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Mutige Taten in Erinnerung gerufen

                                                       Chansons: "Zwischen Trauer und Hoffnung" war dieser Teil der Veranstaltung benannt.
Chansons: "Zwischen Trauer und Hoffnung" war dieser Teil der Veranstaltung benannt. © Foto: Jörg Tägder
Jörg Tägder / 19.11.2014, 21:59 Uhr
Liebenberg (MZV) "Meine einzige teure Mamotschka! Es ist aus. Heute, wenn es dunkel geworden sein wird, lebt deine Lanka nicht mehr. Mein Trost und meine Hoffnung ist meine kleine Irka, die ja Gott sei Dank keine Ahnung hat von allem, was um sie vorgeht."

Diese Zeilen schrieb Liane Berkowitz in ihrem letzten Brief an die geliebte Mutter. Am 5. August 1943, zwei Tage vor ihrem 20. Geburtstag, starb Liane Berkowitz um 19.45 Uhr in Plötzensee unter dem Fallbeil. Die Tochter russischer Immigranten war wegen der Beteiligung an einer Protestaktion mit Klebezetteln verhaftet und zum Tode verurteilt worden.

Der mutige Protest dieser jungen Frau stand am Sonntag im Mittelpunkt der Herbstkonferenz des "Liebenberger Freundeskreises Libertas". Schon auf dem Weg in den Sitzungssaal erinnerten große Schautafeln an den Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime: Harro Schulze-Boysen, Adam Kuckhoff, Mitglieder der Roten Kapelle. Ein Foto zeigte eine fröhliche Libertas Schulze-Boysen im Kreis ihrer Freunde, unter ihnen auch der Schriftsteller Günther Weisenborn. Dessen Sohn Sebastian verfolgte aufmerksam die Schilderung des kurzen Lebens Liane Berkowitz' durch Hans Coppi und das anschließende Theaterstück "Damit wir nichts vergessen", ein Projekt des dritten Semesters der Berliner Anna-Freud-Schule. "Was hätten wir gemacht? Wie geht es uns, wenn wir mit dem Schicksal mutiger Menschen, die sich dem NS-Regime widersetzten, konfrontiert werden? Können wir uns vorstellen, in eine solche Situation zu geraten? Fragen, die sich die Theaterleute bei der Erarbeitung des Stückes immer wieder stellten. Für die langfristige Erarbeitung des Stücks und die Inszenierung gab es lang anhaltenden Beifall. Das größte Lob kam vom sichtlich bewegten Sebastian Weisenborn: "Mein Vater hat versucht, diese Themen auf die Bühne zu bringen. Ihr habt mutige Taten lebendig werden lassen. Das hat mich sehr berührt."

Nach einer kurzen Pause wartete auf die Gäste der Herbstkonferenz noch ein Chansonprogramm mit dem Titel "Zwischen Trauer und Hoffnung". Michael Schenk (Keyboard, Gesang, Rezitation), Ralf Berkes (Violine, Gitarre) und Bringfried Löffler (Xylophon, Keyboard, Gesang) spielten neben Liedern in jiddischer Tradition auch Stücke von Rio Reiser bis Gerhard Gundermann.

Im Schlusswort erinnerte Joachim Rinn, der neu gewählte alte Vorsitzende des Vereins, an die Krawallmacher von Köln und die Meinung vieler Abwiegler: "Die sagen doch nur, was viele denken." "Solange es diese Stimmen gibt, ist unsere Arbeit nicht getan", fasste Pfarrer Rinn die Aufgaben des Vereins abschließend zusammen.

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