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Anne-Frank- statt Peter-Göring-Straße?

Uwe Spranger / 03.12.2014, 07:24 Uhr
Strausberg (MOZ) Die Junge Union (JU) Märkisch-Oderland hat die in Gang gekommene Diskussion über den Namen der Peter-Göring-Straße in Strausberg begrüßt. Man wolle das Vorhaben, das durch die eigene Aktion am Jahrestag des Mauerfalls angestoßen wurde und zu dem es inzwischen sogar eine online-Petition gibt, weiter vorantreiben, so der Vorsitzende Hendrik Reinhardt. "Uns ist bewusst, dass der Vorschlag, die Straße nach Michael Gartenschläger zu benennen, provokant war", gab Reinhardt zu. Um eine Umbenennung tatsächlich zu erreichen, müsse ein Alternativvorschlag unterbreitet werden, der von vielen Strausbergern getragen werden könne, ist ihm bewusst. "Wir könnten uns vorstellen, die Straße in Anne-Frank-Straße umzubenennen - passend zur dort ansässigen Anne-Frank-Oberschule", regte er an. Auf jeden Fall solle auch in Strausberg keine Straße mehr den Namen eines Mauerschützen tragen.

Diese Sicht teilt Holger Zeiger, Initiator der Online-Petition. 25 Jahre nach dem Mauerfall könne es nicht sein, dass ein Grenzsoldat durch einen Straßennamen "geehrt" werde, der 1962 in Berlin mehrmals auf einen flüchtenden 14-Jährigen geschossen und ihn schwer verletzt hat.

Die Petition tut sich allerdings schwer. Bislang haben sich gut 60 Unterstützer eingetragen, etwas mehr als die Hälfte von ihnen kommt aus Strausberg. Der Name von Horst Fröhlich fehlt bislang noch, aber nur, weil der über 80-Jährige nicht so fit am Computer ist. Er stehe voll hinter dem Anliegen, sagte der frühere Stadtverordnete der MOZ. Er hatte vor einigen Jahren den letzten Versuch gestartet, eine Straße umzubenennen: den Otto-Grotewohl-Ring. Fröhlich hat eigens ein Schreiben der damaligen Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung wieder herausgesucht. Darin korrigiert sie ihre Auskunft, es gebe einen Beschluss, dass es keine Umbenennungen geben solle. Solch ein Papier gebe es nicht, teilt sie mit.

Linken-Fraktionschef Ronny Kühn hat zumindest von dem Namensvorschlag gehört. Noch habe man darüber aber nicht gesprochen. SPD-Ortschef Nick Reinking kannte die Idee noch nicht.

www.openpetition.de

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Thomas Krieger 04.12.2014 - 22:53:28

Kostenargument zieht nicht

Überall werden Straßen umbenannt - teils wegen historischer Belastungen, teils aus pramatischen Gründen (Doppelbenennungen in vereinigten Dörfern wie Fredersdorf-Vogelsdorf). Die Kosten entstehen nur für die Neuanfertigung der Straßenschilder, wenn man die alten Schilder noch 3 Jahre darunter hängen lässt. Dann können alle Anwohner und Gewerbetreibenden ihr Briefpapier usw. in Ruhe aufbrauchen. Strausberg stände es gut an, 25 Jahre nach Fall der Mauer keinen Straßennamen mehr im Stadtbild zu haben, die aus ideologischen Gründen(!) nach einem Mauermörder (von mir aus auch nur: Mauertotschläger) benannt ist.

Mielke 04.12.2014 - 11:04:33

Geschichte

Wenn es um die Feststellung geht dass Göring "verheizt" wurde - ja richtig. An die Grenze kamen meist nur linientreue Leute, der Schießbefehl galt - also draufhalten egal durch wen und auf wen. Das ist die Ausgangslage... Auch heute werden überall auf der Welt Menschen im Namen für irgend etwas verheizt - sinnlos ermordet. Wir schauen jeden Tag via TV zu und es macht eigentlich nur wütend. Es wäre für alle gut, die Toten von damals ruhen zu lassen, eine Geschichtsbewältigung in Strausberg im Abstand der Zeit anzugehen. Es wird niemand geschadet, wenn mit Pietät und auch ziemlich geräuschlos in Strausberg eine Anne-Frank-Straße neben der Schule mit gleichem Namen so benannt wird. Davon wird der Name von Göring überhaupt nicht beschädigt wenn man nicht noch extra "drauf haut". Ohne kleines Geld wird es nicht gehen, aber umsonst wird es nicht sein....

