Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Cranach wäre heute ein Hipster

Cranach zum Anfassen: Die neue Schau des Alice Kindermuseums in der Gemäldegalerie lädt zum Mitmachen ein.
Cranach zum Anfassen: Die neue Schau des Alice Kindermuseums in der Gemäldegalerie lädt zum Mitmachen ein. © Foto: Alice Kindermuseum
Maria Neuendorff / 30.09.2014, 21:33 Uhr
Berlin (MOZ) Lucas Cranach der Jüngere feiert 2015 seinen 500.Geburtstag. Die erste Ausstellung, die sich dem Renaissance-Maler und seinem ebenfalls sehr produktiven Vater widmet, richtet sich schon an Kinder ab fünf Jahren. In der Gemäldegalerie am Kulturforum können sie nun in die Kleider der Kurfürsten und Hofdamen schlüpfen, die die Maler einst portraitierten. Oder sich einen weißen Kittel überziehen, um im Labor Farben zu mischen. "Blau war das teuerste Pigment, weil es aus Edelsteinen hergestellt werden musste", erklärt eine Museumsführerin vom Alice Kindermuseum, das die Ausstellung "Pop up Cranach" entwickelt hat.

So poppig wie der Name wirken auch die bunten Mitmachstationen in der Wandelhalle. Während die "echten" Cranach-Bilder gleich nebenan hängen, geraten sie in der Familienausstellung per App in Bewegung, verwandeln sich in Einzelteile, Geräusche, Spiel- und Farbwelten. Details der Reformationsbilder, die Martin Luther unsterblich machten, werden zu Rätseln. "Die Cranachs haben über 5000 Bilder produziert, was zum Teil nur mit Schablonen möglich war, also haben wir einzelne, immer wiederkehrende Symbole noch einmal extrahiert", erklärt Birgit Weichmann vom Alice Kindermuseum. Schon Vorschulkinderhaben Spaß daran, die Umrisse von Löwen, Fasanen und buckligen Geistlichen mit den Konturen auf der großen Bilderwand zu vergleichen und Übereinstimmungen zu entdecken. Etwas weiter können dann Ritter samt Pferden und Lanzen ausgeschnitten werden. Auf der Drehscheibe aufgespießt und mit der Taschenlampe angestrahlt, gibt das Schattenspiel eine Wettkampfszene aus dem 16. Jahrhundert wieder.

Die Cranachs, die damals in Wittenberge eine der größten Kunstwerkstätten Europas leiteten, eine Apotheke und eine Druckerei betrieben und in der Politik tätig waren, wären heute Medienhipster. Und so klingeln in ihrem Büro auch stetig die Telefone. Mal ist Martin Luther dran, der sich zur Weinprobe verspätet, weil er gerade auf der Wartburg festsitzt. Oder der Kardinal von Brandenburg, der anfragt, ob er morgen zum Modelsitzen kommen könne. Wem das zu viel Stress ist, der kann sich auf Kissen im "Laubzelt" niederlassen und der Bildgeschichte von "Herkules und die Pygmäen" lauschen.

"Pop up Cranach", bis 12. April 2015 in der Gemäldegalerie in Tiergarten.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG