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Die Masken fallengelassen

Anja Hamm / 10.03.2010, 10:46 Uhr
Berlin Die Jacke wie ein Flaneur über die Schulter gelegt, blickt Gojko Mitic über den Fluss. Nur für einen Moment, so sagen es seine Haltung und sein geöffneter Mund, will er, der als Schauspieler um den ganzen Erdball gereist ist, sitzen bleiben am Ufer der Dahme, seinem Heimatfluss. "Ich bin auf Null, ich steh in den Startlöchern", sagt Mitic mit einem Lächeln, fragt man den 69-Jährigen nach seinen Plänen für die Zukunft.

Aufgenommen hat das Bild am Dahme-Ufer die Berliner Fotografin Sandra Bergemann für ihren Bildband "Gesichter der Defa". Neben Gojko Mitic finden sich darin 39 weitere aktuelle Aufnahmen einstiger DDR-Filmstars. Ein Auszug daraus wird derzeit im Foyer der Urania Berlin präsentiert. Großformatige Doppelporträts in Schwarz-Weiß schlagen dort die Brücke aus der Defa-Vergangenheit in die Gegenwart des Nachwende-Filmgeschäfts.

Dagmar Manzel, Michael Gwisdek, Angelica Domröse, Rolf Hoppe, Renate Krößner, Hilmar Thate und Eva-Maria Hagen, um nur einige zu nennen, hat die 30-jährige Bergemann von Nahem und an deren Lieblingsorten mit einer Hasselblad-Kamera porträtiert. Viele ihrer Modelle blicken mit wachem, heiterem Blick in die Kamera, zeigen sich stark und selbstbewusst. Auch nachdenkliche Stimmungen transportieren die Bilder. " Sie hat die Seele der Menschen eingefangen " , beschreibt Gojko Mitic, was ihm an den Bergemann-Porträts gefällt. " Ich habe viele Kollegen wiedergefunden. " Ihr sei es gelungen, die Schauspieler-Maske fallen zu lassen, sagt Bergemann.

Vor ihrem allerersten Fototermin hatte sie außer großem Respekt auch " große Angst " vor den Stars, die ihre Kindheit in Stralsund prägten. Man warnte sie, dass Stars "speziell" sein könnten. Doch der Anfang mit Hans Georg Schwill wurde ein "super Einstieg" in das Projekt. Um Katrin Sass zu fotografieren, reiste sie ihr an ein Filmset im Rheingau hinterher, Uwe Kokisch posierte - nach zwei Jahren erfolgloser Terminabsprache - trotz Krankheit. "Wir waren beide erkältet, hatten 39 Fieber", erzählt Bergemann. Statt Zigarettenqualm sprühte deshalb ein Wasserkocher weißen Nebel fürs Foto in die Luft. Weil Kokisch gerade im Umzug steckte, gab es für ein zweites Bild kaum Requisiten. "Ich bin sehr stolz auf das Kokisch-Bild", sagt sie angesichts der Umstände. Mit Gojko Mitic trifft sie sich auch nach dem Shooting immer wieder.

Für ihr Projekt " Gesichter der Defa " , das sie 2002 als Abschlussarbeit am Lette Verein vorlegte, bekam Bergemann übrigens eine schlechte Note. Die Defa-Stiftung dagegen stürzte sich drauf. Seit 2005 wurden Bergemanns Fotos in Berlin, Potsdam, Schwerin, New York und Madrid gezeigt.

Bis 19. März, freier Eintritt; Urania, An der Urania 17, Berlin-Tiergarten, Mo-Fr 14-22 Uhr; Bildband " Gesichter der Defa " , Edition Braus, 2008, 39,90 Euro

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