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Adventsauftakt mit Pathos

Viel Betrieb: Die Kindertanzgruppe der Berliner Tanzschule Balance Arts, das Orchester "Amicus" und der Ökumenische Chor Oranienburg unter Leitung von Nicolai-Kantor Jack Day (mit Taktstock) stehen gemeinsam auf der Bühne.
Viel Betrieb: Die Kindertanzgruppe der Berliner Tanzschule Balance Arts, das Orchester "Amicus" und der Ökumenische Chor Oranienburg unter Leitung von Nicolai-Kantor Jack Day (mit Taktstock) stehen gemeinsam auf der Bühne. © Foto: MZV
Dagmar Möbius / 01.12.2014, 06:29 Uhr
Oranienburg (MOZ) Noch nie erklang das komplette geistliche Werk "The Messiah" von Georg Friedrich Händel in der Stadtkirche. Das Publikum feierte den Ökumenischen Chor, die Solisten und die Kindertanzgruppe mit Bravo-Rufen.

Rund 250 Musikliebhaber sind am Vorabend des ersten Adventsonntages in die Oranienburger Nicolaikirche gekommen, um die von Charles Jennens zusammengestellte christliche Glaubenslehre auf Englisch zu hören. Händel hatte die Partitur zwischen August und September 1741 innerhalb von 24 Tagen fertig gestellt. Später führte er das Oratorium jährlich auf. Er dirigierte es nicht nur selbst, er veränderte auch die Versionen entsprechend des "aktuellen Bedarfs".

Nicolai-Kantor Jack Day erklärt dem Publikum einleitend das anspruchsvolle Werk mit vier Solistenstimmen, Chor und Orchester: "Ich wünsche, dass Sie offene Ohren haben für die Schattierungen der Dunkelheit." Prophetenprophezeiungen, Geburt und Leben Jesu, sein Tod am Kreuz und seine erhoffte Wiederkehr bilden den biblischen Rahmen. Der Titel "Messiah" bezieht sich auf einen ursprünglich hebräischen Hoheitstitel aus der jüdischen Bibel und bedeutet "der Gesalbte", ist aus dem Programmheft zu erfahren. Die Alt-Stimme (Klaudia Zeiner) und der Bass (Stephan Heidemann) singen kurze Beispiele. "Die Hoffnung ist nie weit", sagt Day zur inhaltlichen Komposition des Stücks. Das habe Händel so gewollt. "Jetzt geht es richtig los", flüstert eine Frau zu ihrer Banknachbarin.

Das Leipziger Orchester "Amicus" musiziert. Tenor Andreas Fischer intoniert die Jesaja-Prophezeiung: "Comfort ye, comfort ye my people, saith your god" (Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott). Violinen dominieren den ersten Part. Der Chor besingt "the Glory of the Lord". Das Publikum lauscht. Nur wenige schauen ins gedruckte Programm. Die Leipziger Vokalsolisten und der Ökumenische Chor Oranienburg wechseln sich ab.

Kurz vor der Pause schreitet die Kindertanzgruppe "Upsala" der Berliner Tanzschule Balance Arts vor das Orchester. Ihre individuellen, weißen Kostüme haben die Kleinen mit ihren Eltern selbst entworfen. Auf den Takt zu "For unto us a child is born, unto us a Son is given" (Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt) tanzen die Kleinen zur Musik. Die Jüngsten sind vier Jahre jung. "Es geht bei uns um Freude an der Bewegung, nicht um Perfektion", sagt Tanzlehrerin Maike Bartz. Deshalb stammt der hurmorvoll zu verstehende Name der Gruppe nicht von der schwedischen Stadt, sondern vom Begriff "Upsala" - wenn einmal etwas daneben geht. Beim Auftritt geht nichts daneben. Die Tanz-eleven marschieren mit Beifall in die Pause. "Das Schönste ist vorbei", bedauert eine ältere Dame.

Das ist so nicht richtig. In Teil zwei treten alle Solisten wiederholt auf. Auch Sopranistin Reglint Bühler kommt nun zu mehreren Soli. Es gibt Duette und Quartette. Nach zwei Stunden erklingt das berühmte "Hallelujah", unterstützt von Pauken und Trompeten. Auf der Empore wird mitgesungen. Füße wippen. Das Publikum lässt sich zu Zwischenbeifall hinreißen. Eine halbe Stunde später erheben sich die Gäste zum Finale. Bravo-Rufe ertönen. Langer Applaus. Viel Lob gibt es für den stimmlich überzeugenden Ökumenischen Chor, dessen Sänger einmal wöchentlich proben.

"So viel Pathos haben wir hier selten", sagt ein Kirchengemeindemitglied. "Schön, dass dieses Werk einmal im Ganzen zu hören war." Im nächsten Jahr wird zum Adventauftakt in der Nicolaikirche wieder Bachs Weihnachtsoratorium erklingen.

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