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Ehemaliger Amtsdirektor von Barnim Oderbruch stirbt bei Selbstmordanschlag in Afghanistan

Ein Visionär: Der bei einem Anschlag in Kabul getötete Frank Ehling, präsentiert hier 2006 als Amtsdirektor seine ehrgeizigen Pläne für einen Parkplatz mit Besucherzentrum in Güstebieser Loose. Gebaut wurde nur der Parkplatz.
Ein Visionär: Der bei einem Anschlag in Kabul getötete Frank Ehling, präsentiert hier 2006 als Amtsdirektor seine ehrgeizigen Pläne für einen Parkplatz mit Besucherzentrum in Güstebieser Loose. Gebaut wurde nur der Parkplatz. © Foto: MOZ/Cornelia Hendrich
Steffen Göttmann / 16.12.2014, 01:47 Uhr - Aktualisiert 16.12.2014, 08:50
Bad Freienwalde (MZV) In Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) und im Oderbruch hat sich die Nachricht über den Tod von Frank Ehling (54) wie ein Lauffeuer verbreitet. Der ehemalige Amtsdirektor soll vergangenen Donnerstag bei einem Anschlag in Afghanistan ums Leben gekommen sein.

Landrat Gernot Schmidt (SPD) reagiert bestürzt über die Nachricht vom gewaltsamen Tod Frank Ehlings. "Ich habe ihn sehr geschätzt, er war ein guter Amtsdirektor. Wir waren sogar befreundet", sagte der Landrat, der über seine guten Kontakte zur Bundesregierung von Ehlings Tod erfuhr, wie er berichtete. Sein Mitgefühl gelte Ehlings Familie. Der ehemalige Amtsdirektor habe zuerst bei einer UNO-Hilfsorganisation und zuletzt bei einer privaten Organisation als Entwicklungshelfer gearbeitet, erklärt der Landrat. Dabei habe er sich vor allem für Schulen engagiert.

Der Anschlag ereignete sich in einer Schule in Kabul, in der auch ein französisches Kulturzentrum beheimatet ist. "Herzschlag und Stille nach einer Explosion", lautete der Titel des Theaterstücks, das dort gerade aufgeführt wurde. Der Selbstmordattentäter soll nur 15 oder 16 Jahre alt gewesen sein. Er mischte sich unter die Zuschauer und zündete die Bombe. Ehling soll sich in der Nähe befunden und keine Chance gehabt haben.

Bad Freienwaldes Bürgermeister Ralf Lehmann (parteilos) reagierte tief bestürzt: "Er war ein geschätzter Kollege, der sich immer sehr engagiert hat", sagte er am Montag. Wir sind alle sehr erschrocken, das haben wir nicht erwartet", sagte Sylvia Borkert, stellvertretende Amtsdirektorin des Amtes Barnim-Oderbruch am Montag. Es sei schlimm, dass er für seinen Einsatz ums Leben gekommen sei.

Frank Ehling stand 16 Jahre lang als Amtsdirektor der Verwaltung in Wriezen vor. Im Juni 2008 wurde er nicht mehr gewählt und musste seinen Stuhl für den damals 30 Jahre alten Karsten Birkholz räumen, den Ehling als Ordnungsamtsleiter eingestellt hatte. Zwar war der Amtsdirektor bei den Bürgern beliebt, hatte jedoch durch sein Streben nach besser besoldeten Ämtern den Zorn der Mitglieder des Amtsausschusses auf sich gezogen. 2003 stellte sich das CDU-Mitglied der Wahl zum Bürgermeister in Eberswalde (Barnim), musste sich aber dann in einer Stichwahl dem damaligen Amtsinhaber Reinhard Schulz (parteilos) geschlagen geben. 2005 wurde bekannt, dass er sich um das Amt des Bürgermeisters im sauerländischen Städtchen Kirchhundem bewerben wollte. Dieser Wunsch scheiterte ebenso wie der Versuch, 2006 Dezernent der Leipziger Stadtverwaltung und im gleichen Jahr Bürgermeister in Weimar zu werden. Obwohl Ehling heftig dementierte, hielt sich 2007 hartnäckig das Gerücht, dass er sich für den Beigeordneten-Posten in der Kreisverwaltung in Seelow beworben habe. Wiederum vergeblich. Vor der Wiedervereinigung arbeitete Frank Ehling als Gurkenaufkäufer und lebte von der Provision. Nach 1989 wurde er Bürgermeister von Bliesdorf und empfahl sich dort für den Posten des Verwaltungschefs.

