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Neonazis waren längst da

Thomas Gutke / 04.12.2014, 04:12 Uhr
Frankfurt (MOZ) Rechtsradikalismus war auch in der DDR ein real existierendes Problem. Lange vor der Wende gab es nazistische Netzwerke, die sich zunehmend radikalisierten und deren Strukturen spätere Exzesse wie in Rostock-Lichtenhagen zumindest begünstigten. Über das Thema sprach Exit-Mitbegründer Bernd Wagner am Dienstag an der Viadrina.

1974 sei er das erste Mal mit Neonazismus konfrontiert worden, erzählte Bernd Wagner. Damals, bei der Bereitschaftspolizei in Basdorf, habe er Männer kennengelernt, "die offen antisemitisch waren und sich mit SS-Diensträngen begrüßten". Eine Erfahrung, die den seinerzeit überzeugten Sozialisten mehr als irritierte. Wie konnte so etwas sein, in einer Gesellschaft, die sich ganz wesentlich über den Antifaschismus definierte?

Bei dem einem Erlebnis blieb es nicht. Auch, weil der studierte Kriminalist in der DDR zeitweilig die Abteilung Extremismus und Terrorismus im Zentralen Kriminalamt leitete, ebenso eine Arbeitsgruppe "Skinhead" bei der Kriminalpolizei.

Der gebürtige Frankfurter Bernd Wagner erzählte von einer Wehrsportgruppe in Fürstenwalde, von Neonazis im Oderbruch, ebenso von einem Gefängnisausbruch in Frankfurt mit mutmaßlich rechtsradikalem Hintergrund 1981. In der Öffentlichkeit erfuhr man davon nicht viel. Das Problem am rechten Rand wurde kleingehalten. "Man war der Meinung, das ist alles gar nicht so schlimm. Man müsse nur mal mit den Leuten reden, und dann sei das wieder gut".

Doch von Einzelfällen konnte keine Rede sein. Menschen mit rechtsradikaler, fremdenfeindlicher Gesinnung bildeten in verschiedenen Milieus Netzwerke.In Fußball-Fangruppen, in Gefängnissen, unter Jugendlichen. Dabei sei die Szene zwischen 1980 und 1990 zunehmend gewalttätiger geworden, erklärte Wagner.

Der Rechtsradikalismus-Experte hat in diesem Jahr an der Viadrina seine Doktorarbeit zu dem Thema abgeschlossen. Er sagt: Neonazistische Netzwerke im Osten waren längst da, als 1989 die Mauer fiel. Zu den aktivsten (auch in Frankfurt) gehörten unter anderem die Bewegung 30. Januar, die Nationalistische Front oder die Hammerskins. Im zunehmenden Verbund mit den rechten Milieus und Parteien in den alten Bundesländern hätten ihre Mitglieder Anfang der 1990er-Jahre in Ostdeutschland auch die Szenerie bestimmt. Denn sie glaubten, so Wagner, "dass die nationale Revolution in der Luft liegt."

Einige von ihnen hat Wagner später wiedergetroffen - bei Exit Deutschland. Die Initiative, die Rechtsradikale beim Ausstieg aus der Szene unterstützt, hatte der 59-Jährige im Jahr 2000 zusammen mit dem früheren Neonazi und Aussteiger Ingo Hasselbach gegründet. Für sein Engagement wurde ihm vor kurzem das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Kleiner geworden sei das Problem seit der Wende nicht, meinte Bernd Wagner am Dienstagabend. Im Gegenteil: Es gebe deutliche Anzeichen dafür "dass die rechtsradikale Bewegung immer noch hochvirulent ist".

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wienerle 05.12.2014 - 10:00:33

wiener wurst

es gibt kaum etwas deutscheres als die wiener wurst. mitte des 19. jh. von einem metzger in frankfurt/main kreiert, nach dortiger erfolglosigkeit vom metzger in wien erfolgreich gemacht, trat die frankfurter, wie sie in österreich passenderweise heisst ihren siegeszug an. die gute alte leckere wiener zur anti-nazi-polemik zu missbrauchen, hat die wurst nicht verdient.

D. Wolf 05.12.2014 - 09:10:01

Frage, wie immer

Wer oder was ist NAZI?

