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Truppenabzug vor 20 Jahren

4. August 1994: Letztes Gedenken der russischen Garnison an die Landsleute, die 1945 bei der Befreiung Frankfurts ums Leben kamen.
4. August 1994: Letztes Gedenken der russischen Garnison an die Landsleute, die 1945 bei der Befreiung Frankfurts ums Leben kamen. © Foto: MOZ/Christel Walter
Thomas Gutke / 24.09.2014, 07:28 Uhr
Frankfurt (MOZ) Das Militär hat die Geschichte der Stadt Frankfurt über Jahrzehnte geprägt. Doch seit gut 20 Jahren ist es damit vorbei. Am 4. September 1994 verließ mit Oberst Nikolai Sopot der letzte russische Soldat die Oderstadt.

Die Resonanz auf unsere Frage im Frankfurt-Quiz in der vergangenen Woche war groß. Viele Leser beteiligten sich - und konnten sich vor allem an die Abschiedsparade der russischen Truppen am 4. August 1994 noch lebhaft erinnern. Elke Schimczik schrieb: "Es war ein heißer Sommertag, ich glaube im August. Ich befand mich in meinem Büro in der Gubener Straße, als plötzlich laute Militärmusik erklang. Wir machten das Fenster auf und sahen sowjetische Soldaten, die aus der Oderallee kamen und in Richtung Platz der Republik marschierten. Sie hatten sich sicherlich am Ehrenmal von ihren Gefallenen verabschiedet."

Hatten sie. Die Verabschiedung der letzten russischen Garnison auf deutschem Boden begann damals mit einer Kranzniederlegung am sowjetischen Ehrenmal in der Gubener Vorstadt, wie Carsten Seifert beim Blick in die MOZ vom 5. August herausfand. "Später nahm Generaloberst Matwej Bulakow, der Oberkommandierende der GUS-Truppen in Deutschland, vor dem Rathaus einen Appell der Ehrenkompanie ab. Der Nachmittag klang mit einem Auftritt des Gesangs- und Tanzensembles aus. Bei ,Kalinka' klatschten alle begeistert mit", zitierte Seifert aus dem Zeitungsartikel von damals.

Ausführlich antwortete Horst Mennigke. Der Abzug der russischen Truppen habe damals deshalb so lange gedauert, erklärte er, weil erst internationale Regelungen getroffen werden mussten. Das Nebeneinander mit den russischen Streitkräfte in der Stadt hat Mennigke noch gut im Gedächtnis. "Frankfurt war voll von den Soldaten, ihr Leben spielte sich aber hauptsächlich in den Kasernen ab."

Die Behandlung gerade der einfachen Soldaten empfand er seinerzeit als "ziemlich menschenunwürdig". Für sie habe es nur Gruppenausgang mit Offiziersbegleitung gegeben, Kontakt zu Deutschen sei untersagt gewesen. Überhaupt habe man die russischen Soldaten damals ziemlich von der Bevölkerung abgeschottet.

"Schrecklich mit anzusehen" seien vor allem die neuen Rekruten gewesen, so Mennigke. "Sie wurden auf dem Güterbahnhof "entladen', zu Marschkolonnen zusammengestellt und von älteren Soldaten, oft im Laufschritt, zu ihren Kasernen "getrieben'."

Fündig wurde ebenso Hobbyhistoriker Reinhard Buchholz, der in alten Zeitungen stöberte und etwas zur Vorgeschichte des Abzuges herausfand. 1993 sei ein Großteil der Kasernen geräumt worden. 1500 Soldaten aus der Kaserne Nr. 4 Kopernikusstraße habe man seinerzeit an den Don verlegt.

Die Abschiedsparade ein Jahr später hat auch Günter Fromm vor Ort miterlebt. Einzelne Standorte seien aber bereits ab 1992 in Frankfurt aufgegeben worden. "Ich erinnere an das Areal des ehemaligen Städtischen Krankenhauses, heute Stadthaus, das ursprüngliche Objekt der Feuerwehr Frankfurts in Nuhnen, an den Kasernenkomplex an der Müllroser Chaussee, heute Landesbehördenzentrum, an jenen in der Bebelstraße sowie die Kasernen in Birnbaumsmühle (...)" Er habe damals alle Objekte mit der Kamera abgeklappert - und dabei auch Fragmente von Wandgemälden mit Lenin-Büsten gefunden.

Elke Schimczik hat unserer Frankfurt-Quiz gewonnen und kann sich dafür am Empfang im Sauerhaus, Paul-Feldner-Straße 13, eine MOZ-Tasse abholen.

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Kramer 25.09.2014 - 21:42:31

Truppenabzüge

" ... obwohl wir dann doch froh waren, als der Letzte unser Land nach fast 50 Jjahren wieder verlassen hatte." und wir der Nato zugeordnet wurden. Dank der deutschen Widervereinigung. Da bin auch ich sehr froh darüber. Und jetzt das aber. Warum mussten wir und den Franzosen, Briten und den Amerikanern unterordnen? Ein eigenständiges Land, wie es zum Beispiel die Schweiz lebt, wäre besser. Da müssten die vielen Steuergelder nicht für "Friedensprojekte", wie sie so gern von unseren gewählten Volksvertretern und Demokraten betitelt werden, aufgewendet werden. Bisher ist da vieles in die Hose gegangen. Wo wurde der Friede erreicht? Und Deutschland immer Vorne mit dabei. Ja ja, unsere Freunde ........

pkeszler 24.09.2014 - 14:41:50

Truppenabzug vor 20 Jahren

"Schrecklich mit anzusehen" seien vor allem die neuen Rekruten gewesen, so Mennigke. "Sie wurden auf dem Güterbahnhof "entladen', zu Marschkolonnen zusammengestellt und von älteren Soldaten, oft im Laufschritt, zu ihren Kasernen "getrieben'." Ja, das kann ich bestätigen. Die Neuankömmlinge wurden in der Nacht durch den Baumschulenweg getrieben. Sie trugen nur einfache Beutel, wahrscheinlich mit einigen persönlichen Sachen. Rucksäcke mit Marschverpflegung usw. hatten sie wahrscheinlich nicht. Wir haben diese einfachen Soldaten bedauert, obwohl wir dann doch froh waren, als der Letzte unser Land nach fast 50 Jjahren wieder verlassen hatte.

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