engel 04.12.2014 - 10:12:18

Straßenumbenennung in Strausberg

Auch ich bin nicht dagegen, unter der Bedingung, dass die dadurch entstehenden Kosten durch die Initiatoren, in diesem Falle die Junge Union und dem Herrn Zeiger ( der doch so eng mit Strausbergs Stadtgeschichte verbunden ist) getragen werden Und der Stadt und deren Bürgern keine Ausgaben diesbezüglich entstehen.

MaxMütze 04.12.2014 - 08:58:02

Nun,...

...sonst scheint ja in Strausberg alles in bester Ordnung zu sein, wenn von der JU einzig und allein im Zusammenhang mit dieser strasse zu hören ist. Solange andere themen nicht wirklich drängen-glückliches Strausberg! Was die ganze Hysterie angeht - vielleicht sollte man einfach auch mal darüber nachdenken, dass Peter Göring, ein damals 21jähriger(!)Grundwehrdienstler der einzige Tote dieses natürlich sehr bedauerlichen Vorfalls war. Manche sagen, dass auch er, wie viele andere, "verheizt" wurde. Und auch er hatte eltern,Freunde usw.-also er war keineswegs das "Monster",als dass er gelegentlich dargestellt wird, nur weil es en vogue ist. Ich weiß gar nicht, ob ich von der JU Strausberg schon einmal eine ähnliche Kritik an den Drohneneinsätzen der USA,die aus tausenden Kilometern Entfernung geführt und bei der bisher deutlich mehr Zivilisten starben als an der Mauer,gehört habe. Und,zur Ergänzung: Die rechtsstaatliche Aufarbeitung des damaligen Vorfalls endete mit dem Freispruch aller noch lebenden Beteiligten. Und würde Göring noch leben, wäre er unter den vorgefundenen Umständen auch frei gesprochen worden-vielleicht für diesen oder jenen unbefriedigend,auch warum es zum Freispruch kam-aber, wenn schon der Rechtsstaat als Standarte vorweg getragen wird, dann uss auch sein Urteil akzeptiert und respektiert werden.......vielleicht gibt es ja ein kommunales Feld, bei dem eine Profilierung der JU auch noch möglich ist, die vielleicht im ergebnis für ganz Strausberg (und nicht nur für die JU) nützlich ist......

.... 03.12.2014 - 09:41:08

Im übrigen gibt es in Strausberg noch ...

... viel zu wenige Karl-Marx und Friedrich Engels-Strassen, von mangelnden Leninplätzen möchte man hier schon gar nicht mehr schreiben :) ...

Jürgen Schmitz 03.12.2014 - 09:28:21

Guter Vorschlag

Diese in den letzten gut 20 Jahren mehrfach diskutierte Straße mit ihrem jetzigen Namen könnte nunmehr wirklich eine von vielen Bürgern getragene Umbenennung erhalten. Über den jetzigen Namen will ich gar nicht reden, die von CDU und FDP betriebene Kampagne die Straße nach M. Gartenschläger zu benennen, geht in der Stadt nicht umzusetzen - gut so. Der jetzige Vorschlag diese Straße nach Anne Frank umzubenennen ist aus meiner persönlichen Sicht ein sehr guter Vorschlag - nicht nur weil die anliegende Schule diesen Namen trägt. Wir hatten vor etwa 15 Jahren im Kunstparkhaus der EWE eine große Anne Frank Ausstellung organisiert, sogar mit Zeitzeugen der Anne Frank und deren Schicksal. Diese Ausstellung ist dann nach Auftakt bei uns in weitere Städte Deutschlands "gewandert". Mein persönliches Fazit - ein guter Vorschlag und ein gutes kompromissfähiges Signal von Geschichtsaufarbeitung in Strausberg. Jürgen Schmitz Bürgermeister a.D.

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