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Knackpunkt Koordination

Spannendes Thema, leere Stühle: Steffen Lange von der HNE Eberswalde referiert zu Regionalmarketing
Spannendes Thema, leere Stühle: Steffen Lange von der HNE Eberswalde referiert zu Regionalmarketing © Foto: Bernhard Franz
Nadja Voigt / 05.12.2014, 07:05 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Unter dem Titel "Mit Regionalmarketing Zukunft sichern" hatte Denny Amstutz vom Regio-Forum am Dienstag in den Saal der Stephanus-Werkstätten geladen. Seiner Einladung folgten jedoch viel zu wenige Akteure aus dem Oderland, wie alle Anwesenden bedauerten.

"Regionalmarketing ist keine Sprintdisziplin, sondern ein Langstreckenlauf", gab Referentin Andrea Schickert den Besuchern des Regio-Forums Barnim-Oderbruch mit auf dem Weg. Am Dienstagabend hatte dazu Initiator Denny Amstutz, der sich seit langem mit Veranstaltungen wie dieser für seine Heimat engagiert, in die Beethovenstraße in Bad Freienwalde eingeladen. "Wir möchten ihnen als Region Mut machen", sagte Andrea Schickert weiter. In ihrem Referat stellte sie die gemeinsame Marke "@see BEReit und LOS" vor. Hinter dem etwas sperrigen, und wie sie zugeben musste, nicht ganz unumstrittenen Titel, verbirgt sich das Engagement der Städte Fürstenwalde, Storkow, von Grünheide und den Ämtern Spreenhagen und Scharmützelsee, gemeinsam ihre Region zu vermarkten. Als Ort zum Leben und Arbeiten, als Industriestandort im Einzugsgebiet des künftigen Großflughafens BER, als Region, die auf Tourismus setzt. "Aus der Überzeugung heraus, dass wir als Region gemeinsam erfolgreich sein können", wie Andrea Schickert ausführte.

"Doch wie bekommt man alle an einem Tisch?", wollte Evelyn Faust aus Bralitz wissen. Es sei frustrierend für sie zu sehen, welch großes Potential die Region habe - und auf der anderen Seite, wie wenig Interesse an einem solchem Forum bestehe. Tatsächlich waren außer ihr noch Tourismus-Chef Jens Lüdecke, die Stadtverordneten Peter Glaetzner und Detlev Wieland, Dietmar Ortel als Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Finanzen in Eberswalde sowie eine handvoll weitere Besucher in den Saal der Stephanus-Werkstätten gekommen. Alles hänge maßgeblich von den handelnden Personen ab, gab Andrea Schickert zu Bedenken. "In unserem Fall müssen die Hauptverwaltungsbeamten der Stadt Bad Freienwalde, von Wriezen, dem Amt Barnim-Oderbruch und Falkenberg-Höhe an einen Tisch", forderte Jens Lüdecke.

Auch Andrea Schickert aus Fürstenwalde berichtete, dass es jedoch zunächst Argwohn gegenüber der Stadt als Mittelzentrum gegeben habe. "Die Befürchtung lautete, dass dies der erste Schritt zur Eingemeindung sein könnte", sagte sie. Das sei jedoch völlig unbegründet gewesen. Ihr Bericht aus der Praxis wurde flankiert durch den Theorie-Teil von Steffen Lange von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Er referierte über die Grundlagen des Regionalmarketings. "Die gemeinsame Koordination ist der Knackpunkt", sagte Lange. Genauso wichtig sei jedoch ein Alleinstellungsmerkmal, das die Region hervorhebe und sie von anderen unterscheide. Der Wettbewerb sei hart, so Steffen Lange weiter. Es gehe um Kaufkraft, um Kapital, um Investitionen, um qualifizierte Arbeitskräfte, um Touristen, um eine intakte Umwelt, um Ansiedlung von Industrie und Gewerbe. "Hier braucht es eine klare Positionierung nach außen und eine gemeinsame Orientierung nach innen", sagte er. So könnten die erforderlichen, koordinierten Marketingmaßnahmen umgesetzt werden.

Dass Städte und Regionen - wie auch Bad Freienwalde - oft Analysen in Auftrag geben, sieht Steffen Lange kritisch. "Besser wäre es, die Analyse selbst zu machen", sagte der Wissenschaftler. "Und dann braucht es ein Leitbild für den Weg, den ich gehen will." Hinzu kämen die Definition einer Zielgruppe, die erreicht werden soll, sowie die Erstellung eines Konzeptes. Nur so ließen sich erfolgreiche Strategien umsetzen - so wie es andere Regionen vorgemacht haben. "Bei Spreewälder Gurken denkt jeder sofort an den Spreewald, eine Regional-Strategie, die aufgeht", so Lange. Auch die sogenannte Öko-Strategie wie sie Brodowin fahre oder die Erlebnis-Strategie im Fall der Fläming-Skate oder der Lausitz funktioniere. Doch dazu brauche es Akteure, mahnte Steffen Lange: die Verwaltung, den Handel, Unternehmer, Gastronomie und Hotellerie, Vereine sowie Kunst- und Kulturträger.

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