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Heute vor 40 Jahren feierte der FC Vorwärts seine Frankfurter Europacup-Premiere mit einem 2:1 gegen Juventus Turin

Legende Dino Zoff bezwungen

Weltstar: Juves Torhüter Dino Zoff, hier im Trikot der italienischen Nationalelf, musste in Frankfurt zweimal hinter sich greifen.
Weltstar: Juves Torhüter Dino Zoff, hier im Trikot der italienischen Nationalelf, musste in Frankfurt zweimal hinter sich greifen. © Foto: Imago
Hans Eberhard / 17.09.2014, 21:04 Uhr
Frankfurt (MOZ) Heute vor 40 Jahren gab der FC Vorwärts im rappelvollen Stadion der Freundschaft sein Frankfurter Europacup-Debüt und besiegt den italienischen Renommierclub Juventus Turin mit 2:1 (1:1).

An diesen 18. September 1974 denken noch heute viele gern zurück - auch Gerd Schuth. Der "beinharte" Verteidiger und Kämpfer, von seinen Mitspielern respekt- und liebevoll "Eisenfuß" genannt, hatte in der 4. Minute das 1:0 erzielt. "Nach Maßflanke von Rainer Withulz stieg ich hoch, überwand mit einem Aufsetzer-Kopfball in die kurze Ecke den da schon legendären Dino Zoff", erinnert sich der 65-Jährige an jenen Mittwochabend. Nach dem schnellen 1:1 durch Fabio Capello (8.) sicherte Horst Krautzig (74.) vor 20 000 Zuschauern den Heimsieg. Es blieb Schuths einziger Treffer in acht Europacup-Vergleichen - auch deshalb unvergesslich.

Unvergesslich ist diese Partie auch für die damals erst 18-jährigen Eckhard Kreutzer und Lothar Hause. Kreutzer musste nach einer Viertelstunde für den am Knöchel verletzten Rolf-Dieter Kahnt ins Tor. "Beim unverhofften Einsatz war ich anfangs ein wenig aufgeregt, doch als mir der erste Abwehrversuch gelang, war die Befangenheit wie weggeblasen, das Selbstvertrauen war da", erzählt er rückblickend. Es war ein denkwürdiger, weil ungewöhnlicher Einstand nach Maß: Noch vor dem ersten Oberliga-Einsatz erlebte Oberschüler "Ecki", derzeit schwer erkrankt, seine Europapokal-Premiere.

Dem verletzten Erich Hamann blieb nur die Tribünenrolle. "Das war schon bitter, nach dem Pech bei der WM und vor dem Länderspiel gegen Polen in solch einem wichtigen Spiel nur zuschauen zu können. Der prächtige 2:1-Erfolg entschädigte etwas. Der junge Lothar Hause hat mich alles in allem gut vertreten", sagt Hamann. "Ete" feiert im November 70. Geburtstag. Hause übrigens absolvierte 281 Einsätze für den FCV - Platz zwei in der ewigen Liste hinter Jürgen "Kuppe" Nöldner (285).

Frieder Andrich schwärmt heute noch: "Das war eine super Atmosphäre vor großer Kulisse gegen einen Weltklasse-Club, der neben "Dino Nazionale', Causio und Bettega weitere drei Nationalspieler stellte und später alle drei Europacup-Trophäen gewann. Eine Holztribüne war zusätzlich an der Ostseite des Frankfurter Stadions errichtet worden. Im Hinspiel siegten wir verdient vor allem dank unserer Kampfkraft, beim 0:3 im Rückspiel hatten wir keine Chance."

Der jetzige Coach des Brandenburgligisten 1. FCF denkt auch gern an die Europacup-Vergleiche mit Werder Bremen im Jahr 1982 zurück. Nach dem 1:3 im Heimspiel gewann Vorwärts mit 2:0. Der Fußball-Lehrer entrüstet sich jedoch heute noch ein wenig: "Ich hatte noch eine Riesenchance auf dem Fuße, aber der Schiedsrichter pfiff das Spiel zu früh ab. Sonst wären wir durch die Auswärts-Torregel weitergekommen." Andrich, dreimal Torschützenbester der Gelb-Roten, bestritt insgesamt zehn Europapokal-Duelle und erzielte einen Treffer - neben Ralf Conrad eben beim 2:0 an der Weser.

