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Verjüngungskur für Erdgasbusse

In der Grube: Werkstattmeister Jörg Werner überprüft im leergeräumten, offenen Heck des Busses Nummer 535 Leitungen und Kabel.
In der Grube: Werkstattmeister Jörg Werner überprüft im leergeräumten, offenen Heck des Busses Nummer 535 Leitungen und Kabel. © Foto: René Matschkowiak
Frank Groneberg / 21.11.2014, 07:38 Uhr
Frankfurt (MOZ) Die Wieser GmbH Nutzfahrzeug-Service wartet und repariert als Servicepartner die Erdgasbusse der Stadtverkehrsgesellschaft. Seit Jahresbeginn ist sie mit der Generalüberholung der Busse beauftragt. Insgesamt acht Fahrzeuge werden bis 2016 in Markendorf runderneuert.

Das Heckteil des "Schlenkis", wie die langen Gelenkbusse allgemein genannt werden, wirkt irgendwie nackt. Statt der grünen Bleche ist nur ein stählernes Gerippe zu sehen. Darunter herrscht gähnende Leere: Motor, Schaltgetriebe, Gebläse und alles, was sonst so unter den hinteren Sitzbänken arbeitet, sind ausgebaut. Schutzfolie, die während der Fahrt die Fahrgäste vor aufsteigender Motorhitze schützt, glänzt silbern im Neonlicht. Aus der Grube unter dem Bus heraus reckt sich Jörg Werner hoch in die Karosserie. Weil das Fahrzeugheck derzeit ein großer Hohlraum ist, hat er viel Platz, Leitungen, Ventile und Kabel intensiv zu überprüfen.

Der Gelenkbus mit der Nummer 535 - er ist der dritte Erdgasbus der Stadtverkehrsgesellschaft mbH (SVF), der in Markendorf einer Generalüberholung unterzogen wird. Einer Verjüngungskur sozusagen. Diese sorgt dafür, dass die Busse, die nach zwölf Jahren Dauereinsatz ersetzt werden müssten, noch weitere acht Jahre lang Passagiere von A nach B und umgekehrt transportieren können. Und es ist schon eine tolle Sache, dass diese Arbeit nicht irgendwo in der Republik, sondern hier in Frankfurt durchgeführt werden kann.

"Eigentlich wird beinahe die gesamte Technik erneuert", sagt Jörg Werner. "Der Motor wird komplett generalüberholt, bekommt neue Zylinderköpfe, Laufbuchsen, Ventile und Pleuel - alles wird erneuert", erklärt der Werkstattmeister. Auch das Schaltgetriebe, das Lenkgetriebe, alle Achsen und die Federung würden instand gesetzt oder ausgetauscht, zählt er auf. Wichtigste Neuerung sind die Klimaanlage für den Fahrerarbeitsplatz (von außen erkennbar an der flachen Haube vorn auf dem Dach) und der klimatisierte Fahrersitz. Und all diese Arbeiten werden in Markendorf ausgeführt. Lediglich der Austausch der Bleche ist zuvor von einem Kooperationspartner im mecklenburgischen Güstrow durchgeführt worden.

Noch vor ein paar Tagen war der "Schlenki" sogar zweigeteilt. Da haben die Fachleute der Firma Wieser die "Ziehharmonika" zwischen Front- und Heckteil, die korrekt Faltenbalg heißt, ausgetauscht und das Drehgelenk, das beide Fahrzeugteile verbindet, instand gesetzt. Und im letzten Arbeitsgang wird der genau 17,95 Meter lange Niederflurgelenkbus von MAN später für eine Unterbodenkontrolle in einem Stück hochgehoben.

"Extra dafür haben wir eine sechsfache Radgreiferanlage gekauft", erklärt Jörg Werner. "Das war eine Grundvoraussetzung dafür, hier solch lange Busse reparieren zu können." Aber auch der Erdgasantrieb hat das Unternehmen vor zwölf Jahren, als die SVF ihre Busflotte auf Erdgas umstellte, vor spezielle Herausforderungen gestellt: Zwei Mitarbeiter wurden beim Hersteller der Busse, der MAN Truck & Bus AG in Salzgitter, geschult. Und in der großen Werkstatthalle wurde eine hochsensible Warnanlage installiert, die bei austretendem Erdgas anschlagen würde und direkt mit der Leitstelle Oderland der Feuerwehr verbunden ist.

"Für uns war es ein großes Glück, dass sich die SVF für uns als Servicepartner entschieden hat", sagt Frank Wieser, geschäftsführender Gesellschafter der Wieser GmbH Nutzfahrzeug-Service. "Das sichert auch bei uns Arbeitsplätze. Die SVF legt großen Wert auf Service vor Ort und auf Service mindestens bis 22 Uhr - all das bieten wir."

Mit 14 Mitarbeitern hatte die Wieser GmbH im Sommer 2008 in Markendorf begonnen. Heute hat die MAN-Vertragswerkstatt 19 Beschäftigte. "Wir warten aber nicht nur MAN-Fahrzeuge, sondern Lkw aller Fabrikate", versichert der Chef. "Bei uns wird niemand abgewiesen, wir machen grundsätzlich alles."

Der Auftrag zur Überholung der Busse ist gerade jetzt in der Zeit der Embargos gegen Russland sehr wichtig. "Service- und Garantiearbeiten für Speditionen aus Osteuropa, vor allem aus Polen und dem Baltikum, machen bis zu 15 Prozent unseres Umsatzes aus", erklärt Frank Wieser. "Unsere Firma hat dort einen guten Ruf und wir sind für sie der erste Anlaufpunkt nach der Grenze." Wegen der Russland-Embargos habe der Transitverkehr jedoch stark nachgelassen. "Das ist auch bei uns deutlich spürbar. Wir sympathisieren da besonders mit unseren Obstbauern." Der Großauftrag der SVF "hilft uns sehr, diese kritische Zeit zu überbrücken".

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Jananno 21.11.2014 - 10:30:31

Endlich mehr, als heiße Luft!

Bevor sich wieder wie in Frankfurt üblich die ersten über Dinge wie die Klimaanlage für den Fahrer beschweren,oder an sonstigen Kleinigkeiten stoßen, möchte ich mal ein großes Lob an die SVF und die MOZ loswerden. Hier wird was für die regionale Wirtschaft getan und darüber berichtet, statt wie üblich auf Sektempäfängen immer nur geredet.

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