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Methoden der Kriminellen sind unterschiedlich / Verbraucherzentrale rät zur Wachsamkeit

Dreiste Telefonbetrüger

Anna Fastabend / 23.09.2014, 20:15 Uhr
Eberswalde (MOZ) Betrugsversuche am Telefon sind kein Einzelfall. Immer wieder belästigen Kriminelle arglose Bürger. Dabei gehen sie unterschiedlich vor: Sie versprechen hohe Gewinnsummen oder drohen mit rechtlichen Kosten. Oft scheuen ihre Opfer den Gang an die Öffentlichkeit.

Sie gehören zu den Mutigen. Denn Paula (77) und Hans Meier (80)* aus dem Amt Barnim-Oderbruch wagen nicht nur den Gang zum Verbraucherschutz. Sie sind darüber hinaus die Zweiten, die der MOZ ihre Geschichte erzählen. Und wollen so andere vor Telefonbetrügern schützen.

"Intuitiv wusste ich, das kann nicht stimmen", sagt Paula Meier, als sie und ihr Mann in der Verbraucherzentrale sitzen. Trotzdem hätte das Ehepaar -wie Unzählige andere auch - fast einen großen Fehler begangen. Und die angebliche Forderung in Höhe von 2780 Euro bezahlt. Warum? Ihm wurde weisgemacht, es hätte ein Gewinnspiel nicht gekündigt, bei dem es vor zwei Jahren mitgemacht hatte.

Als Hans Meier 2012 einen ungewöhnlichen Anruf erhielt, glaubte er für kurze Zeit an das Glück. Eine freundliche Person bot ihm an, sich für drei Monate an einem Gewinnspiel zu beteiligen. Für lediglich 90 Euro monatlich versprach sie ihm Gewinne in Höhe von 5000 Euro.

Hans Meier willigte ein, zu groß war die Verlockung. Er zahlte einmal, zweimal per Lastschrift. Doch der erwartete Geldsegen blieb aus. Denn, so Verbraucherschützer Harald Gräfe: "Niemand hat etwas zu verschenken." Also wies Ehepaar Meier ihre Hausbank, die Sparkasse, an, die dritte Rate zurückzubuchen. Und tat das verlorene Geld als "Lehrgeld" ab.

Doch der Spuk fing damit erst an. Nun hatte die Gewinnspiel-Firma ein Druckmittel gegen das Ehepaar in der Hand. Immer wieder riefen Leute bei ihm an, forderten die letzte Rate, behaupteten, dass es nicht ordentlich gekündigt hatte. Doch sie seien hart geblieben, hätten fast immer sofort aufgelegt, sagt Paula Meier.

Jetzt, Mitte September aber verschärfte sich die Situation. "Uns rief eine Frau aus Hamburg an. Behauptete, sie sei von der Abteilung Pfändungsschutz der Sparkasse", so Hans Meier. Diese unterrichtete das Ehepaar von den zu zahlenden 2780 Euro. Sonst werde ihr Konto eingefroren. Die Forderung setze sich aus der damals nicht gezahlten Gewinnspiel-Rate, Mahngebühren sowie Anwalts- und Gerichtskosten zusammen, erklärte die angebliche Sparkassenmitarbeiterin. Hans Meier erwiderte, er habe damals ja schriftlich kündigen wollen, aber keine Adresse der Gewinnspiel-Firma gehabt. Das müsse er erst mal beweisen, erwiderte die Frauenstimme am anderen Ende. "Trotzdem wirkte sie so freundlich und hilfsbereit", sagt das Ehepaar. Sei ihnen sogar entgegengekommen: Würden die Meiers sofort zahlen, reduziere sich die Summe um 400 Euro. Zum Schluss sagte diese noch: "Bitte lassen Sie sich nie wieder auf so etwas ein." Damit hatte sie die Meiers um den Finger gewickelt. - sie waren drauf und dran, zu zahlen.

So wie eine Rentnerin aus dem Barnim, berichtet Verbraucherschützer Gräfe. Bei ihr hatten Telefonbetrüger innerhalb von acht Wochen über 2000 Euro vom Konto erbeutet. Sie hatte am Telefon Adresse und Kontonummer preisgegeben, das Geld war per Lastschrift abgebucht worden. Eine Sparkassenmitarbeiterin war eingeschritten, als diese den ungewöhnlichen Zahlungsverkehr bemerkt hatte. Nun half alles nichts. Die Seniorin wechselte auf Gräfes Rat hin ihre Telefonnummer, eröffnete sogar ein neues Konto. Doch die Betrüger hatte die Daten der Frau längst weiterverkauft. Zahlungsaufforderungen von 150 Firmen flatterten ihr nach und nach ins Haus.

"Verbraucher sind aber nicht wehrlos", betont Gräfe. Wichtig sei, sich keine Angst einjagen zu lassen. Bei Telefonverträgen stehe dem Verbraucher immer ein Widerrufsrecht zu. Über dieses müsse er schriftlich belehrt werden, und es müsse die Widerrufs-Adresse beinhalten. "Steht ein Inkassounternehmen vor der Tür, rufen Sie die Polizei", sagt Gräfe weiter. Der Einzige, der Wertgegenstände pfänden dürfe, sei der Gerichtsvollzieher - doch dies müsse vorher per Gerichtsbrief angekündigt werden.

Bei den Meiers jedenfalls siegte das Bauchgefühl. Sie zahlten nicht. Und wollen zukünftig bei unseriösen Angeboten auflegen. "Man soll mit dem zufrieden sein, was man hat", so Paula Meier.

Namen von der Redaktion geändert. Beratungsstelle Verbraucherzentrale Eberswalde, Puschkinstraße 13, Tel. 0331 98229995.

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