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Asklepios-Klinikum Uckermark richtet 24-Stunden-Hotline für minderjährige werdende Mütter ein

Not-Telefon für junge Schwangere

Schluss mit Partyspaß? Wenn junge Mädchen plötzlich schwanger werden, stehen sie vor ganz anderen Problemen als ihre gleichaltrigen Freunde. Oft fühlen sie sich allein gelassen oder verdrängen die Schwangerschaft - mit bösen Folgen.
Schluss mit Partyspaß? Wenn junge Mädchen plötzlich schwanger werden, stehen sie vor ganz anderen Problemen als ihre gleichaltrigen Freunde. Oft fühlen sie sich allein gelassen oder verdrängen die Schwangerschaft - mit bösen Folgen. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Daniela Windolff / 20.09.2014, 06:50 Uhr
Schwedt (MOZ) Sie sind selbst noch Kinder und sollen plötzlich Verantwortung für ein eigenes Kinder übernehmen. Deutschlandweit steigt die Zahl minderjähriger Mädchen, die schwanger werden, an. Das Asklepios-Klinikum Uckermark reagiert darauf mit einem neuen Nottelefon, das rund um die Uhr Beratung anbietet.

Schule, Hausaufgaben, Facebook, Computerspiele, mit Freunden quatschen, Disko - das gehört heute zum ganz normalen Alltag Jugendlicher. Windeln wechseln, Fläschchen kochen, Bauchweh lindern und mitten in der Nacht ein schreiendes Baby trösten, das steht nicht auf dem Plan 15- oder 16-jähriger Teenager. Und doch werden deutschlandweit jedes Jahr über 2000 Schwangerschaften bei Mädchen zwischen 13 und 17 Jahren festgestellt, auch in der Uckermark - Tendenz steigend.

Für die Betroffenen ist die frühe, ungeplante Schwangerschaft zunächst oft ein Schock. "Viele Mädchen verdrängen es, trauen sich nicht, ihre Sorgen und Ängste irgendjemandem anzuvertrauen und melden sich auch oft erst sehr spät beim Frauenarzt", muss Dr. Beata Loj, Chefärztin der Frauen- und Geburtsklinik im Schwedter Asklepios-Klinikum, immer wieder erfahren. "Doch gerade diese sehr jungen Schwangeren bräuchten so frühzeitig wie möglich Unterstützung und Begleitung. Oft kommen sie aus schwierigen sozialen Verhältnissen, sind unzureichend aufgeklärt über Schwangerschaft und Gefahren für das Ungeborene. Nicht selten rauchen sie, ernähren sich ungesund, nehmen Vorsorgeuntersuchungen nicht wahr", macht Dr. Beata Loj auf die Probleme aufmerksam. Die Folgen sind oft traurig: Frühgeburten, untergewichtige Neugeborene, Kinder mit erheblichen Entwicklungsverzögerungen oder Behinderungen. Deshalb liegt eine frühzeitige Betreuung dieser Schwangeren auch dem Chefarzt der Schwedter Kinderklinik, Dr. Wenzel Nürnberger, persönlich am Herzen. Gemeinsam haben sie nun ein Konzept entwickelt, um minderjährigen Schwangeren so früh wie möglich Hilfe anzubieten. Das Asklepios-Klinikum hat eine Hotline eingerichtet, die rund um die Uhr mit Fachärzten des Klinikums besetzt ist. Hier können sich Betroffene Rat holen, finden sie Zuspruch, Unterstützung und kompetente Hilfe bei allen Problemen, die mit der frühen Schwangerschaft zusammenhängen - auch anonym. "Es gibt zwar bereits gute Beratungsstellen. Doch das Wissen darum und die Hemmschwelle, dort hinzugehen, ist oft groß. Man könnte gesehen werden", sagt Beata Loj.

