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Kampagne "Brandenburg bleibt bunt" informiert auf dem Markt über Homosexualität / Regenbogenflagge am Rathaus gehisst

Ohne Farben alles grau

Setzt sich für mehr Toleranz ein: Guillaume Carpentier, Berater bei der Aidshilfe Potsdam, steht nicht nur auf dem Eberswalder Marktplatz für ein Gespräch zur Verfügung, er gibt auch Workshops an Schulen.
Setzt sich für mehr Toleranz ein: Guillaume Carpentier, Berater bei der Aidshilfe Potsdam, steht nicht nur auf dem Eberswalder Marktplatz für ein Gespräch zur Verfügung, er gibt auch Workshops an Schulen. © Foto: MOZ
Anna Fastabend / 17.09.2014, 03:45 Uhr - Aktualisiert 18.09.2014, 10:32
Eberswalde (MOZ) Noch vor zehn Jahren stießen die Organisatoren der Toleranzkampagne für sexuelle Vielfalt in Brandenburger Städten auf echte Ablehnung. Am Freitag hatten sie ihren Infostand gegenüber dem Rathaus aufgebaut und waren das Marktgespräch des Tages.

Die Hymne "Y.M.C.A" von den Village People schallt über den Marktplatz, der an diesem Freitag ganz im Zeichen des Regenbogens steht. Am Rathaus hängt die bunt gestreifte Flagge, die weltweit das Symbol für einen toleranten Umgang mit sexueller Vielfalt bedeutet. Und auch "Die Ruferin" will Fahne schwingend auf etwas Wichtiges aufmerksam machen: In Eberswalde sind alle Menschen willkommen, egal, ob sie heterosexuell, lesbisch, schwul, bi- oder transsexuell sind.

Der Infostand der Toleranz-Kampagne "Brandenburg bleibt bunt" ist an diesem Markttag der Hingucker: Ausgelassen tanzende Menschen, Kinder lassen sich im Bollerwagen ziehen, bekommen Erdbeeren geschenkt. Erwachsene testen bei einem Quizspiel ihr Wissen über schwul-lesbische Lebensweisen. Im Mittelpunkt steht aber der Austausch zwischen den Organisatoren der Tour und den Bewohnern der Stadt.

Die Kampagne gibt es in Brandenburg nun seit mehr als 15 Jahren. Jedes Jahr ist sie für eine Woche in insgesamt zwei Landkreisen zu Gast, in diesem Jahr im Barnim und in Märkisch-Oderland. Sie wird organisiert vom Aufklärungsverband Andersartig und dem Jugendnetzwerk Lambda Berin-Brandenburg. Bei letzterem ist auch Luka Özyürek seit zehn Jahren ehrenamtlich tätig. Die Berlinerin verneint die Frage, ob die Diskriminierung von schwulen und lesbischen Menschen in den letzten Jahren zugenommen habe. "Sie sind nur lauter geworden", vermutet sie - mit anderen Worten präsenter durch die Medien. Dafür würde aber in den Medien auch über Gegenkampagnen stärker berichtet werden. Guillaume Carpentier von der Aidshilfe Potsdam ist ebenfalls hier, um Vorurteile bei den Bürgern abzubauen: "Ich gebe auch Workshops an Schulen, um Jugendlichen die Berührungsängste mit dem Thema Homosexualität zu nehmen."

Wie wichtig es ist, mit Schülern über Homosexualität zu sprechen, weiß die in Eberswalde lebende Biolehrerin Ute Krakau (49), die sich vom Stand Infomaterial für den Sexualkundeunterricht mitgenommen hat. Sie habe die Erfahrung gemacht, so die Lehrerin, dass gerade Siebt- und Achtklässler leichtfertig mit dem Begriff "schwul" umgehen. Jüngere würden öfter den Satz "Du bist schwul" als Beschimpfung verwenden. Manchmal frage sie, so Ute Krakau weiter: "Und wenn es so wäre?" Dann würden sie ihre Schüler verdutzt angucken. Sobald Jugendliche aber einen schwulen oder lesbischen Menschen in der Verwandtschaft oder im Freundeskreis hätten, wären sie wie ausgewechselt. "Deshalb ist viel Aufklärungsarbeit nötig", so Krakau.

Ein paar Schritte weiter genehmigt sich Hans Joachim Wald einen Kaffee vor der Bäckerei und beobachtet das Geschehen. "Die Regenbogenflagge sieht nicht gut aus", stellt der Rentner aus Eberswalde fest. Damit sei aber nicht die bunte Flagge an sich gemeint. Die gefalle ihm schon. "Ich finde es bloß schade, wie lieblos sie da hängt", erklärt er. Der Stoff hat sich am Mauerwerk verfangen und fällt nicht glatt herunter.

Wofür die Flagge stehe, wisse er, und akzeptiere Homosexualität, sagt Hans Joachim Wald. Da müsse man schließlich mit der Zeit gehen. "Warum sollen die Leute nicht das Leben führen, das sie für richtig halten?", fragt er.

Für den Vorsitzenden des Vereins Andersartig, den 31-jährigen Eric Hein, ist der Besuch in Eberswalde auch ein Heimatbesuch, denn er ist hier aufgewachsen. Er freut sich, dass seine Kampagne mittlerweile in den Städten willkommen ist. "Vor zehn Jahren noch haben wir in Bad Freienwalde echte Ablehnung gespürt. Gestern wurden wir freundlich empfangen."

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