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Der „rote Dany“ ist längst ein grüner Realo

Gerhard Kneier / 01.04.2010, 12:41 Uhr - Aktualisiert 01.04.2010, 12:42
Frankfurt a.M. (In House) Studentenführer im Pariser Mai 1968, Aktivist bei den Hausbesetzungen in Frankfurt am Main, Grünen-Realpolitiker und Fraktionschef im Europaparlament: Daniel Cohn-Bendit, der am Sonntag 65 Jahre alt wird, ist schon in vielen Rollen aufgefallen.

Eine Rolle war dem „roten Dany“ – zur revolutionären Gesinnung kamen die roten Haare – indes auf den Leib geschnitten wie keine andere: die des Frankfurter Dezernenten für multikulturelle Angelegenheiten, die er ab 1989 acht Jahre lang als ehrenamtlicher Stadtrat innehatte. Multikulti ist für Cohn-Bendit nicht nur eine Überzeugung, er lebt sie auch: Der Sohn eines deutsch-jüdischen Vaters und einer französischen Mutter pendelt bis heute zwischen den den Nachbarländern. Seinen Wohnsitz hat er nach wie vor in Frankfurt. Doch im Europaparlament, dem er seit 1994 angehört – zunächst für die deutschen Grünen –, sitzt er mittlerweile für deren französisches Pendant. Mit ihm als Spitzenkandidat holte die Gruppe Europe Ecologie landesweit 16,2 Prozent und landete damit als drittstärkste Kraft nur knapp hinter den Sozialisten.

An Ruhestand verschwendet Cohn-Bendit deshalb keinen Gedanken. Er ist ja auch noch Ko-Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Straßburger Parlament, wo er als einer der versiertesten Redner gilt. Langweilig ist es selten, wenn er auftritt. Dabei ist die Wandlung vom revolutionären „Dany, le Rouge“ der Pariser Zeit bis zum grünen Realpolitiker beträchtlich.

Doch Cohn-Bendit steht zu seiner Vergangenheit. Und im Lebenslauf auf seiner Homepage hebt er auch die Mitgliedschaft in der Gruppe „Revolutionärer Kampf“ hervor, die in den 70er Jahren an Hausbesetzungen und politischer Agitation in Betrieben wie Hoechst und Opel beteiligt war – mit dabei unter anderen der spätere Außenminister Joschka Fischer.

Geboren wurde Cohn-Bendit am 4. April 1945 im französischen Montabaun als Sohn eines vor den Nazis geflohenen Anwalts, der später wieder nach Deutschland zurückkehrte. Sein Abitur machte Cohn-Bendit an der Odenwaldschule 1965, um dann zum Studium nach Frankreich zu gehen, wo er zum Anführer der Studentenunruhen aufstieg. Schließlich wurde er aus Frankreich ausgewiesen und fand in Frankfurt am Main seine zweite Heimat fand.

Er jobbte im linken Milieu, war Buchhändler, Herausgeber der Szeneblattes „Pflasterstrand“, Kinderladenaktivist. Ende der 70er Jahre stieß Cohn-Bendit zusammen mit Joschka Fischer zu den Grünen, deren Mitglied er allerdings erst 1984 wurde. In der Partei gehörte er wie Fischer schnell zu den entschiedensten Realpolitikern – ein Reflex vielleicht auf die Straßenkämpferphase vorher, die durchaus in Gefahr stand, in die Terrorszene abzugleiten. Cohn-Bendit ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

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