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Nach 15 Jahren als Finanzdezernent will Ralf-Peter Hennig einen neuen Führungsstil im Rathaus etablieren und die Verwaltung umbauen

"Ich sehe mich als Stadtmanager"

Will einen Neuanfang für Bernau: Bürgermeisterkandidat Ralf-Peter Hennig an einem der idyllischsten Orte mitten in der Stadt - am "Gottesauge" auf dem Gelände des ehemaligen Heeresbekleidungsamtes
Will einen Neuanfang für Bernau: Bürgermeisterkandidat Ralf-Peter Hennig an einem der idyllischsten Orte mitten in der Stadt - am "Gottesauge" auf dem Gelände des ehemaligen Heeresbekleidungsamtes © Foto: Wolfgang Rakitin
Sabine Rakitin / 09.09.2014, 06:38 Uhr
Bernau (MOZ) Am 14. September wählen die Bernauer nicht nur einen neuen Brandenburger Landtag, sondern auch ein neues Stadtoberhaupt. Drei Kandidaten haben ihren Hut in den Ring geworden. Die MOZ stellt sie im Porträt vor. Heute: Ralf-Peter Hennig (parteilos), unterstützt vom Bündnis für Bernau und von den Unabhängigen.

Er kämpft. Wieder einmal. So, wie er es als Kind tat, als er auf die Liebe und Anerkennung seines Vaters hoffte. So, wie er es später als Erwachsener tat, als er auf der Abendschule sein Abitur nachholte, um zu studieren. Und so, wie er es in den vergangenen zwei Jahren tat, als über ihm das Damoklesschwert in Gestalt eines Chefs hing, der ihn loswerden wollte.

Ralf-Peter Hennig ist es gewohnt zu kämpfen, sein Leben lang. Und doch ist es diesmal anders. Er hat sich mit seiner Kandidatur für das Bürgermeisteramt auf ein Terrain begeben, das ihm vertraut und fremd zugleich ist. Eine Verwaltung zu leiten, das traut er sich zu - ohne Wenn und Aber. "Womit ich nicht klar komme, sind diese Intrigen, die Hinterhältigkeiten", sagt er.

Seit 15 Jahren ist Ralf-Peter Hennig Finanzdezernent in Bernau. Von Finanzen, das ist in der Stadt weitgehend unstrittig, versteht der 53-Jährige etwas. Dass Bernau schuldenfrei ist, ist in entscheidendem Maße seinem Wirken zu verdanken. Doch er fühlt sich um die Anerkennung dafür betrogen.

Die Liquidität der Stadt sei "überdurchschnittlich gut", sagt Ralf-Peter Hennig. 25 Millionen Euro auf dem Konto, 18 Millionen Euro in Wertpapieren angelegt. Letztere bringen Bernau allein 800000 Euro im Jahr an Zinsen ein. Das habe er veranlasst, "einen Dank dafür habe ich nie erhalten", bemerkt er. Zwischen acht und 13 Millionen Euro verbucht Bernau pro Jahr als so genannten Jahresüberschuss. Es ist Gewinn, den die Stadt macht und der im Eigenkapital "geparkt" wird, wie der Finanzdezernent es nennt. Zur Zeit liegen dort rund 45 Millionen Euro. Für Ralf-Peter Hennig ist das eine "haushaltsrechtliche Schieflage". "Wir nehmen den Menschen zu viel weg", stellt er fest.

Die Schuld daran hat für ihn Bürgermeister a.D. Hubert Handke. Wieder und wieder habe er gefordert, "entweder Konzepte zu erstellen, die diesen Überschuss nachhaltig mindern oder aber nachzujustieren durch die Senkung von Gebühren und Beiträgen", erzählt Ralf-Peter Hennig. Er sei auf taube Ohren gestoßen. Mitarbeiter mit einem eigenen Kopf zum Denken seien bei Hubert Handke nicht erwünscht gewesen, Widerspruch schon gar nicht. "Wir waren nicht mehr als Befehlsempfänger", ist der 53-Jährige überzeugt. Irgendwann war das Tischtuch zwischen dem Bürgermeister und seinem Dezernenten zerschnitten. Die Auseinandersetzungen führten beide bis vor das Arbeitsgericht. Für den Dezernenten war klar: "Ich sollte rausgemobbt werden." Schon lange bewarb er sich deshalb in anderen Kommunen um eine Stelle - teilweise weit weg von Bernau und weit weg von Berlin, wo er mit seiner Familie lebt.

Bereits Anfang des Jahres hatte sich Ralf-Peter Hennig dem Bündnis für Bernau angeschlossen. Die Abwahl von Hubert Handke Ende März ging ihm "runter wie Öl". Dass er nun selbst als Bürgermeister kandidiert, hängt auch mit Hubert Handke zusammen. Er will ihm, durchaus aber auch sich selbst beweisen, dass er der Bessere ist. Dabei sieht er sich nicht als Kommunalpolitiker. "Der Souverän ist die Stadtverordnetenversammlung. Sie muss wissen, was sie will und die Entscheidungen treffen. Unsere Aufgabe als Verwaltung ist es, diese Entscheidungen umzusetzen", erklärt Ralf-Peter Hennig. "Ich sehe mich als Stadtmanager."

"Wir haben nicht nur Bürgerunruhen in Bernau, sondern auch eine Verwaltungskrise, über viele Jahre hinweg", sagt der BfB-Kandidat. "Logistische Defizite in der Stadtverwaltung" macht er aus, Mitarbeiter, die über Jahre hinweg "Null-Eigenverantwortung" hatten. Das will er ändern. Er will einen Neuanfang für Bernau. Und: "Der Anfang für den Neuanfang ist der Verwaltungsumbau", steht für ihn fest.

Dafür kämpft Ralf-Peter Hennig - auch wenn der "klassische Wahlkampf" überhaupt nicht seine Sache ist. Als "Medienspektakel" bezeichnet er schon mal Veranstaltungen von Vereinen und Verbänden, zu denen die drei Bürgermeisterkandidaten eingeladen sind, um sich den Wählern vorzustellen. Anfangs hat sich der 53-Jährige dem verweigert. Zu tief sitzt das Misstrauen gegenüber seinen Mitbewerbern. Letztlich kann er sich solchen Diskussionsforen aber doch nicht entziehen. Und so hat er sich in sein Schicksal gefügt. Letztlich, findet Ralf-Peter Hennig, bleibt es so oder so die Entscheidung der Bernauer. "Sie müssen wissen, wollen sie Veränderung oder den Status Quo beibehalten".

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Frau Schuster 14.09.2014 - 11:45:41

Wer war eigentlich vorn?

Doch gewiss nicht Herr Hennig!

Pressesprecher 10.09.2014 - 17:44:37

Interview mit Ralf-Peter Hennig

"Das Wort Kommune ist quasi ein Synonym für klamme Kassen geworden. Bernau hingegen ist 2013 schuldenfrei. Wie hat die Stadt das geschafft? Als Kommune unterscheidet sich Bernau keineswegs von vielen anderen im Land — jedenfalls was die gewerbliche Infrastruktur betrifft. Trotz der Nähe zu Berlin erhält die Stadt 2013 voraussichtlich Schlüsselzuweisungen in Höhe von 18,5 Million Euro. Das sind Gelder vom Land für strukturschwache Kommunen, quasi als Hilfe zum „Lebensunterhalt“. Was uns von anderen Gemeinden unterscheidet, kann ich nur mutmaßen. Unter Friedrich Wilhelm I. stand das preußische Beamtentum für Genauigkeit, Sparsamkeit, Strenge und Kleinlichkeit. Ein Schatten dieser Geisteshaltung ist sicherlich im positiven Sinn in der Finanzwirtschaft Bernaus wiederzufinden. Aus meiner Sicht ringen Stadtverwaltung und Kommunalpolitik im Vergleich zu anderen Gemeinden durchaus erfolgreich darum, sich auf das finanziell Machbare zu beschränken. "Wie sehen Sie Bernaus mittelfristige Zukunft aus finanzieller Sicht? Finanzpolitisch sollte die Stadt Wege finden, der Strukturschwäche zu begegnen. Nur mit höheren Steuer- und Gebühreneinnahmen können Standards wie der Erhalt der Infrastruktur gesichert werden. Die Nähe zu Berlin macht Bernau zu einem attraktiven Wohnstandort. Wenn es gelingt, finanziellen Nutzen daraus zu ziehen, dann können die künftigen finanziellen Herausforderungen sicherlich erfolgreich bewältigt werden." http://www.bernau-bei-berlin.de/de/buergerportal/aktuelles/stadtnachrichten/artikel-bernau_ist_2013_schuldenfrei_und_kann_weiter_investieren.html

Frank Fri 10.09.2014 - 09:27:23

Danke !!!!

Dieser Artikel und die 50. DEMO haben mir geholfen mich zu entscheiden !!! Herr Henning ist ein No Google !!

Beobachterin 09.09.2014 - 23:47:22

Schwere Kindheit

Sollte der Beitrag mit Wissen über dessen Inhalt durch Herrn Hennig freigegeben worden sein, bezweifel ich, dass es sich bei ihm um eine gefestigte Persönlichkeit handelt. Das Argument der "schweren Kindheit" kommt häufig in Verfahren des Strafrechts als mutmaßliche Rechtfertigung für Fehlverhalten zur Anwendung. Hier wirkt es einfach nur peinlich. Kratzt es an seinem Ego, wenn er als Kämmerer nicht im Mittelpunkt des medialen Interesses stand? Schließlich ist es seine Aufgabe, die Finanzen der Stadt im Überblick zu behalten und dafür Sorge zu tragen, dass Schulden vermieden bzw. abgebaut werden. Welcher Arbeitnehmer erhält sonst besonderen Dank für die Erfüllung des Arbeitsvertrages? Auch in Zukunft müsste sich Herr Hennig daran gewöhnen, dass seine möglichen Untertanen ihm nicht die gewünschte Liebe und die gebotene Anerkennung als Bürgermeister entgegen bringen. Als Nicht-Bernauerin kann ich nur hoffen, dass das Wahlvolk die richtige Entscheidung trifft.

Vereinsmitglied 09.09.2014 - 15:38:20

@mischewski

Wahlwerbung für andere kann ich weder im MOZ-Artikel noch in den Kommentaren finden. Vielleicht hat die BFB-Fraktion aber auch schon Verfolgungswahn... Es wurden lediglich Zitate von Herrn Hennig und Fakten aus dem MOZ-Artikel kommentiert. Punkte die weder sie noch Okkolino widerlegen konnten. Aber sie kennen Herrn Hennig vielleicht genauer und sind an diesen Charakter bereits gewöhnt.

Wolfgang Mischewski 09.09.2014 - 14:16:06

Die Wähler entscheiden

Wer für ein graues Entchen bzw. für eine „Starke Frau für Bernau“ Wahlwerbung machen muss, hat es natürlich schwer. Aus jeder Aussage über Hennig muss ein Maximum von Unterstellungen herausgeholt werden, um den BM-Kandidaten des BfB und der Unabhängigen, zu schaden. Leider klappt das nicht, die Bürger von Bernau werden am 14. 9. 14 entscheiden und wir werden sehen, wen wir dann alles Gute wünschen können. Die Veranstaltung der Mittelstandsvereinigung mit den 3 Kandidaten hat eindeutig gezeigt, wer der Schwachpunkt der Bürgermeisterkandidaten war: „Die starke Frau“ und das mit großen Abstand. Ihre Gangart und ihr einseitig loyales Verhalten zu ihrem Vorgänger HH haben ihr nicht geholfen. Man kann aus einem grauen Entchen nun mal keinen Schwan machen.

katinka 09.09.2014 - 13:13:18

Der arme Kämpfer

Ich habe mir bislang noch keine Gedanken gemacht, wen ich am Sonntag wähle. Dank dieses Artikels wird es aber auf keinen Fall der Herr Stadtmanager sein. Mal ganz ehrlich, dieser Artikel liest sich ja so, als hätte ihn irgendein Privatsender für seine peinlichen Nachmittagsshows geschrieben. Der arme Kämpfer, alle sind gegen ihn, aber er stellt sich trotzdem. Ich habe selten etwas Peinlicheres gelesen. Herr Hennig, wenn Sie diesen Artikel wirklich autorisiert haben, dann sind Sie selbst Schuld.

