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Rettungsaufruf im Internet zählt fast 3700 Unterstützer / Barnimer Kreistag verabschiedet Resolution

Protest um Bahnwerk schwillt an

Viele Eberswalder sind so entschlossen wie die Bahnwerker selbst, um den Erhalt des Instandsetzungswerkes zu kämpfen.
Viele Eberswalder sind so entschlossen wie die Bahnwerker selbst, um den Erhalt des Instandsetzungswerkes zu kämpfen. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Ellen Werner / 22.10.2014, 08:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Seit zwei Wochen ist bekannt, dass die Bahn ihr Instandsetzungswerk in Eberswalde bis Ende 2016 schließen will. Jetzt nehmen die Proteste in der Region immer mehr Fahrt auf. Tausende unterstützen einen Rettungsaufruf für das Werk im Internet. Der Kreistag verabschiedet eine Resolution.

Es war sofort klar, dass sie kämpfen wollen. Belegschaft, Stadt, Land und Kreis setzen sich für den Erhalt des Eberswalder Werkes der DB Fahrzeuginstandhaltung ein. Gewerkschafter, Politiker und inzwischen tausende Barnimer haben sich hinter die fast 500 Mitarbeiter gestellt.

Einen Tag, nachdem Uwe Fresenborg, Geschäftsführer der Instandhaltung im Bahnkonzern, das Aus des Betriebes in Eberswalde verkündete, gingen die für den Standort engagierten Gewerkschafter online. Mittlerweile hat die Facebook-Seite "Rettet das DB-Werk Eberswalde" mit dem Stand von Dienstag 3691 Anhänger. Täglich werden dort mehrere Meldungen eingestellt, die von Aktionen gegen die Werksschließung berichten.

Zuletzt haben die Initiatoren einen offenen Brief von den Kindern der Angestellten veröffentlicht. Zwei Schülerinnen haben ihn verfasst und sammeln demnach auch Unterschriften. "Wir wollen und werden uns für den Erhalt der Arbeitsplätze unserer Eltern einsetzen", schreiben Alexandra Linde und Pauline Maeß.

So starke Worte die Mutmacher im Internet auch hinterlassen - bei den Bahnwerkern sei die Stimmung natürlich weiterhin am Boden. "Der Beschluss ist erst einmal da. Was auf einen zukommt, für einen selbst, für die Familie und für den Standort - damit muss man erst einmal klarkommen", sagt Ulf Boehnke, Betriebsratschef des Eberswalder Werkes. "Wichtig ist jetzt, dass die Mitarbeiter ihre Arbeit so gut wie möglich weitermachen. Wir dürfen dem Arbeitgeber nicht die Grundlage geben, noch schneller zu handeln." Dennoch kommen die Hoffnungssignale an. "Es ist schön, dass sich so viele hinter uns stellen", sagt Boehnke. "Jetzt ist natürlich die Politik auch gefordert zu handeln."

In einem Punkt hat der Widerstand aus der Region und des Landes möglicherweise Wirkung gezeigt. Für den 7. November ist offenbar ein Spitzengespräch zwischen Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Bahnchef Rüdiger Grube anberaumt. Das haben sowohl Noch-Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) als auch Barnims Landrat Bodo Ihrke (SPD) angekündigt.

Alternativen zur Werksschließung würden derzeit geprüft, erklärte Christoffers jüngst auf einer Veranstaltung der Linken in Eberswalde. Kurz anklingen ließ Christoffers dort auch die laufende Diskussion zur Verlagerung von Instandsetzungsstunden nach Polen. "Das ist eine Debatte, die dürfen wir nicht führen", sagte er. "Das Hauptproblem bleibt." Der Güterverkehr verlagere sich nicht wie erhofft von der Straße auf die Schiene. Von 110 000 Güterwaggons vor 15 Jahren seien heute noch 70 000 unterwegs.

Von diesen Zahlen unterrichtete auch Landrat Ihrke am Montagabend den Kreisausschuss. Weil der Kreistag erst Ende November wieder tagt, traf das Gremium der Fraktionsspitzen eine Eilentscheidung über eine Resolution des Kreistages zum Werkserhalt. Sie ist an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG Grube gerichtet und soll auch Ministerpräsident Woidke erreichen. "Ein bundeseigenenes Unternehmen hat nicht nur eine betriebswirtschaftliche, sondern auch eine strukturpolitische Verantwortung", heißt es darin unter anderem. "Wir erwarten, dass diese Verantwortung auch wahrgenommen wird!"

In der Region ist dem Werk ebenfalls weiterhin Aufmerksamkeit gewiss. Die Facebook-Rettungsinitiative hat große Plakataktionen angekündigt. Für kommenden Donnerstag haben der Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen (CDU) sowie Danko Jur, Kreisfraktionschef der Christdemokraten, ihren Besuch im Instandhaltungswerk angesagt.

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Eberswalder 22.10.2014 - 17:30:18

Koeppen sowie Danko Jur zu Besuch im Instandhaltungswerk!?

Das Geschwafel, die leeren Versprechungen und Durchhalteparolen können sich die Herren vor Ort sparen. Was zählt sind Fakten durch Ihren Einfuß in ihren Gremien, die zum Erhalt des Werkes führen.

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