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Die Fahrgastzahlen auf der Linie 983 nach Slubice steigen weiter. Allerdings sind die Busse längst überfüllt.

Platzmangel im Grenzbus

Menschentraube: An der Haltestelle Brunnenplatz steigen Fahrgäste in einen bereits vollen Bus der Linie 983 ein.
Menschentraube: An der Haltestelle Brunnenplatz steigen Fahrgäste in einen bereits vollen Bus der Linie 983 ein. © Foto: Michael Benk
Frank Groneberg / 09.12.2014, 19:43 Uhr - Aktualisiert 13.07.2015, 11:55
Frankfurt (MOZ) Die Fahrgastzahlen auf der Linie 983 steigen weiter. Allerdings sind die Busse längst überfüllt. Eine Straßenbahn könnte deutlich mehr Leute transportieren.

Heinz Wehnert steht im Bus und klammert sich an der Haltestange fest. "Dit is ja hier wieder wie inne Sardinenbüchse", sagt der Rentner und berlinert dabei aufs Feinste. Berlinern - das ist der Jargon, den an diesem Vormittag die meisten Fahrgäste sprechen. Sie sind mit dem Regionalexpress aus der Hauptstadt angereist, um "billich einzukoofen". Denn in Slubice sei ja doch vieles günstiger zu haben, glaubt er. Am Bahnhof haben sie sich deshalb in den Bus der Linie 983 gequetscht, einen "Schlenki", der zwar gut 100 Fahrgästen Platz bietet, aber trotzdem prall gefüllt ist.

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"Dit is hier immer so eng", winkt Heinz Wehnert ab. An fast jedem Wochenende kommt er aus Berlin hierher, um weiterzufahren nach Slubice. Bis zum Herbst 2012 habe er ja vom Bahnhof oder zumindest von der Magistrale aus laufen müssen, aber seit es die Linie 983 gebe, sei alles viel bequemer. Auch wenn die Busse rappelvoll seien, erklärt er, "besonders die kleenen".

Die "kleenen" - das sind die Solobusse der Stadtverkehrsgesellschaft mbH (SVF). In ihnen haben noch weniger Menschen Platz, nicht mal 70, wenn alle wenigstens bequem stehen wollen. Werden sie auf der Linie 983 eingesetzt, drängen sich aber meist mehr Leute in den Bussen. Bei der SVF ist das natürlich bekannt. So oft es möglich ist, setzt sie für die Fahrten nach Slubice die großen Gelenkbusse ein, vor allem an den Wochenenden - aber auch diese sind meist voll besetzt. "Die Busse müssten öfter fahren", schlägt Rudolf Hundt, der Heinz Wehnert nach Polen begleitet, vor.

Die Zahlen der SVF sprechen für sich. Im vergangenen Jahr haben etwa 305 000 Fahrgäste die grenzüberschreitende Buslinie 983, die im Dezember 2012 gestartet war, genutzt. In diesem Jahr werden es nach Zählung bis einschließlich November und mit Prognose für Dezember etwa 316 000 sein - 3,6 Prozent mehr. Eine Steigerung, obwohl die Stadtbrücke im Juni und Juli vier Wochen lang gesperrt war und die Busse nur in Slubice hatten kreisen können, was einen Einbruch der Zahlen in diesem Zeitraum zur Folge hatte. "Ohne die Sperrung hätten wir dieses Jahr 40 000 Fahrgäste mehr als 2013", sagt Michael Ebermann - das wären plus 13 Prozent.

"Mit dem aktuellen Betriebskonzept stoßen wir bei der Linie 983 an unsere Grenzen", betont der SVF-Geschäftsführer denn auch. Dieses Konzept schreibt unter anderem fest, dass die Busse nur einmal stündlich nach Slubice fahren. Sollten sie öfter verkehren, müssten die Städte Frankfurt und Slubice das entsprechend bei der SVF bestellen und auch höhere Anteile an den dann höheren Kosten tragen.

Mit einer Straßenbahn könnten deutlich mehr Passagiere befördert werden, in einer Niederflurbahn bis zu 160. "Die Straßenbahn ist das leistungsfähigere System. Eine Verbindung nach Slubice bleibt mittelfristiges Ziel", erklärt Michael Ebermann. Er verstehe, dass die Politik in Slubice derzeit andere Probleme lösen müsse. "Ich denke aber nicht, dass dieses Projekt komplett abgeschrieben ist."

