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"Absehbar, wann Schluss ist"

© Foto: Oliver voigt
Nadja Voigt / 25.10.2014, 04:03 Uhr
Möglin (MOZ) Dem Thaer-Museum in Möglin steht das Wasser bis zum Hals. Darüber hat Martin Frielinghaus von der Thaer-Gesellschaft die Gemeindevertretung Reichenow-Möglins auf ihrer Sitzung am Donnerstag in Kenntnis gesetzt.

"Die ständige Ausstellung muss, ob jemand kommt oder nicht, geöffnet sein", sagte Martin Frielinghaus. Bisher habe Heike Gräfe als sogenannte geringfügig Beschäftigte die Öffnungszeiten realisiert: Zwischen Dienstag und Freitag war das Museum zum Leben und Werk des Agrarreformers Albrecht Daniel Thaer im Winterhalbjahr geöffnet, im Sommer zwischen Donnerstag und Sonntag.

Die 4,64 Euro Stundenlohn, die sie dafür bekommen habe, belasteten die Fördergesellschaft ohnehin. Doch nun, da der Mindestlohn käme, sei die finanzielle Situation noch prekärer, machte Martin Frielinghaus gegenüber dem Gemeinderat deutlich. "Dann ist absehbar, wann Schluss ist."

Die bisherige Fördermaßnahme für Heike Gräfe sei ausgelaufen und es sei auch keine weitere in Sicht, beklagte Frielinghaus. Zudem würde bei den 8.50 Euro Mindestlohn nicht einmal bei seiner Mitarbeiterin etwas hängen bleiben. "Aber die Kosten würden für die Gesellschaft von 9000 Euro jährlich auf 14700 ansteigen." Doch schon jetzt stünden 13 000 Euro an Einnahmen aus Eintrittsgeldern, Mitgliedsbeiträgen und Spenden 14 000 Euro an Ausgaben gegenüber. Damit sei eine Schließung der Ausstellung über kurz oder lang programmiert.

Ein bis anderthalb Jahre, schätzt Frielinghaus, reicht der Atem der Thaer-Gesellschaft noch aus. Bereits auf der nächsten Vorstandssitzung müsse mit ziemlicher Sicherheit die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge und der Eintrittsgelder beschlossen werden, sagte er. Doch selbst wenn auch die Werbung heruntergeschraubt würde, sei das keine dauerhafte Lösung des Problems.

Martin Frielinghaus bat die Gemeindevertreter am Donnerstagabend im Mögliner Bürgerhaus darum, ob es möglich sei, einen Teil der mit 5000 Euro veranschlagten Betriebskosten zu übernehmen. "Eine erste Etappe könnte auch sein, uns die 300 Euro, die wir jährlich für die Nutzung der Räumlichkeiten an die Gemeinde zahlen, zu erlassen." Im Gegenzug dazu würde sich Heike Gräfe bereit erklären, die beiden Dorfchroniken weiterzuführen, stellte Frielinghaus in Aussicht.

Heike Gräfe bekräftigte am Donnerstag, wie schön sie die Arbeit im Museum fände. Seit 2001 ist sie dort tätig. "Ich bin gern hier. Die Leute sagen schon Frau Thaer zu mir", machte sie deutlich. Doch das Jobcenter mache ihr Druck. Neben Heike Gräfe ist eine Rentnerin auf 175-Euro-Basis im Museum beschäftigt. Sie springe bei Sonderführungen oder Reisegruppen ein, sagte Frielinghaus. Zwischen 800 und 900 Besucher habe das Museum jährlich. Nicht schlecht für ein Nischen-Museum in dezentraler Lage, wie Martin Frielinghaus findet. Zu wenig, wie manch ein Gemeindevertreter fand.

Dennoch wurden bei der nachfolgenden ersten Lesung des Gemeindehaushaltes für das kommende Jahr 3000 Euro Zuschuss für das Museum eingestellt. Eine Schließung des Museums dürfe nicht passieren, machte Bürgermeister Wolf-Dieter Hickstein deutlich.

Die seit 2009 in einem Neubau untergebrachte Ausstellung informiert über Leben und Wirken des Mediziners, Staatsmannes und Agrarwissenschaftlers Albrecht Daniel Thaer (1752-1828). Thaer bereitete den Weg zu umfangreichen Reformen in der Landwirtschaft Brandenburg-Preußens. Die Hauptausstellung bietet insgesamt 44 Text-Bildtafeln, ergänzt durch Bilder, Vitrinen mit Originalausgaben Thaerscher Werke sowie Arbeiten anderer Autoren. Es stehen Audioguides in deutscher, englischer und polnischer Sprache zur Verfügung. In den Ausstellungsräumen bieten Nachbauten historischer Ackerbaugeräte hautnahe Einblicke in die landwirtschaftliche Arbeit zu Thaers Zeiten.

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