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Das kleine Silberne

Silber in der Hand: Mit dem Projekt "Miteinander - Gegeneinander - Füreinander - Sport hält fit trotz Handicap" hatte sich der SV 90 auf Kreisebene durchgesetzt und für die Landesstufe qualifiziert.
Silber in der Hand: Mit dem Projekt "Miteinander - Gegeneinander - Füreinander - Sport hält fit trotz Handicap" hatte sich der SV 90 auf Kreisebene durchgesetzt und für die Landesstufe qualifiziert. © Foto: MZV
Ingmar Höfgen / 09.10.2014, 20:58 Uhr
Potsdam (RA) Sie waren die ersten, die am Mittwochabend auf die Bühne des Brandenburg-Saals der Staatskanzlei gebeten wurden, und damit war zugleich klar, dass es nicht der erste Platz werden würde.

Die Fehrbelliner haben beim Wettbewerb um die "Sterne des Sports" auf Landesebene für ihr Projekt einen "Kleinen Silbernen Stern" gewonnen und erhalten für den damit verbundenen dritten Platz 1 000 Euro Preisgeld. Die Fehrbelliner Kegler bieten den Bewohnern der Behinderteneinrichtungen aus Langen, Kuhhorst, Dreibrück und Fehrbellin auf der Kegelbahn regelmäßiges Training an - jede Einrichtung einmal im Monat für je zwei Stunden. 50 Menschen mit Handicap machen inzwischen mit, drei von ihnen möchten Mitglieder werden. Im Vordergrund steht dabei nicht der Wettkampf, sondern das Miteinander von behinderten und nicht behinderten Menschen.

Der große Jubel blieb nach dem dritten Platz bei den acht Fehrbellinern, darunter auch Ortsvorsteher Jürgen Sternbeck als politischer Repräsentant der Gemeinde, zwar aus - Bürgermeisterin Ute Behnicke leitete zeitgleich den Hauptausschuss. Doch "das ist toll", strahlte Sabine Wolski, "es ist auch toll, hier dabeisein zu dürfen." Sie habe schöne Sachen gesehen, sagte sie, und: "Der Kinderzirkus hat verdient gewonnen."

Der Verein Kinder- und Jugendcircus Montelino aus Potsdam gewann den Großen Silbernen Stern des Sports und damit 2 500 Euro Preisgeld und fällt in vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen. Anders als bei den anderen Sportvereinen geht es nicht um den sportlichen Wettkampf. Der 2002 gegründete Verein, der ein Zirkuszelt im Volkspark Potsdam aufgeschlagen hat und auch in Turnhallen trainiert, bietet die Möglichkeit, Erfahrungen im Bereich der Boden- und Luftakrobatik, der Balance, der Jonglage oder auch beim Einrad und der Clownerie zu sammeln und die Fähigkeiten auszubauen. Außerdem bietet die Gemeinschaft den Kindern die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit sich selbst und anderen - nicht im Sinne von Konkurrenz, sondern als wechselseitige Ergänzung.

Schon vor Beginn der Preisverleihung zeigten die Potsdamer eine kurze Vorführung. Die zwölfjährige Emma schwang auf einer Rolle (Rola-Bola) balancierend, zwei Bänder (Poi), der 26-jährige Florian hielt die Rolle des Diabolo gekonnt in der Luft.

Wie in den Vorjahren hatten der Deutsche Olympische Sportbund und die Volks- und Raiffeisenbanken auch am Mittwochabend eine würdige Siegerehrung organisiert. Moderator Jens Herrmann (BB-Radio) führte locker durch den Abend und hatte die Lacher auf seiner Seite, als er Bildungs- und Sportministerin Martina Münch (SPD) als "sportliche Ministerin" bezeichnete und Augen zwinkernd auf ihre sieben Kinder verwies. Münch selbst würdigte die 50 anwesenden Mitglieder der fünf Vereine. "Sie haben gezeigt, dass Sie zu Höchstleistungen fähig sind, auf breitensportlichem Gebiet."

Relativ ähnlich waren die Projekte der drei anderen Vereine aufgebaut. Der Zweitplatzierte, TSV Blau-Weiß 65 Schwedt, wollte die Sportangebote an die Bedürfnisse der Menschen vor Ort anpassen. Die übergewichtigen Kinder als eine Zielgruppe hielt es aber nicht ganz so lange bei der Stange wie die Rehabilitationssportler. Der Verein konnte sein Angebot seit 2003 ausbauen und neue Mitglieder hinzugewinnen. Dem demographischen Wandel in dünnbesiedelten Gegenden stellten sich auch die beiden Viertplatzierten Bademeusel (Spree-Neiße) und Grün-Weiß Lindenberg (Oder-Spree). Mit flexiblen Angeboten für Kinder und Senioren sind auch diese Vereine gewachsen. Die Freude am Sport und am gemeinsamen Miteinander hat die Mitglieder immer wieder angetrieben. "Wir haben aufgeschrieben, was wir so täglich machen", sagte ein Lindenberger Vereinsvertreter.

Etwas täglich tun, heute zumeist mit dem Begriff Nachhaltigkeit übersetzt, das wollen auch die Fehrbelliner Kegler weiterhin. Bereits 2006 wurde eine Behindertensportgruppe gegründet, seit 2007 führt der Verein Wettkämpfe zwischen behinderten und nicht behinderten Sportlern durch. Die 1 000 Euro Preisgeld sollen wieder in das Projekt fließen, sagte Sabine Wolski. Einmal im Jahr veranstaltet der Sportverein 90 Fehrbellin ein Turnier der vier Behinderteneinrichtungen, die regelmäßig auf der Bahn trainieren. Im April oder Mai nächsten Jahres ist es wieder so weit.

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