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Bahn schließt Werk in Eberswalde

© Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
08.10.2014, 19:35 Uhr - Aktualisiert 08.10.2014, 19:51
Eberswalde (MOZ) Die geplante Schließung des Instandhaltungswerkes der Deutschen Bahn in Eberswalde (Barnim) hat die Politik aufgeschreckt. Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) und Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) würden heute das Werk besuchen, kündigte die Landesregierung am Mittwoch an. Danach werde man über das politische Vorgehen entscheiden. Von der Schließung bis Ende 2016 sind 490 Mitarbeiter betroffen.

 

Die Deutsche Bahn schließt das Werk Eberswalde und das Fachzentrum Zwickau der DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH. In Eberswalde sind 490, in Zwickau 80 Mitarbeiter betroffen. Die Entscheidung wurde am Mittwoch verkündet.

Hiobsbotschaft für Eberswalde: Ende 2016 soll das Eberswalder Werk der DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH schliessen. Damit verliert Eberswalde seinen zweitgrößten Arbeitgeber. 490 Arbeitsplätze gehen verloren. Die Entscheidung zur Schliessung des Werkes fasste der Vorstand der Deustchen Bahn am Dienstag, den 07.10.2014.
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Deutsche Bahn schließt Werk Eberswalde

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„Dass es zu einer Personalanpassung kommen würde, war uns klar. Mit diesem Kahlschlag hätten wir in unseren schlimmsten Träumen nicht gerechnet“, sagt Ulf Boehnke, Betriebsratsvorsitzender im Werk Eberswalde.

Der Betrieb werde in Zwickau, Sachsen, bis Dezember 2015 und in Eberswalde (Barnim) bis spätestens Dezember 2016 eingestellt, sagt Uwe Fresenborg, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH, die an ihren bundesweit noch 13 Standorten aktuell 8400 Mitarbeiter beschäftigt und einen Jahresumsatz von 1,1 Milliarden Euro realisiert. Er erklärte, dass der erhebliche Rückgang von Instandsetzungsleistungen an Güterwagen der Grund für die Schließung sei. Die Auslastung aller Werke sei in diesem Jahr auf etwas über 50 Prozent gefallen. Vor drei Jahren habe die Quote noch bei knapp 70 Prozent gelegen. Der Güterverkehrsmarkt sei extrem konjunkturabhängig und unterliege seit Jahren heftigen Schwankungen. Dem würden die Verkehrsunternehmen mit einer optimierten Flottenplanung begegnen, in deren Folge immer weniger Fahrzeuge gewartet werden müssten, teilt Uwe Fresenborg mit.

Auf den eingetretenen Leistungsrückgang habe die DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH unter anderem reagiert, indem sie stärker auf Dienstleistungen für andere Verkehrsunternehmen setze. Inzwischen würden dadurch jährlich 75 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. „Wir wollen diesen Anteil in den kommenden drei, vier Jahren auf 130 Millionen Euro verdoppeln“, kündigt der Geschäftsführer an. Dieser angestrebte Aufschwung könne aber nicht kompensieren, dass sich die Auftragslage insgesamt immer weiter verschlechtere. Deshalb sei schon weitestgehend auf den Einsatz von Zeitarbeitnehmern verzichtet worden. Außerdem habe die Deutsche Bahn bereits Personal befristet oder dauerhaft an andere Standorte umgesetzt. Das alles habe das jetzt beschlossene Aus für die Werke in Eberswalde und Zwickau nicht abwenden können.

„Der Instandhaltungskuchen wird weiter schrumpfen. Deshalb haben wir analysiert, welche Kapazitäten künftig noch benötigt werden und wie sich das auf die Standorte der Deutschen Bahn auswirkt. Dabei hat sich gezeigt, dass eine für den Konzern nachhaltig wirtschaftliche Lösung nur durch die Schließung der Standorte Eberswalde und Zwickau möglich ist“, sagt Uwe Fresenborg. „Die Mitarbeiter an den betroffenen Standorten trifft keine Schuld. Sie haben eine wirklich tolle Arbeit geleistet“, betont der Unternehmenschef. Ziel der Geschäftsführung sei es, ihnen einen möglichst gleichwertigen Arbeitsplatz in anderen Werken der DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH oder bei einem anderen Unternehmen im DB-Konzern anzubieten. Zu den Alternativen, die für Eberswalde geprüft worden seien, gehörte der Aufbau einer Kesselwagenwaschanlage. „Dieser auch von der Belegschaft getragene Vorschlag hat sich am Ende nicht als tragfähig erwiesen“, sagt Uwe Fresenborg.

