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"Weißt du noch?"war die Frage des Tages

Diamantene Einschulungsfeier in Ortwig: hintere Reihe v. links: Manfred Brauer, Hartmut Lichtenberg, Christian Naue, Reimuth Hennig, mittlere Reihe von li.: Sabine Doman (geb.Adam), Brigitte Engel (Sommerfeld), Heinz Seifert, Bernd Miethke,Erwin Gesche, 3
Diamantene Einschulungsfeier in Ortwig: hintere Reihe v. links: Manfred Brauer, Hartmut Lichtenberg, Christian Naue, Reimuth Hennig, mittlere Reihe von li.: Sabine Doman (geb.Adam), Brigitte Engel (Sommerfeld), Heinz Seifert, Bernd Miethke,Erwin Gesche, 3 © Foto: Johann Müller
Ulf Grieger / 17.09.2014, 02:58 Uhr
Ortwig (MOZ) Diamante Einschulung, ein Klassentreffen aus Anlass des 60. Jahrestages, haben in Ortwig 23 von ursprünglich einmal 30 Abc-Schützen des Dorfes gefeiert. Manche haben sich mehr als 50 Jahre nicht gesehen.

1947/48, als die Teilnehmer des selten gefeierten "Diamantenen Einschulungsfestes" geboren wurden, war ihre Heimat von Krieg und Hochwasser gezeichnet. Sie kamen aus den kleinen Dörfern des Umkreises nach Ortwig, um gemeinsam bei Fräulein Hahn (heute Waltraud Binte) das Abc und das Einmaleins zu erlernen. Über moddrige Feldwege, in Gummistiefeln zumeist stapften sie aus Groß Neuendorf, Gieshof und Zelliner Loose nach Ortwig. Und mussten ab der 7. Klasse bis nach Neubarnim, wo sie mit den dortigen Kindern bis zur 8. oder 10. Klasse lernten. So waren denn auch zum Treffen Klassenkameraden aus Neubarnim und Kienitz dabei, die vor 50 Jahren gemeinsam mit den Ortwigern ihren Schulabschluss machten.

Es dauerte für die meisten auch etwas, bis man sich gegenseitig wiedererkannte. Vor 25 Jahren, 1989 hatte es schon einmal ein Klassentreffen in Neubarnim gegeben, dann nicht mehr. Manche hatten aber auch über die Jahre Kontakt gehalten. Wie Doris Krämer, die heute Doris Maetschke heißt und in Bayern wohnt. Sie freute sich, ihre Schulfreundin Annedore Grafe wiederzusehen, die in Neubarnim aufgewachsen ist, wo ihre Eltern einen Bauernhof hatten.

Annedore Grafe hatte 1974 den von den DDR-Machthabern bereits mundtot gemachten Wissenschaftler und Widerstandskämpfer Robert Havemann geheiratet und heißt seither Katja Havemann. Die studierte Heimerzieherin hatte Havemann 1970 in der Wohnung des regimekritischen Liedermachers Wolf Biermann kennengelernt. Vor 25 Jahren hatte sie gemeinsam mit Bärbel Bohley und Rolf Henrich auf dem Havemannschen Grundstück in Grünheide die Bürgerbewegung Neues Forum gegründet, die in den folgenden Monaten die Impulse zur friedlichen Revolution gab, die zum Ende der SED-Herrschaft und schließlich zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland führte.

"Weiß du noch?" - so begannen die meisten Erinnerungsgespräche. "Weiß du noch, wie wir gemeinsam Rübensirup gekocht haben?", fragte denn auch Doris Maetschke, die Chemie an der Humboldt-Uni studiert hat, ihre Annedore.

Evelin Miethke, ihr Mann Bernd gehört zum Ortwiger Einschulungsjahrgang 1954, hatte die Fäden der Organisation in die Hand genommen. Und war froh über die gute Resonanz, die das Treffen bei den 67-Jährigen gefunden hatte. Die meisten aus dem Jahrgang haben einen Handwerks- oder Landwirtschaftsberuf erlernt. Ein Mitschüler, Michael Schneider, war mit seinen Eltern noch vor dem Mauerbau in den Westen geflohen. Damals hieß er Detlef Schmidt. Gezeichnet von schwerer Krankheit, war der heute in Berlin lebende Jubilar ebenfalls nach Ortwig gekommen.

"Die meisten waren so begeistert, dass sie gleich im nächsten Jahr wiederkommen wollen. Aber wir haben uns erst einmal verständigt, uns zu treffen, wenn sie 70 werden", erzählte Evelin Miethke.

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