Zwar gelang dem einstigen sechsfachen DDR-Meister FCV in den 20 Frankfurt-Jahren nach seiner "von oben" verfügten Verpflanzung von Berlin an die Oder 1971 nur einmal der Oberliga-Silberrang (1983). Zwar verschwand der Verein immer mehr in der Bedeutungslosigkeit, doch sorgte er in seiner wechselvollen Zwei-Jahrzehnt-Geschichte mit Ab- und Aufstieg und zwei Pokalfinal-Teilnahmen für Oberliga-Belebung im Osten, für Spannung, Dramatik, Freude und Enttäuschung. Für Fußball-Flair eben. Und viele der damals "Verpflanzten" sind hier an der Oder geblieben: Hamann, Wruck, Schuth, Großheim, Wienhold, Geyer, Kreutzer, Lange ...

Die Repräsentativ-Mannschaft des FC Vorwärts stellt sich nach sechs Fußball-Festen im Stadion der Freundschaft demnächst zum zweiten Mal in Markendorf vor. Am 11. oder 12. Oktober sind die Oldies des 1. FC Union Berlin zu Gast. Besucher können da auch wieder einige Kämpen der EC-Premiere vor 40 Jahren in Aktion erleben wie Andrich oder Cheforganisator Schuth. Dazu kommen wieder Karl-Heinz Wienhold, Reinhard Segger, Ralph Probst, Frank Geyer, Bernd Wunderlich, Volkmar Kuhlee, Uwe Schulz und Hardy Duckert.

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Th. Kornmacher 18.09.2014 - 19:42:36

Immer nur rückwärts

Ein Zeichen für den Frankfurter Sport, ist dieses ewige rückwärts gewandte Denken. Es fehlen die aktuellen Erfolge, es gibt keinen Boxer, Ringer oder Judoka der in der Stadt populär ist. Über Fußballer wollen wir nicht reden. Nachdenken sollte man über das Auslaufmodell "Olympiastützpunkt Frankfurt (Oder)". Sinnlos werden hier tausende von Euros Jahr für Jahr verschleudert. Die Führungsschwäche in Sachen Sportentwicklung ist deutlich beim Leiter des OSP zu erkennen. Die Rest-DDR-Kader brachten für Frankfurt (Oder) in den neunziger Jahren noch den einen oder anderen Erfolg, doch nun versagen die Fähigkeiten der Trainer und ihrer Führung bei der Entwicklung von Medaillengewinnern.

Gisela Hummel 18.09.2014 - 18:17:34

Demografischer Fußballwandel

An solch einem wahnsinnig wichtigen Artikel merkt der geneigte Leser, was in unserem Land vorgeht: Eine Alt-Herren-Riege hat hier im Land noch immer die Meinungs- und Deutungshoheit, schwärmt von den guten alten Zeiten, während sich vor ihren Augen eine ganz andere spannende Welt offenbart, die sie aber nicht mehr so richtig verstehen und lieber ausblenden! Armer Dino Zoff, jetzt wirst du noch immer als Klassenkampfgegner mißbraucht und muß herhalten als Legende. Immerhin folgt daraus nämlich die vermeintliche Schlußfolgerung: Wer eine" Legende" besiegt hat, darf sich selbst als "Legende" hofieren lassen. Da ist sie wieder die Wahrheit, dass in der DDR eben doch nicht alles schlecht war - und wenn es eben ein erfolgreiches Fußballspiel war. Für die Italiener war es damals nur eines von vielen anderen Europacup-Spielen - für den kleinen FCV eine Welt, die sich da hinter der Mauer auftat. Nur leider eben nur kurz für die Spieler, denn wir Zuschauer durften damals nicht mit zum Rückspiel nach Turin reisen. Auch so wird im Nachhinein die kleine ummauerte DDR entlarvt als das was sie war: ein Gefängnis, in dem ein paar alte SED-Betonköpfe entschieden, wo und wie und ob ich mir "Welt" bzw. deren Fußball anschauen durfte.

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