Die beiden anderen Standorte der Konzerntochter in Brandenburg, die Werke in Wittenberge und Cottbus, stehen laut Geschäftsführer nicht zur Disposition. Allerdings würden dort leistungsbedingt Gespräche zur Personalanpassung geführt. Es sei zu früh, sich zu den künftigen Beschäftigungszahlen zu äußern.

„Für Eberswalde ist dies eine extrem bittere Nachricht“, reagiert Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) in einer ersten Stellungnahme.

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Bar 10.10.2014 - 12:23:47

@ Eberswalder

Soll ihr Kommentar ironisch sein? Wenn nicht ist er einfach nur dumm und respektlos!

Eberswalder 10.10.2014 - 09:08:57

nicht jammern

Sie haben 25 Jahre gutes Geld verdient. Jedem wird in einer anderen Niederlassung eine Stelle angeboten. Es könnte also jeder weiterarbeiten , natürlich woanders.

schalk 10.10.2014 - 03:02:14

was wollt ihr denn?

ihr kommt 25 jahre zu spät, dass ist kapitalismus ;)

Jens Wegert 09.10.2014 - 20:50:06

Vielen Dank

an den Mindestlohn und an die Leute, die ihn herauf beschwört haben. Dies ist die Quittung! Ab nach Polen, da kostet die Arbeit weitaus weniger. Richtig so, ein Unternehmen muss gewinnorientierend arbeiten. Nichts anderes macht der Bürger, er kauft dort, wo es preiswert ist.

Bar 09.10.2014 - 15:38:29

Volksverdummung

Erstaunlich finde ich, dass es beispielsweise zahlreiche Regionen in Deutschland gibt, die mit einer hoher Lärmbelastung durch Güterverkehr leben müssen und auf die Umrüstung der Güterwaggons drängen. Hier wiederum argumentiert die Deutsche Bahn jedoch damit, dass sie nicht genügend Kapazitäten für eine rasche Umrüstung hätten! Das soll mir mal einer erklären?!

Anti DB 09.10.2014 - 15:14:51

Deutsche Bahn = menschenverachtend

Natürlich muss ein Unternehmen handeln, wenn die Aufträge rückläufig sind. Was die Deutsche Bahn hier macht ist allerdings die abscheulichste Variante von allen. Denn ausgerechnet ein Werk in einer der strukturschwächsten Regionen Deutschlands herauszusuchen und dann den sofortigen Kahlschlag zu verordnen ist einfach nur rücksichtslos und widerlich! Anstatt nach sozialverträglichen Alternativen zu suchen wird hier schlichtweg die einfachste und billigste Lösung genommen!

Egon Ossiolsen 09.10.2014 - 11:08:02

@arbeiterfaust

Sicher haben Politik & Management Fehler gemacht - aber mitschuldig sind wir alle! Wir alle sind die letzten in der Kette. Denn die Rahmenbedingungen stellt die Politik. Und Politiker lassen sich von der freien Wirtschaft, besonders die Großen der Szene, dirigieren.

Wastl Gruber 09.10.2014 - 10:31:03

@Gutmensch

Sie haben es verstanden. Wir brauchen bei uns in Bayern und NRW die Fachkräfte aus dem Osten. Deshalb wirtschaften wir so viel wie möglich runter, exportieren unsere größten Idioten nach Brandenburg, um dort die Wirtschaft zu ruinieren. Uns gibt es schließlich schon länger und denkt ihr, wir lassen unsere Einwohner alle in Hartz IV? Ihr braucht doch auch etwas, wo ihr Spitze seid.

C. Sander 09.10.2014 - 10:24:35

@Gutmensch (Bahn schließt Werk in Eberswalde)

Ihren Sarkasmus können Sie sich schenken! Sie scheinen den Tag über nicht anderes zu tun zu haben als Ihren Schwachsinn in der MOZ abzusondern, egal zu welchen Themen. Man muß nur mal MOZ und Gutmensch googlen um sehen zu können daß sie fast ausnahmslos täglich und völlig themenfrei meinen, Ihre " intellektuellen" Ergüsse allen MOZ.Online Lesern überhelfen und u.a. auch als der Wahrheit letzter Schluss, verkünden zu müssen. Suchen Sie sich ein Hobby oder beschäftigen Sie sich anderweitig sinnvoll !!!

GUTMENSCH 09.10.2014 - 09:35:11

GUTMENSCH

Habt euch doch nicht so ! Es werden euch doch andere Arbeitspätze angeboten dann geht doch dahin ! Eberswalde stirbt wieso aus. Die Rote Landesregierung wird euch doch auch helfen dafür wurden sie ja gewählt !