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max 10.12.2014 - 13:40:48

Guido St.

bin voll ihrer meinung.eine strassenbahn nach slubice wollen nur lobbyisten.

Guido St. 10.12.2014 - 12:30:01

Straßenbahn

Braucht Frankfurt wirklich auch noch ne Straßenbahn, um seine Bürger weg von den eigenen Händlern bis zum Polenmarkt zu kutschen, auf daß die Umsatzsteuern in der Stadtkasse Slubices landen, während unsere leer bleibt und unsere Händler ihre Läden nicht mehr halten können? Glaubt man ja nicht, wie kurzsichtig manche Menschen sind.

genau 10.12.2014 - 08:55:44

genau

das ist das problem die busse fahren halb stündlich bis 12 uhr die berliner kaufen in berlin ihre karten nach ffo aber nicht beim svf somit hat der svf nur die zuschüsse vom land und nicht selber in der hand ich muss auch dazu sagen das die linie zum polen markt führen müsste so muss man noch nen kilometer mehr laufen bis man da ist aber wenn man mal bedenkt das der markt rund um die uhr voll ist und man die straße noch extra bauen müsste damit der buss da auch vernüftig durch kommt selbst für die tram müssten extra gleise gelegt werden

Opa Hoppenstedt 10.12.2014 - 08:38:27

@Ludwig Pohland

Sie haben doch keine Ahnung wovon Sie hier reden. Die Straßenbahn nach Polen wäre das einzig sinnvolle um auch die Straßenbahn in FF zu erhalten. Steigende Fahrgastzahlen, das ist es was die Straßenbahn braucht. Eine Linie nach Slubice zum Markt von Frankfurt Spitzkrug über den Platz der Republik. Alle wären gut bedient. Studenten, Bürger, Polen. Ihr Vergleiche sind einfach so dämlich wie die Entscheidung keine Straßenbahn über die Oder zu bauen.

ludwig pohland 10.12.2014 - 06:35:41

Slubfurter Träume

Immer wenn man glaubt die Straßenbahn Nostalgiker einer Verbindung in die ehemalige Dammvorstadt hätten Ruhe gegeben, dann tauchen sie wieder auf. Möglich, dass sie es in ferner Zukunft auch wieder einmal gibt. Um welche Entfernungen geht es hier eigentlich, 4 oder 5 Kilometer? Und diese Paar Meter sind bei hohem Verkehrsaufkommen nicht auch mal stehend zu akzeptieren? Auch könnte man durch den zeitweiligen Einsatz eines zusätzlichen Busses die Situation etwas entschärfen und die zusätzlichen Kosten über den Fahrpreis wieder ausgleichen. Fährt man in Berlin mit S- oder U-Bahn, so steht man ganz andere Entfernungen. Ebenso der überfüllte RE 1 von Berlin nach Frankfurt zu den Spitzenzeiten. Und, hängen deshalb die Berliner Verkehrsbetriebe oder die Deutsche Bahn etwa mehr Waggons an die Züge? Immer schön auf dem Teppich der Realitäten und der Wirtschaftlichkeit bleiben.

fritze bolle 09.12.2014 - 21:42:17

Ja, @H.B

Rappelvoll. Sagenhafte Fahrgastzahl. Jedoch höhere Kosten, wenn Bus halbstündlich fahren würde. Diese Linie muss doch nach den Schilderungen eine Goldgrube sein. Bei der Nachfrage würde ich den Bus alle 10 Minuten fahren lassen. Oder werden keine Fahrscheine gekauft? Höherer Zuschuss wäre ,bei zusätzlichen Bus, erforderlich! Wieso Zuschuss, wenn die Fahrgastzahlen so gigantisch? Kann der Geschäftsführer nicht kalkulieren oder verarscht er uns? Oder will uns jemand krankhaft eine Straßenbahn aufbinden?

Der Hellwache 09.12.2014 - 21:40:09

Wie siehts wirklich aus?

Der "Schlenki" fährt nur an den ersten beiden Wochenendsonnabenden, wenn Berliner, Brandenburger und Sachsen-Anhaltiner H4 in Tabak und Kippen umgesetzt werden. An den übrigen Tagen reichte "der Kleene" völlig aus und in den frühen Morgen- und späten Abendstunden würde es auch ein Großraumtaxi bringen. Offensichtlicher Versuch der Straßenbahn-Lobby, die Stimmung zu kippen.

H.B. 09.12.2014 - 20:36:49

Ich geh' dann mal

Chips und Cola holen. Gleich geht's hier bestimmt wieder rund ...

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