Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Jugendamt: Landrat wiegelt ab

sven klamann / 13.03.2010, 08:16 Uhr
Eberswalde Nach den jüngsten Vorwürfen gegen des Barnimer Jugendamt, es sei nach Hinweisen einer Tagesmutter, die sich um ein Kind sorgte, untätig geblieben, schlagen die Wellen der Empörung hoch. Erstmals wird der Ruf nach personellen Konsequenzen in der Führungsetage des Sozialdezernats laut. Doch der amtierende Landrat Carsten Bockhardt (CDU) wiegelt ab.

"Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine akute Kindeswohlgefährdung", behauptet er in einem Brief an alle Kreistagsabgeordneten. Dreimal hatte die Tagesmutter im Jugendamt angerufen. Seit sie pflichtgemäß das Kind wegen Kopfläusen nicht aufgenommen und von den Eltern die Vorlage einer Unbedenklichkeitsbestätigung vom Arzt verlangt hatte, hatte sie den Jungen nicht mehr gesehen. Die Tagesmutter machte sich Sorgen um ihn. Doch vom Jugendamt kam keine Reaktion.

Der amtierende Landrat Carsten Bockhardt versteigt sich jetzt zu der Behauptung: "Auf Rückfrage des Jugendamtes bei der Tagesmutter, ob aus ihrer Sicht eine Kindeswohlgefährdung vorliege, bestätigte dies die Tagesmutter nicht". Er spricht in einem Brief an die Kreistagsabgeordneten davon, "dass die Vorgänge genau geprüft und analysiert" wurden und verkündet, es sei niemandem ein Fehler nachzuweisen. Dennoch, so Bockhardt, habe man "auf der Leitungsebene Handlungsbedarf erkannt".

Im politischen Raum sieht man den Fall allerdings etwas anders. "Es ist Zeit, über persönliche Konzequenzen nachzudenken", sagt Linke-Fraktionschefin Margitta Mächtig. "Ich bin überrascht, dass die Verantwortlichen nicht allein zu dieser Schlussfolgerung kommen." Seit dem Ausscheiden der jahrelangen Jugendamtsleiterin Renate Wolter würden sich die Hiobsbotschaften aus dem Jugendamt häufen. "Es scheinen klare Verantwortlichkeiten, genaue Arbeits- und Informationsstrukturen zu fehlen, und ein Krisenmanagement unterliegt möglicherweise der Geheimhaltung", so Margitta Mächtig. Eines sei ganz sicher: "Ein Dezernat von Abfall über Jugendhilfe bis Gesundheitsschutz hat sich nicht bewährt. Das Jugendamt bleibt auf der Strecke. Da muss endlich die Reißleine gezogen werden."

Auch die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses Sabine Schmalz (SPD) sieht das Problem in der Führungslosigkeit des Jugendamtes. "Seit zwei Jahren ist das Amt ohne Leiter. Seitdem Renate Wolter nicht mehr da ist, hat man den Eindruck, keiner traut sich, zu entscheiden", sagt sie. Und Dezernentin Silvia Ulonska sei angesichts der Vielfalt ihrer Aufgaben hoffnungslos überfordert.

Sabine Schmalz fordert, dass der vakante Chefsessel im Jugendamt "umgehend" besetzt wird. Und dass der Lebenslagenbericht, den ihr Ausschuss und der für Soziales seit Monaten für den Barnim fordern, endlich in Angriff genommen wird. "Ohne eine Erhebung der sozialen Lage können wir auch nicht wissen, welche Hilfen sie brauchen."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG