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Ministerin bestätigt Antrag auf Erweiterung einer Entsorgungsanlage / Feinstaubwerte nicht erhöht

Schwedt schluckt mehr Müll

Schwedt, Juli 2014: Betriebsgelände der Recon-T GmBh. Die Erweiterung wird vorbereitet.
Schwedt, Juli 2014: Betriebsgelände der Recon-T GmBh. Die Erweiterung wird vorbereitet. © Foto: Dietmar Rietz
Michael Dietrich und Dietmar Ri / 16.09.2014, 06:58 Uhr
Potsdam/Schwedt (MOZ/dpa) Die Nationalparkstadt muss wohl noch mehr Müll schlucken. Umweltministerin Anita Tack (Linke) hat jetzt auf eine parlamentarische Anfrage den MOZ-Bericht bestätigt, dass die Firma Recon-T GmbH die Erweiterung der Anlage beantragt hat.

Die Grünen kritisierten die "Müllimporte" in den Nationalpark Unteres Odertal. Laut Umweltministerin wurden in der Anlage zuletzt jährlich bis zu 69000 Tonnen gemischte Siedlungsabfälle und hausmüllähnlicher Gewerbeabfall verarbeitet.

Recon-T bestätigt, dass das Antrags- und Genehmigungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist und das Unternehmen noch "Hausaufgaben" erledigt.

Hauptsächlich verarbeitet die Firma derzeit Hausmüll aus der Uckermark. Hinzu kommt künftig Müll aus der Landeshauptstadt. Das Unternehmen hat eine EU-weite Ausschreibung der Stadt Potsdam für die Entsorgung von bis zu 50 000 Jahrestonnen gewonnen. Nach MOZ-Informationen existiert bislang eine Genehmigung für die Sortierung, Behandlung und Zwischenlagerung von 50000 Tonnen Altpapier, 18000 Tonnen Altholz und Sperrmüll sowie 110000 Tonnen Hausmüll und andere Abfälle.

Die Stadt Schwedt hat bereits den Bebauungsplan zur Betriebserweiterung freigegeben. Zwei Hektar Industriefläche sind damit als zusätzliche Zwischenlager für Sortierfraktionen und behandelte Abfälle ausgewiesen. Der Platz dafür ist schon genehmigt und gerodet. Als Ersatz dafür werden 5,5 Hektar Wald wieder aufgeforstet, im WK VII und an der Forststraße. Damit soll der Grüngürtel zur Wohnbebauung Monplaisir verdichtet werden.

Nach der Erweiterung der Anlage könnten mehr als 200 000 Tonnen Abfall bei Recon-T verarbeitet, hier und anderenorts entsorgt werden. "Es kommen kein neuer Hausmüll oder hausmüllähnlicher Gewerbeabfall dazu", versichert Recon-T-Chef Uwe Bartz. Er will diese Steigerung der Verarbeitungskapazität im Interesse der Schwedter Industrie vor allem durch die Erweiterung der Betriebszeiten sowie den Einsatz zusätzlicher Zerkleinerungstechnik erreichen.

Hausmüll wird bei Recon-T vorrangig zu Ersatzbrennstoff verarbeitet, also so behandelt und getrocknet, dass er in Abfallverbrennungsanlagen wie dem Kraftwerk von Leipa verbrannt werden kann. Um den dafür erforderlichen Brennwert zu erreichen, trocknet die Firma den Müll in einer großen Anlage.

Erhöhte Feinstaubwerte in der Umgebung der Abfallanlage seien bislang nicht festgestellt worden, erklärte die Ministerin auf die Anfrage von Grüne/Bündnis 90 im Parlament. Messungen zur Keimbelastung und zur Giftbelastung des Mülls sind ihr zufolge bisher nicht durchgeführt worden.

Die Bewohner der Monplaisir-Siedlung sind immer wieder von Geruchsbelästigungen betroffen. Eine Bürgerinitiative macht sich vor allem für strengere Kontrollen und Auflagen in der benachbarten Abfallbehandlungsanlage stark und protokolliert jeden Gestank-Alarm. Die Sommerhitze hatte in der Siedlung, aber auch am Marchlewskiring und anderenorts den wieder Ärger hochkochen lassen. Bürger beschwerten sich bei Müllverbrennern und -sortierern, Behörden und der MOZ über den Gestank. Das Landesumweltamt bestätigte allein für die ersten 28 Juli-Tage 22 Beschwerden über Geruchsbelästigungen. Diese sollen sich auf fünf Quellen konzentriert haben. Verursacherprüfungen ließen damals keine Verstöße gegen Genehmigungen oder Vorschriften erkennen.

Uwe Bartz sagte damals zu den Bürger-Vorwürfen: "Wir nehmen solche Hinweise ernst, ebenso wie die Vorschriften für den Betrieb der Müllsortierung. Die Türen der Anlieferhalle bleiben geschlossen, die Filteranlage ist in Betrieb." Das Unternehmen werde regelmäßig kontrolliert und informiere selbst über Geruchsbelästigungen, die es nicht verursacht hat.

Laut Landesumweltamt gibt es in Schwedt eine Anlage zur Herstellung von Ersatzbrennstoffen aus Hausmüll, eine zur Verbrennung solcher Ersatzbrennstoffe, eine zur Verbrennung von gefährlichen Abfällen sowie eine Verbrennungsanlage für Abfälle aus der Papierindustrie. Die Behörde will mit den Anlagenbetreibern in Schwedt "geeignete, geruchsmindernde Maßnahmen" finden.

Als mögliche Quellen für den Gestank werden in Schwedt auchAusdünstungen von Biogasanlagen genannt, Produktionsreste aus der Biospritproduktion auf Feldern, Ausdünstungen der Raffinerie beim Hoch- und Runterfahren von Anlagen und von industriellen Wasseraufbereitungsanlagen..

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SCHWEDTER 17.09.2014 - 10:53:11

Bitte nicht noch mehr Gestank

Ich bin gegen die erweiterung der Anlage. Es gibt in der Uckermark genug Flächen fern abseits von bebauten Gegenden. Stoppt diese Wahnsinnigen Pläne von RECON in Schwedt!!!!

arbeiter 17.09.2014 - 10:40:27

da kommt mir..

das gute alte snafu prinzip in den sinn: http://www.kloth.org/de/info/snafu.php wie passend.

Vier Elemente 16.09.2014 - 20:27:04

Abfall

Wer kontrolliert den Müll, ob bei ReconT oder bei TSH, hier sind die Umweltexperten und der Zoll in der Pflicht und zwar mehrmals in der Woche. Woher will man wissen, ob nicht doch in dem angelieferten Abfall oder Ersatzbrennstoffe "Sondermüll"- o.ä. enthalten ist. Vor kurzem habe ich eine Sendung " Zollkontrolle" gesehen, da wurden nur die Papiere kontrolliert, da bekommt man nicht mit, ob sich zwischen den Ersatzbrennstoffen giftiger Abfall befindet. Es wäre gut, wenn bei beiden Gewerbebetrieben geschulte Mitarbeiter vom Umweltamt die genaue Kontrolle der ankommenden Abfallstoffe vornehmen.Hier ist das Landesumweltamt in der Pflicht. Hier kann auch M. Bischoff zeigen, ob er hinter der Stadt Schwedt steht und sich für die Belange der Schwedter Bürger einsetzt. Der Abfall muss irgendwo verarbeitet werden, dass ist richtig, aber mit scharfen Kontrollen und Auflagen.

Zwei Kreuze 16.09.2014 - 20:23:42

Eine Sauerei

Das Volk hat Rot, Rot und Schwarz gewäht. Der Ministerpräsident sondiert in seinem Landtagsschloss. Und Mief vom Müll darf um Potsdam herum nicht entstehen. Schnell weg in die Uckermark. Wie es das Volk halt verdient.......

Gartzer 16.09.2014 - 19:49:20

Pinnow

Verstehe ich nicht da könnt ihr noch mehr Industrie haben und wollt nicht. Mir wäre lieber in Gartz würden sich endlich Firmen ansiedeln. Gewerbe ist hier Mangelware so wie Arbeitsplätze allemal.

Andreas Schwarze 16.09.2014 - 18:28:23

@ Leser

Das war ja nur eine Idee, wenn nicht "gut" dann auch okay. Ich wohne nicht in SCHWEDT aber man kann ja die Betroffenen unterstützen.

Leser 16.09.2014 - 16:03:13

WIESO PINNOWER INDUSTRIEGEBIET

Hallo Andreas, wieso Pinnow, EUCH stinkt es hier und die Pinnower und Umgebung sollen das dann ertragen, ich glaub es ja nicht. Du warst wohl schon lange nicht mehr im Industriegebiet Pinnow, sonst wüsstet Du dass sich dort viele Firmen niedergelassen haben.

Andreas Schwarze 16.09.2014 - 14:35:54

"Nationalparkstadt"

Ich denke der Bürgermeister der Stadt Schwedt ist Politprofi genug um zu wissen was mit der Erweiterung der Müll(verdunstungs)anlage alles auf dem Spiel steht! Der landrat ist ja bekanntlich auch ein Naturbursche und Öko-Fan. Vielleicht gibt´s da sogar Nachhilfe! ;-) Hinsichtlich Natur und Touristisches-HotSpots hat Schwedt außer den UBS und dem Hugenottenpark sowie der Altstadt wenig zu bieten. Kino und Spaßbad sind touristisch gesehen eher bedeutungslos. Viele "ulkten" seinerzeit schon über die Ernennung zur "Nationalparkstadt". Wenn dann künftig bei "Tante google" gleich nach dem Suchwort SCHWEDT dann BÜRGERPROTEST, MÜLL GESTANT & ERWEITERUNG MÜLLANLAGE kommen, ja dann Gute Nacht Schwedt! Was ist zu also zu tun? Recon-T GmBh wittert PROFIT! Klar, geringe Gewerbesteuern, die Unternehmervereinigung - viele Unterstützer usw.. Jetzt sollte hinterfragt werden: Entstehen nennenswert zusätzliche Arbeitsplätze? Ist die Erweiterung mit dem Tourismus und dem Stadtbild in Einklang zu bringen? Profitieren die Bürger? Die Betroffenen könntensich, wenn sie etwas erreich wollen, prominente Unterstützer suchen. Den Nationalparkchef Dirk Treichel. Stefan Zierke. Beide Touristiker! Oder ich denke sogar an den Intendanten der UBS! Auf geht´s leibe Schwedter! ich bin gespannt! Und die politisch Verantwortlichen der Nationalpark Stadt Schwedt sollte sich die Frage stellen: Steht in ihrem Handeln der MENSCH und seine GESUNDHEIT an Prio 1 oder die Interessen der MARKTWIRTSCHAFT!

Leserlotte 16.09.2014 - 13:48:12

Eine Idee

Die Betroffenen - so sie nicht weiter kommen - könnten den Weg des zivilen Ungehorsam gehen. Einfach die BILD Zeitung bestellen und zur besten Besuchszeit vor dem Eingang des Bürgerrathauses ein paar Schubkarren wohl riechenden Düngers platzieren. Haben in Berlin schon mal welche vor dem Brandenburger Tor gemacht. Dann wäre das tolle Luftklima der Nationalpark-Stadt gleich weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Das ist dann Regionalmarketing.

Kein SPD-Wähler 16.09.2014 - 11:39:34

Wir alle wissen was stinkt.

Warum ? Weil wir wissen, wie das PCK duftet. Weil wir wissen wie die Papierfabriken duften u.a. Vor allem wissen wir, wie Müll rumpestet. DIe Einwohner für blöde hinzustellen ist wieder typische Seilschaftenpolitik der SPD in Stadt und Land.

Manfred 16.09.2014 - 11:28:20

Die Wahl ist vorbei

Die Wahl ist vorbei und die Katze wird aus dem Sack gelassen. Wenn gesagt wird man könne keine Verursacher feststellen ist das der wahre Hohn. Ich behaupte man will nicht. Gestank kann man ja glücklicher Weise nicht sehen. Nächstens wird vielleicht noch behauptet, dass es überhaupt nicht stinkt und die Bürger würden sich das alles nur einbilden und wenn wäre das auf keinen Fall schädlich.

Andreas Schwarze 16.09.2014 - 11:19:33

Ja aber was denn nun?

Nationalparkstadt mit guter Luft und Tourismus oder Abfallbeseitigungs- Industrie- und Callcenterstandort Nr. 1 in der Uckermark?! Sind denn im Pinnower Industriegebiet nicht noch Flächen frei?

Brötchen 16.09.2014 - 10:30:36

Schweinerei !

So dicht an der Wohnbebauung und in diesem Park. Bäume fällen und Gestank. Daß sich die Verantwortlichen nicht schämen. Sowas ist nicht einen Euro Steurn wert.

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