Im April 2008 entschied der Amtsausschuss, den Posten neu auszuschreiben. Obwohl sich die Kritik wegen seiner ehrgeizigen Bewerbungsflut mehrte, kam die verlorene Wahl für Ehling doch überraschend. Deshalb verließ er gekränkt Deutschland und ging zunächst als Entwicklungshelfer nach Israel. Zuletzt lebte er mit seiner Frau und seinen Kindern auf Zypern.

"Alle sind sehr betroffen. Viele Leute haben bei mir angerufen und ihr Mitleid ausgedrückt", sagte Helga Scholz, Ortsvorsteherin von Mädewitz, die der Familie lange sehr nahe stand. Bisher erschien ihr der Krieg in Afghanistan weit weg. Mit dem Tod Frank Ehlings erreicht er plötzlich das eigene Wohnzimmer. "Ich war ja sechs Jahre lang die Leih-Oma", berichtete Helga Scholz und fügte hinzu: "Das wissen hier alle Leute". Sie betreute den jüngsten Sohn der Familie Ehling in seinen ersten sechs Lebensjahren. "Viele haben ihn als Amtsdirektor sehr gemocht, weil er auf die Leute zugegangen ist und mit jedem geredet hat", erinnerte sich Helga Scholz. Er habe auch mal ein bisschen für das Wohl der Bürger getrickst. "Ohne ihn hätten wir nämlich in Altreetz keine Schule mehr", verriet die Ortsvorsteherin.

Seit der verlorenen Wahl sei Ehling weder nach Deutschland, geschweige denn ins Oderbruch zurückgekehrt. Das Eigenheim in Wustrow soll jedoch noch im Besitz der Familie sein, heißt es.

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... 17.12.2014 - 15:48:11

...

Also ehrlich mir graut's vor solchen Schreibtischhelden, die alle am PC wissen, wie jemand anderes sein Leben hätte leben sollen. Wieso kann ein Mensch sich nicht mal nach was anderem umsehen im Leben? Bloss weil sie, Frau Volkversteherin sich das nicht vorstellen können, ist das noch lange nichts Ehrenrühriges. Zeugt eher von Ihrem beschränkten Horizont und ich möchte Sie auch bitten, Ihren nickname nicht mehr zu führen, da er offenkundig nicht der Wahrheit enstpricht. Also mich und viele meiner Freunde, als Teil des Volkes, vertreten sie schonmal nicht.

PetersenP 17.12.2014 - 13:40:32

Was wollen Sie?

@Kurstadtbewohner Es geht um einen Amtsdirektor, zugegebenermaßen anscheinend ein verdienter Mann. Die Anzahl Leute außerhalb seines Landkreises, die ihn kennen, dürfte aber überschaubar sein, um nicht den bösen Satz zu gebrauchen , "Den kennt da keine Sau". Da im überregionalen Teil so ein TammTamm drum zu machen ist schon grenzwertig. Nüchterne Fakten sind mir da allemal lieber, als so ne rührseelige Story, was für ein toller Mensch das war.

Volksvertreterin H. 17.12.2014 - 11:58:57

Unfassbar

Wer ein Macher für seine Heimat ist, der bleibt da bodenständig. Und zieht nicht den Schwanz ein, wenn der Doktortitel in der Heimat nichts mehr bewirken kann. So wie der Aufkauf des heimischen Obst und Gemüses den Bach herunter lief, so ist sein Leben nach Misserfolgen ___ .