@arbeiterfaust 09.10.2014 - 09:13:50

Sozialismus / Kapitalismus

...50% Auslastung des Werkes; Liebe "Arbeiterfaust" besorgst du dann die notwendigen Reparaturaufträge, damit die Kollegen auch Arbeit haben, wofür sie dann bezahlt werden können? Geld ohne (sinnvolle) Arbeit gab es dauerhaft nur im Osten. Dafür war die Mark aber auch nix wert. Und an den "Vorteilen" der Globalisierung verdienen wir doch derzeit gerne alle mit. Billigkram & Wegwerfprodukte aus Asien sind unsere Favoriten. Davon kann man aber auch keine deutschen Arbeitsplätze finanzieren. Sicher haben Politik & Management Fehler gemacht - aber mitschuldig sind wir alle!

Arbeiterfaust 09.10.2014 - 08:40:14

Bahn schließt Werk in Eberswalde

Werk besetzen, Management verprügeln, dann rauswerfen. Ihr seid es, die die Leistungen erbringt, erarbeitet. Stoppt die Privatisierung von Volkseigentum! Rat: Keine SPD- ler vertrauen.

.... 09.10.2014 - 07:53:42

Habt Euch nicht so ...

... das nennt man Europa und Europa ist eben das Endziel ... Ihr könnt Euch ja in Polen bewerben ... oder wie ich, in ein Nicht-EU-Land auswandern, die SBB hier in CH wurde übrigens nicht privatisiert und der geht es trotzdem gut ... Die haben scheinbar keine "Experten" wie Mehdorn in den Aufsichtsräten zu sitzen :)

ede 09.10.2014 - 07:41:37

Wer glaubt,...

...dass die DB AG bei einem solchen gravierenden Eingriff, wie die Werkschließung in Eberswalde, nicht schon vor der Landtagswahl die Landesregierung informiert hatte, der glaubt auch bedingungslos an die Wahlversprechen von Rot-Rot. Also liebe Barnimer, auch beim nächsten Mal fleißig SPD und Die Linke wählen.

ehem. Eberswalder 09.10.2014 - 06:31:12

Ein schwarzer Tag

So ist es wenn staatliche Unternehmen in Aktiengesellschaften umgewandelt werden. Man will dem Volk erzählen das alles besser wird, nichts können die Schlipsträger. Für Eberswalde ist es eine Katastrophe, aber viel schlimmer geht es den Menschen die vor einen Scherbenhaufen stehen. Wo ist die Gewerkschaft, die wussten im jedem Fall das eine Schließung bevorsteht, denn die sitzen doch ganz oben mit drin! Was kann schon ein Bürgermeister machen, vielmehr ist die Bundes-und Landespolitik gefragt, denn die schieben die Milliarden über den Tisch. Es deute sich immer mehr ab, dass die politischen Interessen nur für den Speckgürtel um Berlin genügen, mehr zählt nicht mehr. Die Stadt Eberswalde wird ein Alten- und Pflegezentrum werden und leider kann die Kommunalpolitik nur zuschauen. Eberswalde und die Umlandgemeinden sollten langsam eine starke Gemeinschaftsstruktur anstreben, ansonsten ist der Zug für die ganze Region abgefahren, denn das bisschen Tourismus wird hier keinen mehr retten!

KMC 08.10.2014 - 23:14:10

Gleichzeitig gehen Züge nach osten

Schon allein die Wahl der Standorte zeigt eigentlich warum genau diese ausgewählt wurden ... Sie werden schlicht weg outgesourct! Das ist der einzige Grund warum insgesamt weniger zu Reparieren ist! Nicht etwa weil weniger Züge fahren. (dies kann man auch anhand der Transportierten Tonnagen der DB Schenker Rail erkennen)

EW 08.10.2014 - 20:44:15

Unfassbar

Das Werk hat die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte überlebt...und dann kam die Deutsche Bahn AG!

Demokrat 08.10.2014 - 20:27:16

Politiker ?!

Dass die Politiker überrascht sind muss wohl an deren Schlafmützigkeit liegen. Wenn man sich als Politiker in den Medien feiern lässt, von der einen Eröffnung zur anderen Straßeneinweihung schubsen lässt, um ausgeruht in die Linsen der Reporter grinsen zu können, bleibt eben dann keine Zeit zur echten politischen Arbeit. Alle Politiker - Bund, Land und Kommunal - haben erfolgreich Augen und Ohren verschlossen, um jetzt die Überraschten geben zu können. Ein weiteres Stück Industriekultur wird aus Eberswalde verschwinden - die Facharbeiter, Meister, Techniker und Ingenieure werden sich neue fachlich anspruchsvolle Arbeit suchen. Nur in Eberswalde werden sie diese nicht finden. Ein weiteres Stück Mittelstand und Mittelstandskultur wird in der Waldstadt wegbrechen. Aber vielleicht ist das ja auch gewollt. Ein Heer von Menschen mit befristeten Arbeitsverträgen und 400€-Jobs ist eben leichter zu dirigieren.

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