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Entwurf des Panketaler Aktionsplanes liegt vor / Erfolge an der Bahntrasse bleiben aus / Bürgerbeteiligung steht bevor

Ruf nach stärkerem Schutz vor Lärm

Tempo 30 nur nachts oder am ganzen Tag? Die Landesstraße 314 - hier der Bereich Alt Zepernick - durchquert Panketal.
Tempo 30 nur nachts oder am ganzen Tag? Die Landesstraße 314 - hier der Bereich Alt Zepernick - durchquert Panketal. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Olav Schröder / 19.11.2014, 07:50 Uhr
Panketal (MOZ) Nachdem im Rahmen der Lärmschutzplanung für Panketal 2008 Autobahnen und Bahntrasse im Mittelpunkt standen, erfolgten jetzt Berechnungen des Lärmpegels für Bundes- und Landstraßen sowie Straßen mit mehr als 1000 Fahrzeugen am Tag. Der Entwurf eines Lärmaktionsplanes liegt vor.

Es sind im Wesentlichen fünf Maßnahmen, die der umfangreiche Aktionsplan für Panketal enthält. Um den Lärm des Straßenverkehrs zu verringern, werden die Einführung von Tempo 30 in den Nachtstunden zwischen 22 und 6 Uhr im Verlauf der L 314 (Bernauer Straße, Alt Zepernick, Bucher Straße) sowie ganztags Tempo 30 in der Dorfstraße in Schwanebeck (L200, ehemals B2) vorgeschlagen.

Als Maßnahmen gegen den Schienenverkehrslärm sind Lärmschutzwände beidseitig der Trasse zwischen den S-Bahnhöfen Röntgental und Zepernick sowie eine weitere Lärmschutzwand südlich der Trasse zwischen der Elbestraße und der Gemeindegrenze zu Bernau ins Auge gefasst.

Wird der Entwurf des Aktionsplanes in der kommenden Gemeindevertretersitzung beschlossen, folgen die öffentliche Auslegung und eine Bürgerversammlung, so dass weitere Vorschläge eingearbeitet werden können.

Die Grundlage für den Aktionsplan bildet die sogenannte Lärmkartierung. Hierfür wird der durchschnittliche Lärmpegel an den Straßen errechnet und die Zahl der davon betroffenen Anwohner abgeschätzt. Neben der Zahl und Art der Fahrzeuge fließen darin auch Faktoren vom Fahrbahnbelag bis hin zum Baumbestand ein. Die Grenzwerte in Brandenburg liegen bei 65 Dezibel, kurz dB(A), für den gesamten Tag und 55 dB(A) für die Nacht, erläuterte Christian Hecht von der Hoffmann-Leichter Ingenieurgesellschaft Berlin bei der Vorstellung des Lärmaktionsplans. Für die Bucher Straße bedeutet dies zum Beispiel, dass die Zahl der Betroffenen durch ein nächtliches Tempo-30-Limit von 27 auf einen Einwohner gesenkt werden könnte.

Doch nicht immer ist der Effekt von Lärmschutzmaßnahmen so deutlich. An der L200 würde selbst eine Lärmschutzwand in Höhe der Autobahnanschlussstelle Bernau-Süd die Zahl der Anwohner, die unter Lärm leiden, in der Nacht lediglich von 109 auf 93 verringern. Christel Zillmann (Linke) sieht den gesamten Siedlungsbereich aufgrund der Doppelbelastung von Autobahn und ehemaliger Bundesstraße und dem "herüberschwappenden Lärm" daher doppelt im Nachteil.