Kurstadtbewohner 17.12.2014 - 11:35:54

Erbärmlich

Dieser Artikel ist so ziemlich das schlechteste, was ich jemals gelesen habe. Er wird in keiner Weise dem Leben und Wirken Frank Ehlings gerecht. Eine schnöde Zusammenfassung von aufgeklaubten Fakten, die nichts, aber auch gar nichts über den Menschen dahinter aussagen. Frank Ehling war eine charismatische Person, immer engagiert, immer neue Ideen, immer bemüht die Geschicke des Oderbruchs positiv zu lenken. Er kam von hier, er hat sich Rang und Namen erarbeitet, er war ein Macher. Dabei tut es keinen Abbruch, ob er sich hier oder (aus welchen Gründen auch immer) später in Afghanistan bemüht hat. Seine Courage und sein Engagement sollten uns allen ein Vorbild sein. Ich persönlich bedauere zutiefst unter welchen Umständen er ums Leben gebracht wurde. Ich hoffe, dass er nicht leiden musste und bin in Gedanken bei seinen Angehörigen.

meyer 16.12.2014 - 21:01:38

Schaut genau hin

Ein Mensch, der sich um unsere Region verdient gemacht hat und Menschen in Krisengebieten helfen wollte ist durch verbrecheriche Mörder ums Leben gekommen. Was die Talban mit Bomben anrichten ,versuchen erbärmlche Kommentatoren mit Worten. Dieser Artikel lässt eines vermissen: Mitgefühl, Anstand und Stil. Der Redakteur dieses Artikels hat genauso wenig Anstand, wie der Plebs, der sich in Kommentaren austobt. Trauer um Frank Ehling. Jeder mit etwas Anstand und Ehre im Leib weiss, dass die Würde eines Toten unantastbar ist.

Hartmut Ginnow-Merkert 16.12.2014 - 17:38:39

Ein positiver Eindruck

Ich habe als Prof. einer Berliner Hochschule gemeinsam mit Herrn Ehling im Jahr 2007 im Oderbruch ein Semesterprojekt durchgeführt. Meine Studenten und ich wurden von Herrn Ehling hervorragend und kompetent betreut. Ich habe selten einen so engagierten Projektpartner bei solchen Praxisprojekten erlebt wie Herrn Ehling. Sein Engagement und die von ihm realisierten Projekte haben mich stark beeindruckt. Immer wieder erlebe ich, dass starke Persönlichkeiten und Macher von den Nichtstuern und Bremsern in unserem Land gemobbt werden. Diesen Eindruck hatte ich auch in diesem Fall, als Herr Ehling erstaunlicherweise nicht wiedergewählt wurde. Man kann sich nur mehr Leute wie Herrn Ehling wünschen, die mit klarer Zielsetzung vor Augen ihre Region zum Nutzen der Bürger voranbringen. Es ist nichts Ehrenrühriges, wenn sich jemand auf andere Stellen bewirbt, vor allem wenn die eigene Leistungvor Ort nicht gewürdigt wird. Sein Einsatz für die Menschen in anderen Ländern ist vorbildhaft. Es ist jämmerlich, wenn jemand versucht, Herrn Ehling mit dem Begriff "Gurkenaufkäufer" zu schmähen versucht. Mach studierter Politiker in unsere Land hat weniger zustande gebracht als dieser Mann. Man kann nur trauern, dass eine Region nicht mehr dafür getan hat ihn zu behalten. Ich trauere auch mit seinen Angehörigen und Freunden. Prof. Hartmut Ginnow-Merkert

kurstädterin 16.12.2014 - 16:53:49

Pietätlos

Wie pietätlos einige Kommentare hier sind. Mag Herr Ehling in einigen Dingen gewesen sein wie er will, aber hier und jetzt ihn dermaßen zu beschmutzen. Da hört bei mir das Verständnis auf.

