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Ehm Welk-Literaturpreis 2014 an Roberto Fiedler aus Schwedt verliehen / Auszeichnung in Dorfkirche Biesenbrow

Menschenwärme im Septemberschnee

Würdige Ehrung: Roberto Fiedler aus Schwedt erhält den Ehm Welk-Literaturpreis 2014 aus den Händen von Landrat Dietmar Schulze (r.) und Ralph Kümmel vom Kulturamt des Landkreises (l.).
Würdige Ehrung: Roberto Fiedler aus Schwedt erhält den Ehm Welk-Literaturpreis 2014 aus den Händen von Landrat Dietmar Schulze (r.) und Ralph Kümmel vom Kulturamt des Landkreises (l.). © Foto: MOZ/Daniela Windolff
Daniela Windolff / 02.09.2014, 06:55 Uhr
Biesenbrow (MOZ) Der Ehm Welk-Literaturpreis 2014 geht an einen Autor aus Schwedt. Der 47-jährige Roberto Fiedler wurde am Sonntag in Ehm Welks Geburtsort Biesenbrow mit dem begehrten Preis ausgezeichnet und konnte sich damit gegen 26 Mitbewerber durchsetzen.

Die Stille knistert in der Dorfkirche, als Roberto Fiedler seine Erzählung vorgelesen hat - nach jedem Absatz gibt es bewusst eingebaute Kunstpausen, um seinen Worten Nachdruck und Zeit zum Wirken zu verleihen. "Septemberschnee" ist eine persönliche Reflexion des Geschehens am 11. September 2001 in New York, eine persönliche Schicksalsgeschichte, eine psychologische Grabung nach dem, was solch ein Trauma mit den Betroffenen, mit Augenzeugen macht, eine Seelenanalyse, die nach dem wahren Sinn des Lebens sucht, was Menschsein bedeutet, was Menschen tun und antun können.

Die Geschichte ist schwere Kost für den Leser, aber sie endet mit einem klaren, ergreifenden Schlussbild der Menschlichkeit: "Wenn ich dich noch einmal drücken soll, sag einfach nur Bescheid!" Das lässt der Autor ein kleines Mädchen sagen, das den erwachsenen, angesichts der Katastrophe unter Tränen schluchzenden Ich-Erzähler mit einer ungefragten, warmen Umarmung tröstet. Einfach so, mit kindlicher Unschuld und unverbogener Ehrlichkeit.

Für diese Erzählung erhielt Roberto Fiedler den mit 2000 Eu-ro hochdotierten und begehrten Ehm Welk-Literaturpreis 2014, den Uckermark-Landrat Dietmar Schulze am Sonntag in der Biesenbrower Kirche verlieh. Der Frauenhagener Chor unter der Leitung von Frank Heilgeist verlieh der Veranstaltung Festlichkeit und Genussfreude.

Zum ersten Mal wurde der Geburtsort Ehm Welks Schauplatz der Verleihung - ein würdiger Ort, der mit dem Namensträger verbindet. Der Preis soll an den Schriftsteller und Humanisten Ehm Welk erinnern und der Förderung des literarischen Schaffens im Landkreis Uckermark und in Brandenburg im Sinne Ehm Welks dienen. 29 Autoren aus ganz Brandenburg hatten sich in diesem Jahr mit eigenen Prosa- und Lyrik-Texten beworben, 27 erfüllten die Ausschreibungskriterien. Eine fünfköpfige Jury unter der Obhut der Uckermärkischen Literaturgesellschaft wählte letztlich mit einfacher Mehrheit den Preisträger aus.

Zwar schwankte das Niveau der Einreichungen in diesem Jahr sehr, doch einige Arbeiten hoben sich als mögliche Favoriten heraus, darunter Texte von Anja Mans aus Potsdam, Rochus Stordeur aus Brüssow, Thomas Richter aus Flieth oder Uta Kuhn aus Lunow. Am Ende setzte sich knapp Roberto Fiedler mit seinem eigenwilligen und sensiblen Psychogramm durch. Fiedler ist selbst Mitglied der Uckermärkischen Literaturgesellschaft und schreibt seit seiner Kindheit leidenschaftlich gern Prosa und Lyrik.

Der gelernte Krankenpfleger und Kunsttherapeut hatte sich schon mehrfach für den Ehm Welk-Literaturpreis beworben - dass es ihn jetzt ausgerechnet mit dieser Geschichte traf, machte ihn überglücklich. Die Geschichte ist fiktiv, die Orte hat Fiedler allerdings alle selbst kennengelernt. "Das Geschehen hat mich tief berührt. Ich musste das schreiben."

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