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1. FC Schöneiche startet mit D-Jugend im Spielbetrieb / Mädchen-Team für nächste Saison geplant

Der andere Fußballverein

Michel Nowak / 15.11.2014, 07:15 Uhr
Schöneiche (MOZ) Platzhirsch Germania hat Konkurrenz bekommen: Ein weiterer Fußballklub hat sich im Ort gegründet. Die Eltern von Nachwuchsspielern haben ihn ins Leben gerufen. Dreh- und Angelpunkt des neuen Vereins ist Michaela Schulz - früher Jugendkoordinatorin bei Germania, heute Trainerin des 1. FC Schöneiche.

Ein November-Sonntag kurz nach 10 Uhr auf dem Sportplatz an der Schöneicher Babickstraße. Bei fünf Grad Außentemperatur jagt ein knappes Dutzend Schöneicher Nachwuchs-Kicker auf dem Kunstrasenplatz dem Ball hinterher. Gegner in der 1. Kreisklasse sind die Jungs vom Hennickendorfer SV. Eine Handvoll Zuschauer, fast alles Eltern, friert am Rand. Einer der Väter ist gar als Schiedsrichter aktiv. Soweit ist das nicht weiter ungewöhnlich. Doch tragen die Schöneicher Spieler Trikots mit der Aufschrift "1. FC Schöneiche" - ein neuer Fußballverein am Berliner Rand trägt hier die ersten Punktspiele aus.

Die Frau "dahinter" steht mit grauer Jacke und schwarzem Hut an der Seitenlinie und dirigiert das Geschehen: Michaela Schulz, 13Jahre im Jugendbereich beim großen Schöneicher Fußballverein Germania aktiv. Und im Streit Anfang des Jahres ausgeschieden. Suspendiert sei sie bei Germania worden, erzählt sie, zwischenzeitlich habe sie ein "partielles Hausverbot" erhalten. Warum? "Einige Herren dort wollten alles wie vor 30 Jahren machen", sagt Michaela Schulz, "ich aber habe eine andere Trainingsphilosophie, bin manchmal kontrovers im Auftreten."

Nachdem sie im Februar Germania Schöneiche verließ, folgten ihr viele Eltern mitsamt Nachwuchs-Spielern und gründeten im März den 1. FC Schöneiche. Michaela Schulz übernahm, teilweise gemeinsam mit Floyd Schmid, das Training von Bambinis und D-Jugendlichen. "Hier kann ich meine eigenen Vorstellungen komplett umsetzen", sagt Michaela Schulz.

Der Verein zählt inzwischen knapp 40 Mitglieder. Mit dem 1.MFC Hamburg, einem reinen Mädchen-Fußballclub, besteht eine Partnerschaft. In der nächsten Saison soll es auch in Schöneiche ein Fußballerinnen-Team im Nachwuchsbereich geben. "Ein Traum von mir", sagt Michaela Schulz.

Ihre D-Jugend-Fußballer haben im kalten Vormittag-Nebel nach 20Minuten drückender Überlegenheit das 1:0 gegen die Hennickendorfer geschossen. "Das ist schon eine tolle Truppe", sagt Jörg Teichfischer, Vater von Spieler Nils und stellvertretender Vorsitzender des 1. FC Schöneiche nach dem Torjubel begeistert.

Weniger begeistert sind naturgemäß die Verantwortlichen bei Germania Schöneiche. Schließlich ist ein Teil der eigenen Nachwuchs-Kicher zum neuen Fußballverein gewechselt. Michaela Schulz selbst gilt hier wohl vor allem als Ärgernis. Von Querelen, die nicht in die Öffentlichkeit gehören, spricht Jugendkoordinator Sven Hoffmann. Und Vorstandsmitglied Maik Wilke sieht viele Hintergründe, über die er aber "zum Schutz von Michaela Schulz" nicht sprechen will. "Jeder kann einen Verein gründen", sagt Wilke, "aber für mich ist es dennoch unverständlich, dass es in Schöneiche jetzt zwei Fußballvereine gibt." Wichtig für ihn sei aber vor allem, "dass im Interesse der Kinder gehandelt wird".

Eine Gemeinsamkeit, denn das will Michaela Schulz vom 1.FC Schöneiche auch. An eine Zusammenarbeit mit Germania sei aber aktuell nicht zu denken. Sie hofft, dass der Zulauf zu den Trainingszeiten am Dienstag und Freitag ab 16 Uhr in der Babickstraße anhält. Auch neue Trainer mit einer ähnlichen Philosophie wie der ihren seien willkommen. Mit der Entwicklung ihrer D-Jugend ist Michaela Schulz grundsätzlich zufrieden. "Wir schaffen es nur nicht, unsere Feldüberlegenheit in genügend Tore umzusetzen." Gegen den Hennickendorfer SV gelingt das diesmal, mit 6:1 gewinnen die Schöneicher D-Junioren und rücken in der Tabelle auf Platz vier unter acht Teams vor. Am Sonntag, diesmal schon ab 9Uhr, werden die Eltern wieder frieren. Dann ist der 1.FC Schöneiche beim FC StrausbergII zu Gast.

Dass der neue, andere Fußballverein in Schöneiche künftig immer wieder auf die etablierte Germania treffen wird, ist wegen der räumlichen Nähe wohl unvermeidbar. Michaela Schulz will mit dem 1.FC Schöneiche aber einen eigenen Weg gehen. "Ich will eine friedliche Ko-Existenz mit Germania, mehr geht im Moment nicht", sagt sie.

www.fc-schoeneiche.de

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