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SVF braucht mehr Geld für Bus und Bahn

Martin Stralau / 16.09.2014, 02:31 Uhr
Frankfurt (MOZ) Der Chef der Stadtverkehrsgesellschaft (SVF) Michael Ebermann appelliert an Land und Bund, in Zukunft mehr Geld für Investitionen in Infrastruktur und den Fuhrpark bereitzustellen. Zwei Millionen Euro stehen jährlich zur Verfügung. Der momentane Bedarf liegt aber im Schnitt bei etwa 4,5 Millionen Euro und wird weiter steigen.

Etwas mehr als 90 Millionen Euro bräuchten die gut 30 ÖPNV-Unternehmen in Brandenburg pro Jahr für Investitionen. "Fast 50 Millionen Euro davon sind aber nicht gedeckt, das heißt, die Unternehmen wissen nicht, wo sie dieses Geld hernehmen sollen", sagt Michael Ebermann, Geschäftsführer der Stadtverkehrsgesellschaft.

Sein Betrieb in Frankfurt habe pro Jahr einen Investitionsbedarf von derzeit 4,5 Millionen, wovon allerdings zwei Millionen nicht gedeckt seien. Und der Bedarf werde weiter steigen, sagt Ebermann. Er und Wolfgang Worf, der demnächst die Nachfolge von Ebermann als SVF-Chef antritt, waren deshalb jüngst zusammen mit Vertretern von etwa 70 weiteren Verkehrsunternehmen in Berlin und übergaben eine Resolution an den Bundestag. Darin wird gefordert, dass Bund und Land ihre Fördermöglichkeiten so anpassen und ausbauen, dass notwendige Investitionen getätigt werden können. "Bisher gibt es noch keine großen Probleme, wir haben ja auch mit Fördermitteln in den vergangenen Jahren einiges finanziert. Aber um die Investitionen in den kommenden Jahren zu stemmen, brauchen wir mehr Geld", so Ebermann.

Die größte Herausforderung sei, Fahrzeuge und Verkehrsanlagen so auszurüsten und umzugestalten, dass sie bis zum Jahr 2022 barrierefrei sind. Das ist bundesweit durch das novellierte Personenbeförderungsgesetz vorgeschrieben. "Bei den Bussen bräuchten wir dafür 22 neue barrierefreie Fahrzeuge", sagt Worf. "Ein Standard-Linienbus kostet ungefähr 280 000 Euro, ein Gelenkbus etwa 350 000 Euro", rechnet er vor. "Die halten dann so zwölf Jahre." Um weniger als die 22 benötigten Busse kaufen zu müssen, sollen ein paar ältere einer Generalreparatur unterzogen werden. "Sie können dann noch acht bis zehn Jahre fahren", erklärt Worf.

Bei den Straßenbahnen lohnen sich solche Reparaturen und Umrüstungen Ebermann zufolge aber aus "betriebswirtschaftlichen Gründen" nicht. 15 neue Niederflurbahnen müsste die SVF im Zuge des barrierefreien Umbaus neu kaufen. "Eine Bahn kostet 2,5 Millionen Euro, kann dafür aber auch 35 bis 40 Jahre eingesetzt werden", sagt Ebermann. Hinzu komme der Ausbau und die Umrüstung von Haltestellen, wobei nicht nur die SVF als Dienstleister, sonder auch die Stadt als Aufgabenträger des öffentlichen Nahverkehrs gefragt sei. "Noch steht der abschließende Bedarf nicht fest. Insgesamt gibt es viele Variablen, die eine genaue Berechnung, wie viel Euro mehr wir in den kommenden Jahren für Investitionen brauchen, unmöglich machen. Wichtig ist, dass wir vom Bund und Land auskömmlich unterstützt werden und langfristig verlässlich planen können", sagt Ebermann. So fehlten in diesem Jahr zum Beispiel noch "schätzungsweise 800 000 Euro" aus Regionalisierungsmitteln.

Ebermann kritisiert, dass Fördermittelgeber wie das Land von der früher gängigen Praxis abgewichen seien, Einzelförderungen von Projekten auf Antrag zu gewähren. Heute werde "zu oft Geld pauschal nach dem Gießkannenprinzip verteilt", was teilweise den Bedarf nicht decke. So gebe es Einzelförderungen nur bei Projekten ab fünf Millionen Euro. Einige Maßnahmen wie die knapp drei Millionen Euro kostende Erneuerung der Straßenbahnbrücke über die Autobahn 12 fallen damit von vornherein raus und müssen anders finanziert werden. "Prüfungen haben ergeben, dass die Brücke bis 2016 saniert werden muss. Wir kommen an dieser Maßnahme nicht vorbei, denn dort fahren unsere Kernlinien 3 und 4 Richtung Markendorf", sagt Ebermann.

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