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Mehr als 1200 Eberswalder entscheiden über Bürgerbudget 2015 / Acht Vorschläge machen das Rennen

Stimmtaler für Herzensprojekte

Hinein mit den Stimmtalern: Per Einwurf in 76 Glasvasen haben 1265 Eberswalder über die Gestaltung der Stadt mitbestimmt. Mit Werbung, Videoübertragung und Veranstaltung kostet das Prozedere des Bürgerbudgets fast 25 000 Euro.
Hinein mit den Stimmtalern: Per Einwurf in 76 Glasvasen haben 1265 Eberswalder über die Gestaltung der Stadt mitbestimmt. Mit Werbung, Videoübertragung und Veranstaltung kostet das Prozedere des Bürgerbudgets fast 25 000 Euro. © Foto: Sören Tetzlaff
Ellen Werner / 22.10.2014, 20:20 Uhr
Eberswalde (MOZ) Stadtbewohner am Drücker: Mehr als 1200 Eberswalder haben am Dienstag über das nächste Bürgerbudget abgestimmt. Insgesamt waren in der Stadthalle Hufeisenfabrik über 2100 Menschen am Tag der Entscheidung dabei. 101 200 Euro gehen 2015 an acht verschiedene Projekte.

Minutenlang klingelt es in den Glasvasen. Mehr als 6300 Stimmtaler fallen in die meterhohen Gefäße. Zufriedene Gesichter am Hinterausgang, über den die Haushalts-Wähler den Saal nach der Abstimmung verlassen. "Es ist eine Super-Aktion", sagen viele, so wie die 21-jährige Lara Colberg. "Ich habe mit allen fünf Stimmtalern fürs Theater gestimmt. Wenn das klappt - ich wäre dann dabei."

Die meisten Wahl-Chips landen am Ende in der gläsernen Wahlurne mit der Nummer 105. Ganze 650 Taler vereint der Studentenclub Eberswalde auf seinen Vorschlag, in dem Club in der Schicklerstraße den Schlaf von Anwohnern schonende Umbauten vorzunehmen.

Am Abend der Entscheidung bleibt der Jubel für Platz eins aber erst einmal aus. Von tausenden Besuchern sind am Ende der Auszählung gegen dreiviertel acht nur noch wenige Dutzend übrig. Lautstark freuen sich aber die Tornower Sportler. Und auch eine Handvoll Anhänger des Punk-Rock-Theaters im Kulturtreff "Exil" haben bis zum Ende durchgehalten.Immerhin hatten sie auch gleich zwei Siege zu verbuchen. Mit einem Filmspot aus Aufnahmen ihres jüngsten Bühnenerfolges - "Die heilige Gaby vom SVKE" - lagen die Eberswalder Theatergründer im Videowettbewerb um den originellsten Anderthalb-Minüter zum diesjährigen Bürgerbudget vorn. Der Spot flimmerte über die fünf Profi-Leinwände, die die Stadt für eine Videoübertragung der gesamten Veranstaltung aufgestellt hatte, allein drei davon in der Stadthalle im Familiengarten.

Nach den Erfahrungen im Vorjahr zog die Stadt mit dem Mitgestaltungsprojekt an den neuen Veranstaltungsort. 2013 platzte das Paul-Wunderlich-Haus bei der Abstimmung aus allen Nähten. Obwohl die zwei Übertragungsorte draußen weitgehend zuschauerlos bleiben - auch in der Stadthalle wird der Saal voll. Zur Ausgabe der Stimmtaler ab fünf am späten Nachmittag stellen sich die Ersten eine halbe Stunde früher an. Per Handzähler ermitteln Helfer am Einlass über 2100 Besucher. 1265 Eberswalder stimmen ab, als es um sieben endlich an die Vasen geht.

Fünf Taler darf jeder nach Belieben verteilen. Die Vorgehensweise ist dabei ganz unterschiedlich. Jaqueline Dölle, 24, übernimmt den Einwurf beispielsweise für ein paar Freunde und hat eine Strichliste für die Verteilung von 25 Talern auf sieben Projekte dabei. Andreas Frankenberger ist mit der ganzen Familie da und lässt auch die Kinder Taler einwerfen. Für seinen Anhang war klar, dass der von ihm favorisierte Vorschlag alle Punkte bekommt: Der 25-Jährige ist Fußballer beim SSC Eberswalde, der im Siedler-Sport-Club eine neue Heizung braucht. Janne, 22, die nur ihren Vornamen in der Zeitung lesen möchte, hat sich ihre fünf Favoriten auf der Hand notiert und wirft jeden Taler in eine andere Vase. "Mir war das Angebot eher zu groß, ich konnte mich kaum entscheiden", sagt sie.

Insgesamt 76 Vorschläge von Eberswaldern, die ihre Stadt mitgestalten wollen, standen zur Auswahl. Weitere 46 waren im Vorfeld als nicht zulässig aussortiert worden. Aber auch einige Vorschläge, die im Programm blieben, "gehören eigentlich nicht in den Bürgerhaushalt", befand Margarete Wegner-Repke, 78, die für das Barni-Treuetaler-System abstimmte. "Zum Beispiel die Sanierung von Gehwegen. Für so etwas zahlen wir doch eigentlich Steuern."

Erstmals wurden gemeinnützige Vorschläge besonders gewürdigt. Das "Herzensgeld", kreiert von der Künstlerin Antoinette, ging an die Vorschläge "Mehr Sitzbänke in Eberswalde", "Ein Hundepark und Abfalleimer" sowie "Unterstützung für den Weißen Ring". Aus dem Bürgerbudget werden sie allerdings nicht realisiert. Bis auf 400 Euro ist das Budget mit den acht Gewinnerprojekten ausgeschöpft.

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