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Geld, um Geheimnisse zu bergen

Cornelia Hendrich / 08.10.2014, 04:16 Uhr
Wollenberg (MOZ) Ein toller Erfolg für den Förderverein der Kirche Wollenberg: Unter mehr als 40 Kandidaten gewann der Verein und erhält 2500 Euro. Zudem ist die Kirche Wollenberg als Kirche des Monats Oktober vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg ausgezeichnet worden.

"Vieles geht in der Welt verloren, weil man es zu schnell verloren gibt" - diesen Satz von Johann Wolfgang von Goethe schrieben die Wollenberger in ihre Bewerbung. Der Förderverein Feldsteinkirche Wollenberg hatte sich erst im Februar letzten Jahres gegründet und zählt doch schon 45 Mitglieder. Das ist viel für das winzige Dorf.

"Wir mussten in einem Motivationsschreiben zeigen, wie sehr wir uns engagieren", erzählt Antje Schöntaube vom Förderverein. Das muss offenbar gut gelungen sein. Denn der Verein gewann das Startkapital für neugegründete Vereine in Höhe von 2500 Euro.

In der Laudation wird die ruhige, schöne Umgebung der Kirche gewürdigt. Das idyllische Wollenberg, das auf einer Hochfläche des Barnim liege, der Wollenberger Heide. Es wurde 1375 erstmals erwähnt und zählt damit zu den ältesten Dörfern des Oberbarnim. Lücken und Hausgärten ermöglichen im Ort immer wieder den Blick in die Landschaft, heißt es in der Laudatio.

Schon von Weitem sehe man die Risse im Mauerwerk, und diese Risse sind einer der Gründe gewesen für die Bildung des Fördervereins. Die massive Feldsteinkirche stammt aus dem 14. Jahrhundert. Der Turm, stolze 19 Meter hoch, und sein Dach sind mit Schiefer abgedeckt. Das sei selten auf dem Barnim.

Das Kircheninnere sei schlicht, aber unter der weißen Farbe sind Reste einer Säulenmalerei zu erkennen. Bemerkenswert, so lobt der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, sei der aus dem Jahre 1608 stammende Altaraufsatz. Die Kreuzigungsszene in der Mitte wurde herausgenommen und hängt an der Nordwand. An den Ziegelsteinen des Fußbodens lassen sich noch viele historische Spuren ablesen.

Zudem stecke die Kirche voller Geheimnisse, zugemauerte Öffnungen und ungewöhnliche Fundamentreste. Um diese Geheimnisse zu lüften, brauche man Zeit, Wissen, Geduld und Untersuchungen. Und daneben eben auch Geld, deshalb engagiere sich der Förderkreis Alte Kirchen hier.

Das Geld fließt natürlich in die Sanierung der Kirche. Die Schäden der Kirche sind tiefe Risse im Natursteinmauerwerk, der Hausschwamm wütet im Traufbereich der Dachkonstruktion, das Mauerwerk des Traufgesimses (der hervorstehende Dachübergang) ist herausgebrochen. Zudem steht der Turm schief und ist so kaputt, dass er in fast allen Bauteilen komplett erneuert werden muss. Etwa 330 000 Euro würde eine Sanierung kosten, schätzt Antje Schöntaube vom Förderverein Wollenberg. Die Balken im Dachstuhl müssen erneuert werden, das Dach selbst muss neu gedeckt werden, das Mauerwerk muss im Sockelbereich wegen Feuchte saniert werden und schließlich müssen auch Fenster und die Eingangstür aufgearbeitet werden und der Putz innen und außen wiederhergestellt werden.

"Es ist höchste Zeit, denn wenn schon dicke Feldsteinmauern unter der Last der Jahrhunderte auseinanderreißen, dann ist Hilfe dringend notwendig", heißt es beim Förderkreis Alte Kirche. "Die Wollenberger Kirche ist nicht verloren. Der Einsatz und das Engagement des Wollenberger Fördervereins beeindruckte die Jury."

Der Förderverein Wollenberg hat sich gegründet, weil die Gelder für eine Sanierung nicht alleine vom Kirchenkreis aufgebracht werden können. Mit Veranstaltungen wird seitdem Geld eingeworben, um so den Eigenanteil aufzubringen. Der Rest der Kosten kommt dann aus Fördermitteln und von der Kirche.

Die Sanierung ist in zwei Abschnitte geteilt, der erste soll bald losgehen. So wird die Baugenehmigung bereits für Ende des Jahres erwartet. 2016 etwa könnte mit der Sanierung begonnen werden, sagt Antje Schöntaube. Um weiter Spenden einzunehmen, werden weitere Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen und Feste organisiert, sagt sie.

Die nächste: Am 18. Oktober, 15 Uhr, in der Kirche Wollenberg ein Konzert des Mandolinenorchesters aus Heckelberg

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