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Streit unter 
den Genossen verschärft sich

MHAUSDING / 29.03.2010, 11:41 Uhr - Aktualisiert 29.03.2010, 17:27
Beeskow/Letschin/Neutrebbin (In House) Von Ruth Buder und Doris Steinkraus

Unter dem Motto „Der Erde Bäume schenken, statt CO2 versenken“ haben Vertreter von Bürgerinitiativen am Wochenende tausende Buchen und Eichen gepflanzt. Die Gegner einer unterirdischen Ablagerung von Kohlendioxid verweisen auf ungeklärte Risiken der Technologie.

Fast 2000 Bäume wurden bei der bisher größten Pflanzaktion im gesamten Oderbruch gepflanzt. Die beiden Gemeinden Neutrebbin und Letschin (Märkisch-Oderland) waren Anlaufpunkt für die zentrale Baum-Ausgabe. Schon im Vorfeld hatten sich Hunderte Bürger in Listen eingetragen, die der Verein BruchKultur ausgelegt hatte.

Neben den bestellten rund 1500 Bäumen wurde die Baumschule Tempelberg (Oder-Spree) auch ihre gut 500 noch frei verkäuflichen Bäume schnell los. Die Baumschule hatte einen Sonderpreis für alle Bäume festgesetzt. Gepflanzt wurde zum Teil auf kommunalen Flächen, die Masse jedoch auf Privatgrundstücken.

„Wir wollen ein Zeichen setzen, wie Kohlendioxid gebunden werden kann, nämlich durch die Natur selbst. Es muss nicht als Giftlager unter unserer Erde verschwinden“, so Initiativen-Sprecher Rolf Ignaz. Wie in Beeskow, wo 150 Bürger bei der Pflanzaktion dabei waren, wehrt sich das Oderbruch gegen die Absicht von Vattenfall, in Kohlekraftwerken anfallendes CO2 unter die Erde zu pumpen.

In Beeskow hatte die Stadt 500 Bäume gespendet. Im Oderbruch kamen 100 Bäume von der Bundestagsabgeordneten der Linken, Dagmar Enkelmann. Sie machte aus ihrer Enttäuschung gegenüber Parteigenossen in der Brandenburger Landtagsfraktion und speziell dem Linken-Wirtschaftsminister Ralf Christoffers keinen Hehl. „Was hier praktiziert wird, steht im klaren Widerspruch zum Koalitionsvertrag von SPD und Linker im Landtag“, sagte sie. Brandenburg sei das einzige Land, dass die noch längst nicht ausgereifte CCS-Technologie unterstützt. „Damit wird die Entwicklung erneuerbarer Energien ausgebremst und die Braunkohleverstromung weiter legitimiert,“ schimpfte die Bundespolitikerin, die mehrere Stunden gemeinsam mit Bürgern auf kommunalen Flächen Bäume in die Erde brachte.

Mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Georg von der Marwitz aus Friedersdorf (Märkisch-Oderland) hatte sie einen Unterstützer an der Seite, der sich offen gegen die Strategie seiner Parteikollegen auf Bundesebene stellt. Er werde ein CCS-Gesetz, das jetzt auch noch speziell für Brandenburg durchgeboxt werden soll, nicht mittragen, kündigte er an.

Dass sich Vattenfall als Förderer der Baumpflanzaktion gebe, sieht er als fadenscheinig. Konzernsprecher Axel Happe hatte eine Spende von 15 000 Euro für Baumpflanzaktionen im Rahmen einer Mitarbeiterbefragung im Unternehmen angekündigt. Die Bäume sollen von Jugendlichen in Hamburg, Berlin und der Lausitz gepflanzt werden.

Durchgesickert war auch, dass sich Wirtschaftsminister Christoffers am Freitagabend und am Sonnabend in beiden Regionen hinter verschlossenen Türen mit Gemeindevertretern und Mitgliedern der Bürgerinitiativen getroffen hat. Das Ziel: Werbung machen für die CCS-Technik. Von Inhalt und Ergebnis der Gespräche wurde zunächst nichts bekannt. Beide Seiten hatten Stillschweigen vereinbart.

Heute jedoch wird sich Christoffers öffentlich äußern. Um 
17 Uhr beginnt in Frankfurt (Oder) im Kleist Forum eine Informationsveranstaltung zum Thema CCS. (Mit Adleraugen)

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