"Viele der Mädchen, sind selbst noch Kinder, mitten in der Entwicklung, in der Pubertät. Sie sind durch die Schwangerschaft extrem emotional aufgewühlt und haben auch Angst. Wie sagen sie es den Eltern, wie reagiert der Kindsvater, die Freunde? Was wird mit der Schule? Soll ich das Kind austragen oder nicht? Schaffe ich das allein. Wo gibt es finanzielle Hilfe? Die Sorgen erdrücken, verhindern oft, klar zu denken, wenn nicht starke familiäre Unterstützung sicher ist", sagt Wenzel Nürnberger. Die Hotline, die ab sofort freigeschaltet wird, ist eine Art Not-Telefon, das Anonymität und kompetente, persönliche Beratung garantiert. "Unser Anliegen ist es, den Mädchen eine erste, leicht zugängliche Anlaufstelle zu bieten, wo sie sich anvertrauen können", erklärt der Arzt. "Durch die Zusammenarbeit von Gynäkologie, Geburtshilfe und Kinderklinik können wir das Telefon rund um die Uhr besetzen und können auf vielfältige Probleme eingehen oder die Mädchen an andere Fachbereiche oder Stellen weitervermitteln. Hilfe gibt es ausreichend. Man muss sie nur kennen und in Anspruch nehmen. Unser Ziel ist es, die jungen Schwangeren zu befähigen, eigenverantwortlich entscheiden zu können, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie nicht allein sind. Letztlich kann ein junger Mensch auch daran reifen, wenn man es gut macht."

Das Klinikum verteilt Flyer für das neue Angebot auch an Schulen und hofft, dass es sich herumspricht und die jungen Schwangeren erreicht, die es brauchen.

24-Stunden-Hotline für minderjährige Schwangere, Telefon 03332 53444

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A.K. 23.09.2014 - 20:29:18

Eine gute Sache!

Wir als Familie finden dass das Angebot eines Not-Telefons für junge Schwangere ein sinnvolles und notwendiges Projekt ist. In der Presse wird häufig über die dramatischen Auswirkungen durch Überforderung von jungen Eltern bzw. werdenden Müttern berichtet. Es ist überaus traurig wenn Kinder als Folge eines unstetigen Lebenswandels mit Behinderungen bzw. körperlichen und geistigen Einschränkungen zur Welt kommen. Besonders bestürzt war unsere Familie über den Tod des kleinen Mädchens im nahegelegenen Örtchen Friedrichstahl. Das Projekt des Not-Telefons von Frau Dr. Loj und Herrn Dr. Wenzel Nürnberger setzt in unseren Augen Maßstäbe bei der Betreuung von schwangeren Teenagern. Es ergänzt das bereits breite Netz von Hilfsangeboten für junge Familien in unserer Region, durch eine professionelle Beratung rund um die Uhr. Dieses Projekt muss möglichst in allen Schulen, Kitas und Jugendeinrichtungen bekannt gemacht werden. Wir als Eltern eines vierjährigen Kindes möchten das Team um diese beiden Ärzte ermutigen diesen Weg weiter zu gehen. Es zeigt sich auch immer wieder, wie wichtig der Kampf der Schwedter Bevölkerung um die Kinderklinik im Asklepius Klinikum in Schwedt/Oder gewesen ist. Die Kinderklinik zählt zu den Standortvorteilen unserer Stadt und sichert zu einem großen Teil den Wirtschaftsstandort Schwedt. Beim Kampf um diese Kinderklinik gab es seit langem eine generationsübergreifende Einigkeit unter der Schwedter Bevölkerung, der Politik und der Wirtschaft in unserer Region. Aus eigener Erfahrung können wir bestätigen, mit welcher Hingabe und Professionalität sich das Team um Chefarzt Dr. Wenzel Nürnberger um erkrankte Kinder und ihre Eltern kümmert. Das Team von Pflegepersonal und Ärzten schafft es, in der Schwedter Kinderklinik fast eine familiäre Atmosphäre entstehen zu lassen, welche die Genesung der Kinder fördert. Wir als Eltern hoffen, dass es in unserer Region nie wieder eine Diskussion um die Aufrechterhaltung der Kinderstation im Klinikum Uckermark gibt und dieses neue Projekt vielen jungen Schwangeren bei der Lösung ihrer Probleme helfen wird!

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