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Als Junior-Botschafter in China: Der Görziger Darius Selke schreibt über seine Erlebnisse aus dem Reich der Mitte (Teil 4)

Unterwegs in Ostasiens kleinem Italien

Mit neuen Freunden unterwegs: Darius Selke in Chinas kleinem Italien in Qingdao
Mit neuen Freunden unterwegs: Darius Selke in Chinas kleinem Italien in Qingdao © Foto: Privat
Darius Selke / 24.10.2014, 14:28 Uhr
Qingdao (MOZ) Darius Selke ist als Freiwilliger für sechs Monate an einer chinesischen Schule tätig. Als Junior-Botschafter hilft er dort Schülern beim Deutschlernen. Über seine Eindrücke in Wuhan berichtet der Görziger in loser Folge:

Für gewöhnlich würde ich eine Ansichtskarte schreiben, mit der ich die schönsten Urlaubsgrüße an meine Lieben in der ganzen Welt sende. Ich würde von meinem Urlaub erzählen, den sonnengebräunten Italienern, Spaniern oder Portugiesen. Den Restaurants und dem feinen Sandstrand, der jeden Abend von atemberaubenden Sonnenuntergängen in die Nacht begleitet wird. Doch sitze ich nicht wie gewöhnlich in einem kleinen Kaffee neben dem Strand und schreibe Urlaubserinnerungen auf Postkarten. Nein, heute ist es ein kleines Kaffee im Flughafen von Qingdao, das mich dazu einlädt, hinter einem Panoramafenster die letzten Urlaubsstrahlen bei einem kühlen Orangensaft zu genießen.

Tatsächlich könnte ich nun auf die Begegnung mit der wunderbaren Stadt an der Ostküste Chinas hinzuführen, denn es gibt sie hier wirklich, die kleinen Straßenkaffees mit Meeresrauschen, die großen Sandstrände, niedlichen Restaurants und natürlich sonnengebräunten Menschen. Mein erster Eindruck hatte absolut nichts mit der Volksrepublik China zu tun. Ich hatte das Gefühl, in einen Urlaub mit meinen Eltern zurückgekehrt zu sein, die mich oft nach Italien oder Frankreich brachten. Die hügelige Landschaft Qingdaos, auf denen meist Häuser mit roten Dächern gebaut sind, die kleinen Sea-Food-Restaurants in jeder Straße, aber auch einfach die Mentalität der hier lebenden Menschen vermittelten mir einen ganz anderen Eindruck über dieses Land, als ich ihn durch Peking und Wuhan kannte. Von kleinen, chinesischen Tempeln über wunderbare Berge mit tollen Wandermöglichkeiten, bis hin zu kleinen Straßenlokalen, in denen ich während dieser Woche mit vielen Chinesen zu Abend essen durfte, war alles dabei.

Doch der Höhepunkt bestand wohl aus einem kleinen Segelabenteuer. Wenn mich jemand fragt, ob ich mit ihm segeln gehen möchte, dann stelle ich mich auf einen Segeltörn ein, bei dem es mindestens einen erfahrenen Kapitän gibt, der vorzugsweise eine erfahrene Crew hat. Nun ja, es war tatsächlich so, dass wir zum Segeln eingeladen worden waren, das sich als Do-It-Your-Self-Segeln entpuppte. Dass sich niemand von uns traute, bei diesem derart kräftigen Wellengang selbst zu segeln, stellte keine große Überraschung dar. Dass ich dann aber in meinem Übereifer, unbedingt aufs Wasser zu wollen, ein kleines Motorboot entdeckte und es "Klarschiff" machen wollte, überraschte mich dann doch. Bevor ich das Boot zu Wasser lassen konnte, musste ich dem kleinen, netten, Chinesen ausführlich klären, wie so ein Motor funktioniert. Dass der sehr alt war und mir möglicherweise den Dienst versagen könnte, erwähnte er erst zum Schluss.

Die Möglichkeit, einfach so ein Motorboot ohne großen bürokratischen Hickhack auszuleihen, hat mich sehr fasziniert. Das sind wohl jene Sachen, die ich hier in China so sehr mag, nämlich die Dinge direkt anzupacken, ohne sie vorher tausend Mal absichern zu müssen. Was nehme ich also mit von dieser Zeit in Qingdao? In erster Linie eine ganz andere Mentalität, die mir die Menschen hier näher gebracht haben. Die chinesische Gastfreundlichkeit, die ich mehr als nur einmal verspüren durfte. Und natürlich das " kleine Italien" von China, das es für mich für immer sein wird.

Internet: kulturweit-blog.de/dariusmeetschina

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