Ein aufmerksamer Leser 05.12.2014 - 08:32:54

Einfacher Biker

Zitat Einfacher Biker: "kaum dass da ein paar Zeilen stehen, die nicht dem, dem eigenen Intellekt angepasstem Weltbid entsprechen, kommt der Pawlofsche Reflex des Pöbelnmüssens, genau so, wie der dressierte Pittbull zu Hause zu sabbern..." Was machen Sie denn??? Noch herrscht in diesem Staat Meinungsfreiheit und wenn Theo solche Meinung vertritt, dann sollte man das akzeptieren. Sie werden hier beleidigend, eine sehr miese Einstellung.

ein einfacher Biker 05.12.2014 - 00:52:29

Hihi der Theo...

kaum dass da ein paar Zeilen stehen, die nicht dem, dem eigenen Intellekt angepasstem Weltbid entsprechen, kommt der Pawlofsche Reflex des Pöbelnmüssens, genau so, wie der dressierte Pittbull zu Hause zu sabbern anfängt, wenn ihm eine "DEUTSCHE WIENERWURST" vor die Nase gehalten wird. Naja, bei der Kälte leidet so eine, in dem glattrasierten Vakuumbehältnis herumkullernde Erbse eben etwas. Da kann man schon mal den Unterschied zwischen dem Inhalt von Studien und persönlich Erlebten nicht verstehen... Und Dein "UNS", ist übrigens auch ein anderes wie meines... (nur so als Hinweis) Also, lass Dir sagen: ... Ruhig Brauner, alles wird gut ;-) Und die Demo in Koblenz tut Dir wirklich nicht weh... Kannste glauben! Ach ja, ich hab übrigens auch meine Erfahrungen mit Neonazis in der DDR gemacht. Und was soll ich Dir sagen. Es gab Sie wirklich. Die hatten nur den großen Vorteil z.B. im Vergleich zu den Punks, dass Sie, wenn Sie allein unterwegs waren kaum auffielen, und von Polizei + staatlichen Führungsebenen eher totgeschwiegen wurden.Außerdem fielen die Stasimitarbeiter in Ihren Reihen auch nicht so schnell auf, weshalb man sie auch mehr oder weniger in Ruhe ließ, da ja sonst, ähnlich wie heute der Verfassungsschutz die eigenen Leute aufgeflogen wären. Und wenn Du alt genug bist um Mitte bis Ende der 80er mit der Reichsbahn auch nachts zwischen Ffo und Berlin unterwegs gewesen zu sein, hättest Du z.B. in Fürstenwalde oder Bln.Lichtenberg diese putzige und bis heute noch genauso dämliche Truppe in mehr oder weniger bedrohlichen Ansammlungen beobachten können. Aber wahrscheinlich warst Du, wenn das Alter passt, eher einer von diesen Billiardkugelköpfen mit ganz viel Pups der was wiegt in der Birne...

theo 04.12.2014 - 17:06:53

richtig Herr Gosemann,

und diese Studien wurden allesamt vom Politbüro des Zentralkomitees der Partei die immer recht hatte in Auftrag gegeben. Ein prominenter führender Mitarbeiter des Leipziger Jugendforschungsinstitutes war z.Bsp. Herr Lothar Bisky und was von da kam hatte natürlich den Anspruch auf Richtigkeit und wer zum Jahrestag mit einem Hund in FFO kommt ist natürlich ein Neonazi - was sonst demonstrieren sie in Koblenz weiter gegen rächtz aber lassen sie uns damit in Ruhe

Richard Gosemann 04.12.2014 - 09:59:21

Kein Nachlassen

Ich kann die Meinung nur bestätigen. Bereits Ende der 1970er Jhare habe ich bei einem Vortrag am Leipziger Jugendforschungsinstitur gehört, dass ca. 10 % der DDR-Jugendlichen der Rechten Szene zu zuordnen sind (einschließlich) FDJ-Mitglieder. Zum 30. Jahrestag der DDR in Berlin habe ich sie augenscheinlich in der Praxis erlebt, ebenso in FFO in der Straßenbahn _Einmarsch mit Hunden. Nach der polit.Einheit kamen natürlich viele verkappte Neonazis ans Tageslicht. Offenbar mit Wissen der Altnazis ausgestattet, da es eine Aufarbeitung des Faschismus in der alten BRD nicht gab. Die letzten persönlichen Kontakte hatte ich in Torgau bei der Demo gegen Rechts zum historischen Treffen amerikanischer und sowjetischer Truppen an der Elbe im II. WK und in Riesa, Sitz der Deutschen Stimme und Wohnort von NPD-MdL. Auch hier in Koblenz wird gegen Rechts demonstriert - erfolgreich. Dazwischen liegen 40 Jahre. Und ein Nachlassen im Kampf gegen diese Ideologie darf es bei allen politischen Kräften nicht geben.

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