Wenn es später, also 2016 oder 2017 zu Verfahren kommt, sind die Ansprüche auf jeden Fall verjährt."

Thorsten Wirth 27.08.2014 - 06:54:53

Peinlicher Musikantenstadl und Gysi in der Zeitschleife - das Ende einer Ära

Schlimmer geht´s immer. Das bewies am Montag der peinliche Gesamtauftritt der Linken in Bernau. Ob "24 Stunden für Bernau" -Stein, äh -Stahl, ob russische Volksweisen auf der Bühne, ob Zugpferd Gysi, der in jeder Rede - sei es Sächsische Landtagswahl oder Brandenburgische - offenbar die gleiche Rundum-Rede abspult und schon mal vergisst, wer zur Wahl antritt und wo er ist: Die Glanzzeit der (Barnimer) Linken ist eindeutig vorbei! "Anwanzen" nennt man das, was der Bürgermeisterkandidat Stahl da von sich gibt, ernst gemeint sind solche Äußerungen wie "24 Stunden werde ich für Bernau arbeiten" jedenfalls nicht. Sie taugen fürs Bierzelt, nicht für eine Bewerbung fürs Amt. Populistisch auch die Hinweise zum Straßenbau. Es mag sein, daß es nicht in jedem Fall ein grundhafter Ausbau sein muß. Eine "billige Lösung" für die Anwohner wird aber dann zur teuren für die Kommune (und damit für die Steuerzahler), wenn diese Provisorien nach ein paar Jahren bereits wieder saniert werden müssen. Eine fachmännische Entscheidung könnte das u.U. vermeiden. Ob das in ihren Augen ehrliche und sinnvolle Ansätze sind, darüber entscheiden die Bernauerinnen und Bernauer. Aber es gibt ja noch andere Kandidatinnen und Kandidaten, die sich der Wahl stellen. Auch ohne Enkelmann-Politik-Show und Gysi in der Zeitschleife. Eine Frau mit Sachverstand, Kompetenz und Ansehen über Parteigrenzen hinweg wäre sicher nicht die schlechteste Wahl am 14. September.

Till 26.08.2014 - 16:32:39

Noch ist nichts zu spät - falls das Volk zur Urne geht!

Im Süden sind´s Katholizisten und hier die linken Wählerlisten, drum liebe Bürger habt fein acht, wer Euch die Nacht zum Tage macht! Es "gründe" einst im Land ringsum und ward zum Grauen, dass war dumm. Das kam von zu viel Oberschlauen, dass hat die Wähler umgehauen. Zum Schluss einen Gruß den Ignoranten, ihr gebt Euch selbst den dicksten Kanten. Meckert beständig, wo´s immer nur geht und kommt im Leben so oftmals zu spät. Moral: Will der Bürger die Dinge selber richten, darf er nie und nimmer auf´s Stimmrecht verzichten!

Robert Vollbrecht 26.08.2014 - 11:33:05

Anregung

Ich finde eine hierarchische Ordnung in Frage zu stellen nicht ganz richtig. Eine Hierarchie beschreibt und definiert meines Erachtens die Zuständigkeiten der Mitglieder einer jeweiligen Ordnung - sprich trägt zur Effizienz und Aufgabenverteilung bei. Das heißt aber nicht, dass eine Kommunikation auf Augenhöhe nicht möglich ist. Das hat viel mehr mit Führungsstil und dem Verständnis der jeweiligen Generationen von Führung zu tun. Ich hoffe, Herr Stahl möchte die Hierarchie nicht so umgestalten, dass das zukünftige Organigramm der Stadt Bernau nur noch horizontale Facetten aufweist. An klare Zuständigkeiten sollten wir schon festhalten. Wenn ich die Kritik des Führungsstils Herrn Handkes der letzten Zeit reflektiere, komme ich vielmehr zu dem Schluss, dass das Organigramm gerade deshalb vertikal ausgebaut werden müssten. Ansonsten käme Herr Stahl nämlich genau dem „Führungsstil“ Herrn Handkes gleich. In dem er die Hierarchie verkleinert/abbaut, baut er auch Zuständigkeiten und Kompetenzen ab, die letztlich dann bei Ihm landen. Ein Widerspruch in sich!

Dr. Frank Valentin 26.08.2014 - 09:24:17

Fremde Federn und Traumtänzer

Vorwärts soll es also gehen in Bernau. Dabei hat der linke Kandidat noch nicht einmal mit bekommen, dass es in Bernau durchaus tragfähige Straßenbaulösungen geben könnte - es gab nämlich im Herbst 2013 einen Bürgerentscheid zur Mitbestimmung der betroffenen Bürger im Straßenbau. Initiiert war der Entscheid von den Unabhängigen, die einfache Straßenbaulösungen wie Bitumendecken schon seit Jahren fordern und immer wieder von Handke und von der Mehrheit in der SVV - auch von den Linken - ausgebremst wurden. Das Heil muss also nicht aus Biesenthal kommen. Vollends entlarvt ist dieser Kandidat, wenn er quasi zugibt, dass sein eigenes Modell keinen Bestand haben kann: "Wenn es später, also 2016 oder 2017 zu Verfahren kommt, sind die Ansprüche auf jeden Fall verjährt." Und was, müsste man den großartigen Strategen fragen, ist mit den Menschen, die schon jetzt einzahlen mussten und ihr Geld dann niemals wiedersehen werden? Weil nämlich 2015 Verjährung eingetreten ist und das öffentliche Interesse am Thema dann folgerichtig gegen Null tendieren wird? Eine Sechs, setzen, Kandidat Stahl. Sie schwafeln. Übrigens: Beim Thema Gysi und seinem wohl eher peinlichen Auftritt fiel mir sofort Frank Sinatra ein. Der wusste auch nie, in welcher Stadt er gerade ein Konzert gab. Allerdings war Sinatra Alkoholiker und Gysi hat vielleicht wie sein Bernauer Kandidat so schön von der Macht geträumt und deshalb "nur" die Kandidaten verwechselt.

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