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Betrüger setzen wieder vermehrt Brandenburger am Telefon unter Druck und fordern hohe Geldsummen

Per Drohanruf abgezockt

Anna Fastabend / 18.09.2014, 05:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Telefonbetrüger werden immer dreister. Sie tarnen sich als seriöse Geschäftsleute, den Grund ihres Anrufs als dringendes Anliegen - wie ein abzuwendendes Ermittlungsverfahren im Ausland. Doch man kann sich gegen sie wehren.

Nicht mit mir, dachte sich der Rentner Paul Müller* aus Strausberg. Vormittags klingelte das Telefon, eine Berliner Vorwahl. Die Frau gab sich als Melanie Schulze aus und behauptete, sie sei Mitarbeiterin bei der Sparkasse. Dann verkündete sie dem Sparkassenkunden Müller, ihm drohe eine Kontosperrung. Grund: Gegen ihn laufe in der Türkei ein Ermittlungsverfahren. Auch die Berliner Staatsanwaltschaft sei bereits eingeschaltet. Damit nicht noch mehr passiere, habe sie Paul Müllers Fall an eine Rechtsanwältin übergeben.

Und tatsächlich klingelte eine Viertelstunde später erneut das Telefon, wieder aus Berlin. Dieses Mal behauptete eine andere Frau, sie sei Rechtsanwältin Jansen. Um ihr angebliches Anliegen zu beweisen, nannte sie ein fiktives gerichtliches Aktenzeichen. Sie gab dem 76-Jährigen folgenden Auftrag, um das Unheil abzuwenden: Er solle einen Einzahlungsschein bei der Post ausfüllen - die Summe in Höhe von 1800 Euro an einen Herrn Tori Sultan überweisen, nach Ankara, Türkei. Dazu müsse er den Bargeldtransferanbieter Western Union benutzen. Die Besonderheit bei derartigen Überweisungen: Das eingezahlte Bargeld ist Sekunden später beim Empfänger. Der muss nur noch einen gefälschten Ausweis vorlegen - das Geld ist weg.

Richtig absurd wurde es, als die angebliche Juristin ihm mitteilte, dass er bei einem Gewinnspiel über 36 000 Euro gewonnen habe. Diese Summe würde ihm überwiesen werden, wenn sein Geld in Ankara sei. Eine dreiste Abzocke. Denn Paul Müller unterhält weder Beziehungen in die Türkei, noch hat er bei einem Gewinnspiel mitgemacht.

Harald Gräfe von der Eberswalde Verbraucherzentrale kennt viele solche Betrugsversuche in Brandenburg. Zwar seien die Forderungen oft völlig aus der Luft gegriffen. Indem aber mit Kontosperrung oder Justiz gedroht werde, würden die Betrüger mit der Angst der Leute spielen. "Oft werden gezielt alte Leute angerufen und erheblich unter Druck gesetzt", sagt der Verbraucherschützer. Haben diese niemanden, dem sie sich anvertrauen, könne es passieren, dass sie überweisen.

Doch nicht nur alte Menschen tappen in die Falle von Telefonbetrügern. Harald Gräfe berichtet von einem anderen tragischen Fall: Vor einigen Wochen sei ein auszubildender Melker in seine Beratung gekommen. Diesem wurde ebenfalls mit gegen ihn ermittelnden ausländischen Behörden gedroht.

Der junge Mann bekam Panik und zahlte - unglaubliche 20 000 Euro. Denn bei der ersten Forderung blieb es natürlich nicht. Sein Glück im Unglück war, den letzten Zahlschein mit 5000 Euro hatte er falsch ausgefüllt. Der Mitarbeiter der Bank guckte genauer hin, erkannte, dass der Melkerlehrling einer Betrügerbande auf den Leim gegangen war.

"Es gibt Leute, die den Betrügern nicht nur ihre Anschrift durchsagen, sondern am Telefon sogar ihre Kontodaten preisgeben. So werden ganze Konten abgeräumt", bedauert Gräfe.

"Doch der Bürger kann sich wehren", betont Gräfe. Er solle bei unseriösen Angeboten oder Drohungen sofort auflegen. Außerdem sei es hilfreich, den illegalen Anruf bei der Bundesnetzagentur anzuzeigen. Die Nummer werde gesperrt. Zudem solle sich der Belästigte an die Polizei und wie Paul Müller an die Verbraucherzentrale wenden.

* Name von der Redaktion geändert. Beratungstelle Verbraucherzentrale Eberswalde, Puschkinstraße 13, 0331 98229995.

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