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"Fechten ist eine Art der Meditation"

BGALLREIN / 14.03.2010, 19:23 Uhr
Bernau Schwert knallen aufeinander, Äxte zerbersten fast auf stählernen Schildern. Pure Muskelkraft und wendige Geschicklichkeit, wilde Haare und verzerrte Gesichter - die Schwertkämpfer waren in der Stadt. Und für knapp 1000 Besucher gab es viel zu sehen.

Wenn man Peter Koza sieht, sieht man auf den ersten Blick einen Mann über 60, ruhig und ausgeglichen. Nie würde man ihm die schnellen, geschmeidigen Bewegungen zutrauen, nicht die Beweglichkeit seines drahtigen Körpers, der immer noch mithalten kann, auch wenn er schon "ein bisschen kaputt" ist, wie Koza selber zugibt. Der Slowake ist so etwas wie die graue Eminenz unter den Schwertkämpfern, Freifechtmeister und als Altmeister in allen Richtungen dieser Kunst bewandert.

Koza war einer der rund 200 Akteure aus Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Italien und England, die zum 13. Schwertkämpfertreffen in die Hussitenstadt gekommen waren. Die Besucher in der Mehrzweckhalle an der Heinersdorfer Straße konnten stolze Ritter, römische Gladiatoren, wilde Wikinger, japanische Samurai, französische Musketiere, geheimnisvolle Ninja, italienische Edelleute und verwegene Landsknechte bewundern.

Nicht das Kämpfen selber, nicht der Wettstreit zwischen zwei Menschen ist es, was Altmeister Peter Koza an der Fechtkunst schon seit Jahrzehnten fasziniert. "Es ist die Ritterlichkeit in allen Sinnen des Wortes", erklärt er. "Der Fechter ist ein Krieger, aber er ist ein guter Mensch, ein Verteidiger des Guten", malt er das Bild weiter. "Die Menschen, die mit Waffen umgehen können und trotzdem gute Menschen bleiben, das sind die wahren Krieger."

Ob die deutsche Schule der Fechtkunst, die im Mittelalter beherrschend war, oder die italienische, spanische und später dann die französische - der Altmeister ist mit allen vertraut und bildet seit Jahren Schwertkämpfer aus. Längst sind es nicht mehr nur Show-Kämpfer, die auf sein Wissen zurück greifen. "Sinn des Fechtens ist die schöne Bewegung. Es gibt viele Leute, die nach körperlicher und seelischer Ausgewogenheit suchen und das im Fechten finden", sagt er. "Man muss sich sehr konzentrieren, alle anderen Gedanken ausblenden. Das frisst einen völlig für ein oder zwei Stunden auf. Fechten ist eine Art Meditation", erklärt er die Faszination der ästhetischen Kampfkunst.

Mit Meditation hat das, was die Wikinger veranstalten, allerdings nicht viel zu tun. "Wenn die dran sind, wird es immer laut", weiß auch der Veranstalter des Treffens, der Bernauer Museumsleiter Bernd Eccarius. Schon das Auftreten der vierschrötigen Kerle mit ihren langen Haaren, wilden Bärten und grimmigem Gesichtsausdruck ruft ein Raunen bei den Zuschauern hervor. Und wenn die Muskelprotze aufeinander zustürmen, wird klar: Hier herrscht allein das Recht des Stärkeren

Jascha Kreppner ist von stillerer Natur. Er ist das, was man im Volksmund Ninja-Kämpfer nennt, doch den Begriff hört er gar nicht gerne. Die richtige Bezeichnung seiner Kampfkunst ist Ninjutsu, berichtigt er. Der 42-Jährige stieß bei der Suche nach einer Form der Selbstverteidigung auf die Kunst des Ninjutsu, mit seiner 2500-jährige Geschichte. Grundlage ist die waffenlose Selbstverteidigung, später lernen die Schüler, mit Schwertern, Speeren oder langen Stangen zu kämpfen. "Das Tolle am Ninjutsu ist, dass es sehr anwendbar ist", verrät Kreppner. "Man nimmt seine Umgebung plötzlich ganz anders wahr, überlegt instinktiv: Was von den Gegenständen hier kann ich benutzen, wenn es brenzlig wird?" Der 42-Jährige gibt mittlerweile selber Kurse, unter anderem in Oranienburg (Termine zu erfragen bei der DRK-Suchtberatung). Besondere Voraussetzungen brauchen die Teilnehmer nicht mitzubringen, nur eines sei von Vorteil, sagt Kreppner: "Ausdauer. Man darf nicht gleich aufgeben, wenn etwas nicht klappt. Das ist wichtig."

Wie gut man werden kann, wenn man nicht gleich aufgibt, davon konnten sich die Besucher des Schwertkämpfertreffens jedenfalls überzeugen.

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