Okkolino 09.09.2014 - 12:58:11

Probleme eines Vereinsmitgliedes

Ich weiß nicht, in welchem Verein Sie Mitglied sind, aber Ihr letzter Satz disqualifiziert Sie in die unterste Schublade. Die Bernauer haben diesen Bürgermeister HH nicht umsonst abgewählt, der ja rechtzeitig seine "Stellvertreterin" inthronisiert hat ( hoffentlich vergessen die Bernauer das nicht) und nun als "Sachkundiger" im Aufsichtsrat der Barnimer Sparkasse mitmachen darf, wie man hört. Wem er das wohl zu verdanken hat? Herr Hennig hat seine Kompetenz in den letzten Jahren bewiesen und wird sicherlich zum Wohl Bernaus weiter wirken, wenn man ihn denn lässt. Allein das zählt. Alle Gute für ihn, aber in Bernau!

Vereinsmitglied 09.09.2014 - 11:30:36

Herr Hennig und seine Probleme

Danke für den langen Artikel über Herrn Hennig in der MOZ. Ich gehe davon aus, dass dieser vorab von ihm autorisiert wurde und somit auch seine Positionen und Gedanken richtig wiedergibt. Seine schwere Kindheit und Jugend erklärt so einiges über seine Erscheinung. Aber der Posten eines Bürgermeisters ist wohl grundsätzlich nicht geeignet als Alternative zu einer Therapie bzw. Verarbeitung persönlicher Traumata. Sehr einfache und fast kindliche Ansichten hat er. "Ich" habe alles richtig gemacht. "Ich" bin der Kämpfer. Die anderen (HH etc.) sind die Schuldigen an allem Schlechten! 15 Jahre stand Herr Hennig an verantwortlicher Position neben HH, ist nur auf "taube" Ohren gestoßen, war umgeben von Verwaltungsmitarbeitern die nur als Befehlsempfänger mit "Null Eigenverantwortung" funktionierten. Herr Hennig war der Fels in der Brandung. "Schon lange bewarb er sich" um einen neuen Job - warum aber wollte ihn keiner haben, wo er doch der EINIZIGE Macher im Bernauer Rathaus war??? Er war anscheinend 15 Jahre lang auch nicht in der Lage Mehrheiten für seine Ideen und Vorstellungen zu schmieden. Mehrheiten erfolgreich zu organisieren ist aber auch eine wesentliche Aufgabe eines "Stadtmanagers", z.B. wenn es um die Interessenvertretung der Stadt in der Kreis- und Landespolitik geht. Mit wem möchte er eigentlich in Zukunft in der Bernauer Verwaltung zusammenarbeiten - nur für den theoretischen Fall, dass er die Bürgermeisterwahl gewinnt? So ein Chef geht gar nicht! Hass und Schadenfreude sind auch ganz schlechte Motive für eine Kandidatur ("ging runter wie Öl"). Das ist wie Nachtreten im Sport. Er will "sich selbst beweisen, der Bessere zu sein." Haben sie auch gesellschaftliche Motive? Veranstaltungen von Vereinen und Verbänden sind für Herrn Hennig "Medienspektakel" - vielleicht meint er den Tag der Vereine am Steintorplatz am 31.08. Mutig, dass er sich dort seinem "Schicksal" gestellt hat. Hallo, wir waren es nur die Bürger und Vereine der Stadt!!! Und er hat die Hosen voll, weil dort 2 Leute (Frau Waigand und Herr Stahl) präsent waren, die er - erlaubter Maßen - nicht leiden kann. Danke Herr Hennig für diese Ohrfeige - oder klares Bekenntnis - an das Engagement der Vereins- und Verbandsvertreter und an die Best GmbH an diesem regnerischen Tage vor Ort. Uns war schon wichtig, auch in diesem Rahmen die Kandidaten und Politiker live zu erleben. So wie Hennigs Abneigung in der MOZ beschrieben ist, haben wir es aber auch direkt erlebt - peinlich der Mann. Bürgermeister sein heißt "die Stadt repräsentieren". Er oder sie sind ein Aushängeschild, ein Botschafter und Dienstleister auch für die Vereine und Verbände der Stadt - nicht nur für die eingeschränkten Interessen der BfB! Ein Bürgermeisterposten ist keine persönliche Kur oder Abrechnung mit Altlasten. Ich wünsche Ihnen alles Gute ab demnächst hoffentlich in Hohen Neuendorf.

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