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Doreen Jabs hat eine Unternehmen für häusliche Krankenpflege gegründet und will sich Zeit für die Patienten nehmen

Drei Engel für Künzel

Die Gründerin des jungen Unternehmens Häusliche Krankenpflege, Doreen Jabs (M.), und ihre Mitarbeiterinnen Nicole Neubert (l.) und Christina Grenz versorgen ihre Patienten medizinisch und unterstützen sie bei der Hausarbeit.
Die Gründerin des jungen Unternehmens Häusliche Krankenpflege, Doreen Jabs (M.), und ihre Mitarbeiterinnen Nicole Neubert (l.) und Christina Grenz versorgen ihre Patienten medizinisch und unterstützen sie bei der Hausarbeit. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Anna Fastabend / 16.10.2014, 12:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Drei Krankenschwestern haben sich zusammengetan und bieten seit September Pflegedienstleistungen in Schwedt und Angermünde an. Das Angebot reicht von der Hilfe im Haushalt bis zur Krankheitpflege. Die Frauen versprechen, sich viel Zeit für ihre Patienten zu nehmen.

Die Puppen von Unternehmensgründerin Doreen Jabs mussten zu Kindertagen einiges mitmachen. Schließlich waren sie die ersten, an der die 43-jährige Schwedterin ihre damaligen Berufswünsche ausprobierte. "Ich wollte entweder Friseurin oder Krankenschwester werden", erinnert sie sich. Heute ist sie froh, sich für den Pflegeberuf entschieden zu haben - schließlich werden Pfleger momentan überall gesucht.

So auch von Gertrud Künzel (75). "Ich bin doch noch fit im Kopf", sagt die Seniorin, "da möchte ich doch nicht gesagt bekommen, was ich zu tun und zu lassen habe." Ein Seniorenheim kann sich die gelernte Röntgenassistentin nicht vorstellen. Dafür ist sie noch viel zu rüstig. "Ich bin kulturell interessiert, gehe gern ins Konzert, ins Theater", so die Schwedterin. Da könne sie mit starren Zu-Bett-geh-Zeiten nichts anfangen. Auch ein vorgefertigter Speiseplan einer Heim-Kantine ist nichts für sie. "Ich koche mir mein Essen selbst", sagt die Seniorin. Außerdem möchte sie, wie viele andere, die eigenen vier Wände nicht verlassen. "Aber bei manchem brauche ich Hilfe", verrät Gertrud Künzel, "beim Ankleiden, im Haushalt."

"Als mir Schwester Doreen erzählte, dass sie sich selbstständig machen möchte, wusste ich, da geh ich mit", sagt die Seniorin, die sich nicht nur bei Doreen Jabs, sondern auch bei ihren Mitarbeiterinnen Christina Grenz (51) und Nicole Neubert (26) gut aufgehoben fühlt. Gertrud Künzel kennt die drei Frauen aus ihrer Zeit bei einem großen ambulanten Pflegedienstanbieter der Region. Bei diesem war sie lange Jahre Patientin.

Die erste Begegnung zwischen Doreen Jabs und Gertrud Künzel sei allerdings alles andere als angenehm gewesen, erzählt Neugründerin Jabs. Sie hatte den Auftrag, Frau Künzel ins Bett zu bringen. Auf ihrem Tourenplan habe aber die falsche Uhrzeit gestanden. Es war zu früh. "Ich gehe doch jetzt noch nicht ins Bett", habe die Seniorin entrüstet gesagt. Die Pflegerin hörte zu, und versuchte beim nächsten Aufeinandertreffen auf die Wünsche der Patientin einzugehen - das Eis war gebrochen.

Die drei Frauen arbeiteten nur kurz für denselben Anbieter. Dort lernten sie sich kennen. "Wir haben uns gesehen und gefunden", erinnern sich Doreen Jabs und Christina Grenz. Sie seien sich auf Anhieb sympathisch gewesen und hätten die gleiche Vorstellung davon gehabt, wie ein hilfebedürftiger Mensch zu pflegen sei. "Unser Küken, die Nicole, kam später dazu", erzählt Jabs. Dass sie Krankenschwestern und keine Altenpflegerinnen sind, mag auf den ersten Blick verwundern. Doch "als Krankenschwester hat man beruflich alle Optionen", meint Neubert.

Auch Christina Grenz und Nicole Neubert wollten schon immer in einem Beruf arbeiten, in dem sie mit Menschen zu tun haben. "Meine Mutter wollte mich zu Büroarbeit verdonnern. Ich bin standhaft geblieben", sagt Christina Grenz. Neubert erinnert sich: "Schon immer war jede Arztserie meine." Sie hätten eben eine soziale Ader, sagen die Frauen über sich.

Ihr Büro in der Berliner Straße haben sie selbst renoviert. Himmelblaue Wände mit Sonnenblumenmotiven und einer Schmetterlingsbordüre, die wegen eines kleinen Missgeschicks hängt. "Wir hatten uns vermalt", sagt Doreen Jabs, "doch jetzt finden alle sie hübsch."

Die Frauen bieten Pflegeleistungen vom Verbandswechsel bis zur Medikamentenvergabe an. Sie helfen bei der täglichen Hausarbeit. Je nach Bedarf beim Wäschewaschen oder Kochen. Außerdem vertreten sie den Pfleger eines Familienangehörigen, wenn dieser in den Urlaub fahren möchte. Ein Auszug der von der Pflege- oder Krankenkasse übernommenen Leistungen.

"Wir wollen uns Zeit für unsere Patienten nehmen", nennt Doreen Jabs als obersten Grundsatz ihres Pflegedienstes. Für die medizinische Anwendung wie das Anziehen von Thrombosestrümpfen, aber auch für eine persönliche Unterhaltung. Und die ist am schönsten mit einem Pfleger, den der Patient lange kennt. "Wir Senioren brauchen Stetigkeit", bestätigt Gertrud Künzel. Noch hat das Trio wenige Patienten. Die Zeit wird zeigen, ob ihr Plan aufgeht.

Doreen Jabs, Häusliche Krankenpflege, Berliner Straße 26, Tel. 03332 3380230 oder E-Mail pflege-mit-zeit@schwedt.com

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