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Mammutplan für die Entwicklung des Nationalparks im unteren Odertal löst "Elchpapier" ab

Ein Hauch von Wildnis

eschafft: Nationalparkleiter Dirk Treichel präsentiert den neuen Nationalparkplan. Das Werk umfasst 1500 Seiten und 126 Karten in zehn Ordnern.
eschafft: Nationalparkleiter Dirk Treichel präsentiert den neuen Nationalparkplan. Das Werk umfasst 1500 Seiten und 126 Karten in zehn Ordnern. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Dietmar Rietz / 09.09.2014, 22:34 Uhr
Schwedt/Criewen (MOZ) Der neue Nationalparkplan wird morgen im Amtsblatt für Brandenburg veröffentlicht. Sein Vorgänger hatte als "Elchpapier" für einen Sturm der Empörung gesorgt. Jetzt gibt es einen Masterplan, der für alle Behörden verbindlich ist.

Nationalparkchef Dirk Treichel hat seit seinem Amtsantritt für die Akzeptanz des Parks mit starkem persönlichen Einsatz regelrecht gekämpft. Ohne die Schutzziele des Gebietes in Frage zu stellen. Bis 2011, so gebot das Nationalparkgesetz, sollte der neue Plan vorliegen. Heute Vormittag nun stellt Treichel in Criewen Eckpunkte und Veränderungen im neuen Nationalparkplan dem Kuratorium vor.

Zehn Ordner füllt der Plan, 1500 Seiten und 126 Karten. Ein Mammutwerk ist entstanden, mit dessen Hilfe das untere Odertal einen "Hauch von Wildnis" erhalten soll. Um den neuen Plan "praxistauglich" hinzubekommen, mussten die Naturschützer und Planer mit allen Akteuren im unteren Odertal sprechen, Kompromisse aushandeln, ohne ihre Ziele aus dem Auge zu verlieren oder die in den vergangenen Jahren mühsam errungene Akzeptanz der Uckermärker aufs Spiel zu setzen. Im Band 1 des Nationalpark-Masterplans sind nun Leitbild und Ziele notiert, also die Richtung, in die sich das Schutzgebiet langfristig entwickeln soll. Erstmals ist in dem neuen Plan die Möglichkeit festgeschrieben, die Wildniszone auf mehr als die Hälfte der Nationalparkfläche auszudehnen, wenn die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen das zulassen. Im Band 2 wird die aktuelle Situation im unteren Odertal beschrieben. Dort finden sich Antworten auf solche Fragen: Wie dürfen Landwirte, Fischer, Förster und Touristen den Nationalpark nutzen? Welche Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten gibt es?

Mehr als 1000 Pflanzen- und fast 3000 Tierarten leben nach gegenwärtigem Kenntnisstand im Nationalpark Unteres Odertal. Darunter geschützte Arten von der Trauerseeschwalbe über Wachtelkönig und Seggenrohrsänger bis zu Brenndoldenwiesen. Der Band 3 gibt Auskunft, welche Projekte und Maßnahmen der Nationalpark in den nächsten Jahren in der Pflegezone (Schutzzone 2) umsetzt. Die Bewirtschaftung des Grünlandes soll sich künftig nach dem Vorkommen gefährdeter Vogelarten und seltenen Pflanzen richten. Nationalparkverwaltung und Landwirte legen jedes Jahr neu fest, welche Flächen ab wann bewirtschaftet werden können. Dafür erhalten die Landwirte über das Kulturlandschaftsprogramm Ausgleichszahlungen. Verändert wird künftig auch das Wasserregime im unteren Odertal. Grundlage dafür ist die bekannte wasserwirtschaftliche Machbarkeitsstudie. Die Flutung der Poldern soll länger dauern. Die Wehre im Norden bleiben künftig ganzjährig offen. Auf gut deutsch: Die Polder bleiben geflutet, solang der Wasserstand der Oder das hergibt. Die Schöpfwerke arbeiten fortan nach Maßgabe der Nationalparkverwaltung. Oder nicht. In den nächsten Monaten werden Stauräte gegründet. Darin vertreten sein sollen Landnutzer, das Wasserwirtschaftsamt, die untere Wasserbehörde und der Wasser- und Bodenverband. Sie stimmen miteinander ab, wie viel Wasser wie lange in den Poldern gehalten wird.

Das Elchpapier hatte weiland einen Sturm der Empörung ausgelöst und Unfrieden ins Untere Odertal gebracht, in dessen Folge ein Minister und ein Nationalparkchef den Stuhl wechselten. Nationalpark-Anwohner, Jäger, Bauern, Angler und die Wirtschaft fühlten sich vom Elchpapier ausgegrenzt und attackierten ihrerseits die Politik und die Naturschützer. "Das wollten diesmal vermeiden", sagte Nationalparkchef Dirk Treichel.

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