Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Schauspieler des Jahres Uwe Heinrich überzeugt das Publikum mit Authentizität / Der vollbesetzte Saal jubelt

Lieber Traumrollen als Traumgehalt

Schauspieler Uwe Heinrich gibt den gesamten Abend alles.
Schauspieler Uwe Heinrich gibt den gesamten Abend alles. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Anna Fastabend / 11.10.2014, 12:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Es gibt nicht viele Menschen, die sogar für ihre Fehler geliebt werden - das langjährige Ensemblemitglied der Uckermärkischen Bühnen Uwe Heinrich schon. Das zeigen die Reaktionen des Publikums am Mittwochabend bei der Vorstellbar. Um ihrem Liebling Heinrich, der für seine Rolle als König Lear zum Schauspieler des Jahres gekürt wurde, zu huldigen, sind sie in Scharen gekommen. Und sie werden belohnt. Denn sie erleben einen Darsteller, der es nicht nötig hat, aufzuschneiden, sondern durch Menschlichkeit überzeugt.

Da gibt es rührende Momente, als Uwe Heinrich und Schauspielerin Renate Pick eine Szene aus dem Musical Cabaret auf die Bühne bringen. In dem im Berlin der 30er-Jahre spielenden Stück stellt eine einfache Ananas noch einen derart großen Liebesbeweis dar, dass der Verehrten ganz schwindelig davon wird. Eine Szene, die von den Darstellern mit einer ins komödiantische überzogenen Leidenschaft gespielt wird, dass das Publikum sich herrlich amüsiert.

Auch wenn Gastgeber Ireneusz Rosinski den in Leipzig studierten Schauspieler immer wieder zum Singen überreden will, Heinrichs Stärke ist eine andere. Und auf die macht der 60-Jährige aufmerksam. "Frag mich was zu meinen Hobbys", schlägt er vor. Und berichtet vom Reisen. "Einmal dachte ich, das wars", sagt er, als er von einem Urlaub in Panama erzählt. Er habe Touristen vor dem Ertrinken retten wollen und sei nicht mehr gegen die Strömung angekommen. Selbst dieser ernste Moment wird von Heinrich mit ein wenig Komik abgemildert. Seine Frau habe nur deshalb schnell Hilfe geholt, weil sie ihn heiraten wollte.

Die faszinierendsten Momente sind die, in denen Heinrich über sein bewegtes Leben spricht. Davon erzählt, wie er den Traum, Schauspieler zu werden, mit derartiger Verbissenheit verfolgte, dass er in der Anfangszeit seines Studiums so verkrampft war, dass er gar nicht spielen konnte. Schuld sei sein sächsischer Dialekt gewesen, den er beim Vortragen unbedingt verstecken wollte. Er erzählt schmunzelnd, dass er zu Beginn nur aus zwei Gründen Schauspieler werden wollte: "Fernsehen und Geld."

Aus seiner Heimatstadt Lommatzsch stammen nicht nur er, sondern auch der Italo-Western-Held Terence Hill. "Er wurde reich, ich dafür sehr berühmt", scherzt Heinrich. Er gibt zu, dass Schwedt nicht immer seine erste Wahl gewesen ist. "In meinem Beruf geht es auch um Veränderung." Aber er sei dankbar für die fast 20 Jahre Schwedt. "Hier habe ich Traumrollen spielen dürfen. Mephisto und König Lear", zählt er auf. Beim Abschluss-Monolog, den er aus dem Shakespeare-Stück hält, fällt ihm plötzlich der Text nicht mehr ein. Spätestens in diesem Moment liegt ihm das Publikum für seine authentische Art zu Füßen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG