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"Ihr Klang geht zu allen Menschen"

Bei der Zeremonie: Weihbischof Wolfgang Weider schwingt das Weihrauchfass vor den Glocken
Bei der Zeremonie: Weihbischof Wolfgang Weider schwingt das Weihrauchfass vor den Glocken © Foto: Uwe Spranger
Uwe Spranger / 19.10.2014, 22:59 Uhr - Aktualisiert 20.10.2014, 08:42
Rüdersdorf (MOZ) Die neuen Glocken für die katholische Pfarrgemeinde Heilige Familie haben am Sonntag in der voll besetzten Kirche ihre Weihe erhalten. Tags zuvor hatten bereits viele Bürger aus Rüdersdorf und Nachbarorten Christus-, Marien- und Josephsglocke besichtigt.

"Kardinal Woelki hatte schon zugesagt, doch durch seinen Wechsel als Erzbischof nach Köln übernimmt Weihbischof Wolfgang Weider aus Berlin den feier-lichen Akt", erklärte der Vorsitzende des Glockenausschusses Andreas Wibbels vor der Messe, in deren Rahmen das neue Geläut seiner Bestimmung übergeben wurde. Bevor der geistliche Würdenträger seinen Segen gab und die Glocken nach dem Ritual mit Weihwasser besprengte, mit Weihrauch benetzte und salbte, verwies er darauf, dass sie nicht nur für die Katholiken von Belang seien. "Ihr Klang geht zu allen Menschen, nicht nur zu den Gläubigen", sagte Weider.

Glockenweihe für das neue Geläut der katholischen Kirche zur Heiligen Familie mit Weihbischof em. Wolfgang Weider in Rüdersdorf
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Glockenweihe Rüdersdorf

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Pater Harold Bumann, dem Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates Christian Jagiela und Andreas Wibbels blieb es vorbehalten, den Glocken mit einem kleinen Hammer schon einmal ihre Töne zu entlocken. Bumann würdigte die gemeinsamen Anstrengungen einer Vielzahl von Menschen - auch außerhalb seiner Pfarrgemeinde. Beim Fest im Anschluss wurden einige von ihnen, die mehr als 500 Euro gegeben hatten, mit Stifterurkunden geehrt. Bürgermeister André Schaller als Schirmherr der Aktion - auch die Gemeinde hatte gefördert - hatte krankheitsbedingt absagen müssen.

Am Sonnabend hatten bereits an die 100 Interessierte die Glocken ganz aus der Nähe betrachtet. "Normalerweise hört man sie ja nur, das war der einzige Tag, an dem man sie auch zu Gesicht bekommt. Und das gibts mindestens die nächsten 100 Jahre nicht mehr", begründete Reinhart Steinke aus Schöneiche den Abstecher mit seiner Frau nach Rüdersdorf. Beide gehen regelmäßig zur Kirche und haben auch für die Glocken gespendet.

Wie sie beteiligten sich Hunderte, wahrscheinlich sogar mehrere Tausend Bürger - und nicht nur Katholiken - an der Sammlung, schätzte Alfred Molter, Sprecher der Aktion "Glocken für Rüdersdorf". Allein bei den Kollekten seien es mehrere Hundert gewesen, etliche Einzahlungen seien auf das Konto gegangen und die Spendenbox habe ebenfalls stets Münzen und Scheine enthalten. Egal wie viel jeder gegeben habe, man sei sehr erfreut, bescheinigte er.

Hinzu kamen Gelder von mehreren großen, aber auch kleinen Firmen aus dem Umfeld. Cemex-Technikchef Bernhard Grabietz betonte, sein Unternehmen versuche, sich an vielen Stellen im Ort einzubringen. Hier habe den Ausschlag gegeben, dass Bergleute und andere Mitarbeiter in der katholischen Kirche sehr engagiert seien.

Zum Beispiel die Brüder Bernd und Rainer Pabel, die vor Jahren auf den Turm gestiegen waren und dort die Joche zu pflegen versuchten. Dennoch habe ein Sachverständiger 2011 festgestellt, dass speziell der Glockenstuhl in dem 1905 errichteten und 2005 sanierten Gotteshaus "höchst problematisch" sei, erzählte Molter. Von dem Experten sei auch der Rat gekommen, wenn man schon das Gebälk erneuere, dann solle man auch das beim Bau montierte Geläut aus Stahl durch eines aus Bronze ersetzen.

In jedem Falle habe die Kirchengemeinde, zu der auch die Katholiken von Schöneiche und Herzfelde gehören, mit den Spendern den nötigen Eigenanteil von rund 55 000 Euro aufbringen können. Mithin sei die Gesamtfinanzierung von 122 000 Euro gesichert, verkündete Molter.

In dieser Woche wird das neue Geläut wahrscheinlich an seinen endgültigen Platz im zuvor erneuerten Gebälk gebracht. Dann werden auch die Klöppel in die 380, 250 und 175 Kilo schweren Körper aus der Glocken- und Kunstgussmanufaktur Petit & Edelbrock in Gescher (Nordrhein-Westfalen) eingehängt und justiert, so dass am Ende die Tonfolge h-d-e, das sogenannte Te-Deum-Motiv, erklingt. Das passiert allerdings nur zu besonderen Tagen der Katholiken. Im Normalfall werden zwei Glocken angeschlagen.

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