Onlineleser 16.12.2014 - 15:25:04

Zweifelhafter Doktor-Titel ?

Vielen Einwohnern im Oderbruch war schon damals mehr als rätselhaft, mit welch` rasantem Tempo Herr Ehling vom Gurkenaufkäufer zum Herrn Amtsdirektor Dr. Frank Ehling aufsteigen konnte, es bleiben Fragen. Zur Erinnerung : http://www.barnim-oderbruch.de/uploads/media/September_2007.pdf

Karl B. 16.12.2014 - 15:05:10

erschreckend

In welche Gefahr sich manche deutsche Bürger begeben. Nicht baue auf in fernen Ländern, sondern helfe hier vor Ort. Menschen, die viele tausende Kilometer flüchten, um hier bei uns anzukommen, brauchen die Hilfe in unserem Umfeld viel nötiger. Weshalb wurde in diesem Artikel etwas falsch dargestellt? Wer im Sozialismus nur allein von den Einnahmen eines Saisongeschäftes lebte, war ein bequemer Mensch. Ich kannte und kenne Obst- und Gemüseaufkäufer aus damaliger Zeit, die dieses Gewerbe nach Feierabend betrieben. Ach ja, die kleinen und großen Politiker ........

afg 16.12.2014 - 14:12:05

Warum

stellt nicht jemand mal die Frage, was dieser Mensch in AFG wollte? Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.

Personalrat 16.12.2014 - 13:49:02

Worte wie Bomben

Ein Journalist, der wissen sollte, was Worte bewirken können, hat sich hier im Ton und im Inhalt völlig vergriffen. Selbst die Bild-Zeitung hatte zu diesem Thema mehr Stil und vor allem Anstand. Wir trauern um unseren ehemaligen Kollegen Frank Ehling. Der Personalrat des Amtes Barnim-Oderbruch

hierundda 16.12.2014 - 12:19:33

Auf gar keinen Fall alleine lassen

Die Angehörigen vor Ort benötigen die Militärseelsorgerin und die Truppenpsychologin. http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article135319608/Weg-eines-Toten-in-die-Heimat.html Und die Angehörigen der toten Kinder freuen sich um die tatkräftige und aufopferungsvolle Unterstützung. RIP den Angehörigen des unermüdlichen Aufbauhelfers.

Ortsbewohner Z. 16.12.2014 - 10:32:18

So schnell holt einem die Realität ein

Mit dem Ableben Frank Ehlings erreicht der Tod plötzlich das eigene Wohnzimmer. Das Theaterstück war für manche Afghanen sehr provozierend. Bis jetzt noch mental und in Gedanken. Bald wird es in Deutschland häufiger zu diesen abscheulichen Handlungen kommen. Afghanistan und andere Unruheherde sind nicht weit weg. Vielleicht sollten die Angehörigen das Haus in Wustrow hilfebedürftigen Zuwanderern überlassen. Das wäre ganz sicher im Sinne des Aufbauhelfers. Auf Zypern lebt die Familie allemal besser als im gebeutelten Euroland. Mein Beileid.

E. Bundrock 16.12.2014 - 10:04:34

Amtsdirektor Frank Ehling

Ein bisschen mehr Würde wäre optimal gewesen. Meiner Meinung nach ein unakzeptabler Artikel über Frank. 16 Jahre Amtsdirektor und Bürgermeister da hat Frank vieles ins Rollen gebracht und auch wunderschöne Projekte umgesetzt. Ein geschätzter Mann in Märkisch Oderland. Frank war immer für den Altreetzer Karneval da, war aktiv und hat nie eine Veranstaltung ausgelassen. Er hat sich enorm eingesetzt für die Gemeinde Oderaue. Mein Beileid für Heike und alle Angehörigen.

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