Da der Schallpegel nur berechnet, nicht aber gemessen wird, kritisierte Dietrich Peters von der Bürgerinitiative Berlin Nord-Ost (BINO), dass lediglich Durchschnittswerte, nicht aber die belastenden Spitzenwerte ermittelt würden. Die Initiative hat mit fachlicher Unterstützung den Lärm von rund 300 Zügen gemessen und ist dabei, die Zahlen auszuwerten. Bislang wurde bei einem Güterzug eine Spitzenbelastung von mehr als 99 db(A) festgestellt, so der Panketaler Peters. Schon wenige solcher Züge reichen aus, um für schlaflose Nächte zu sorgen und in der Folge Herz- und Kreislauferkrankungen, Migräne, Nervosität und Konzentrationsleiden hervorrufen zu können. Dietrich Peters fordert daher über die bisherigen Lärmschutzmaßnahmen an der Bahntrasse auch Umrüstungen im Güterverkehr, Betriebseinschränkungen wie Nachtfahrverbote und die Unterstützung der Initiative durch die Gemeinde bei Rechtsstreitigkeiten in den Lärmaktionsplan aufzunehmen.

Dass an der Bahntrasse bislang die Vorkehrungen gegen den Lärm getroffen wurden, liegt daran, dass sich die Trasse nicht in der Trägerschaft der Gemeinde befindet, erklärte Sascha Pladeck vom Planungsamt. Mit der Verabschiedung des Lärmaktionsplanes, der nach EU-Richtlinien und Bundesgesetzen erstellt wird und vor allem mit der jetzigen zweiten Stufe stiegen die Chancen. Dementsprechend ermunterten auch Fachbereichsleiter Stefan Kadatz und Gemeindevertreter Jochen Bona (Unabhängige Grüne), mit dem Aktionsplan weitere Maßnahmen einzufordern. Bona wies darauf hin, dass nach den Berechnungen des Berliner Ingenieurbüros durch eine Lärmschutzwand an der Bahn die Zahl der betroffenen Anwohner von 1000 auf praktisch null (Gesamttag) beziehungsweise von 2000 auf 120 Anwohner (nachts) zurückgehen würde.

Für die Bernauer Straße (L314) fordert Anwohnerin Irene Thomas schon seit Jahren Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit. Zuletzt war ein Vorstoß der Gemeinde beim Kreis abgelehnt worden. Dass die Durchschnittswerte durch Stichproben-Messungen zu ergänzen seien, um die tatsächliche Belastung festzustellen, unterstrich Andreas Neumann, sachkundiger Einwohner der Bündnisgrünen. Argumente für Tempo 30 auch auf stark befahrenen Straßen wie die L 314 finden sich gleichfalls im Lärmaktionsplan. Die Leistungsfähigkeit einer Straße werde innerorts durch Kreuzungen und Einmündungen, nicht aber durch die freien Abschnitte bestimmt. Da der Sicherheitsabstand bei Tempo 30 geringer sein kann, könnten sogar mehr Autos eine solche Strecke passieren.

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Querdenker 24.11.2014 - 17:16:02

HALTBARKEITSDATUM ?

"Toll" das unsere Gemeinde gerade jetzt mit dem Thema Lärm um die Ecke kommt, das ist dieses eine Weihnachtsüberraschung mit Hintertür? Beispiele gefällig: Hat die Gemeinde nicht gerade den Antrag zur Klage gegen den Autobahnparkplatz Nähe Eichenring zu rückgezogen wo doch erheblich Lärm von der BAB + neuen Rastplatz auf die Anwohner einwirkt! Hat sich im übrigen jemand mal die Frage gestellt, wie lange so ein "Gutachten" überhaupt seine "Haltbarkeit" hat, zumal es eigentlich nur "Rechenspiele" auf dem Papier, denn die Situationen ändern häufig.

ein kranker Anlieger 19.11.2014 - 19:55:05

Lärm

Herr Fornell,vergessen Sie bitte im Punkte Strassenlärm nicht die Buchenallee (Sammelstrasse).Auch hier fahren täglich über 1000 Autos zum großen Teil als Durchgangsverkehr was von Ihnen natürlich immer bestritten wurde.Was auffällt in Panketal ist folgendes: alle Strassen die neu ausgebaut wurden laden förmlich zum Rasen ein.Was bringen neue 30km/h Schilder in Panketal wenn sich keiner danach richtet.Herr Fornell mit Anhang Gemeindevertreter, Rasen verursacht Lärm mit all den bekannten Folgen.Und was tuen Sie dagegen außer mit dem Finger auf die Polizei zu zeigen?

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