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Fährprojekte drohen zu scheitern

Mandy Timm / 07.04.2010, 18:32 Uhr
Letschin/Lebus Die Fährprojekte der Gemeinde Letschin und des Amtes Lebus ziehen sich seit Jahren hin - ohne Erfolg. Jetzt droht ihnen sogar das Aus. Denn für den Fährbetrieb auf der Oder fordert das Bundesverkehrsministerium ein sogenanntes Kapitänspatent. Die Kommunen verfügen aber weder über die nötigen Fachkräfte, noch wären diese zu finanzieren.

So nah scheint das Oderufer auf der polnischen Seite. Für die Gemeinde Letschin und das Amt Lebus rückt es nun aber in weite Ferne. Der Grund: Ihre Fährprojekte drohen zu scheitern. Hinter den Vorhaben steckt die Idee, zwischen Lebus und Nowy Lubusz sowie Kienitz und Porzecze Fähren zu installieren. Die Letschiner bemühen sich seit 1994 um solch eine Verbindung über die Oder, Lebuser seit acht Jahren. Vor allem für Touristen könnte die Region durch Überfahrten ins Nachbarland noch attraktiver gemacht werden, steht für die Bürgermeister fest. Der Fährtyp soll anders als in Güstebieser Loose eine kleine, offene Kahnfähre sein, maximal zwölf Personen befördern und Fahrräder. Ähnliche Fähren sind auf der Weser seit langem in Betrieb. Dort benötigen Fährleute lediglich einen Sportbootführerschein für Überfahrten. Diese Variante schwebt auch den Letschinern und Lebusern vor - nicht zuletzt, um die Kosten im Rahmen zu halten.

Aber anders als an der Weser fordert das Bundesverkehrsministerium für Fährstrecken in der deutsch-polnischen Grenzregion ein sogenanntes Kapitänspatent. Dahinter verbirgt sich eine staatliche Bescheinigung, Schiffe ab einer gewissen Größe oder Maschinenleistung als Kapitän führen zu dürfen. Einzig dieses Patent sei momentan die rechtliche Grundlage, teilte das Ministerium den Kommunen mit, dass sowohl auf deutscher Seite als auch auf polnischer Gültigkeit besitzt. Denn laut der Behörde gelten in beiden Ländern bislang unterschiedliche Rechtsgrundlagen.

Nachdem das Wasser- und Schifffahrtsamt bereits vor einigen Monaten auf das Kapitänspatent hingewiesen hatte, baten die Kommunen nun das Bundesverkehrsministerium um Hilfe, die Vorhaben zu unterstützen. Über die Antwort des Ministeriums sind die Bürgermeister enttäuscht. "Wir verfügen weder über die nötigen Fachkräfte mit Kapitänspatent", sagen Michael Böttcher und Herbert Radtke, "noch wären diese zu finanzieren. Bei einem Sportbootführerschein wäre das anders und ein Verein könnte die Organisation übernehmen."

Aber auch die "gewerbliche Beförderung von Fahrgästen" mit einem Sportbootführerschein lehnt das Bundesverkehrsministerium ab. "Da die Ausbildung nicht die notwendige Gewähr für die Sicherheit von gewerblich beförderten Fahrgästen bietet", heißt es in dem Schreiben. Für den Betrieb einer Fähre auf deutschen Wasserstraßen sei vielmehr ein Fährführerschein notwendig. Sportboot- und Fährführerschein unterliegen allerdings nicht den europaweiten Regelungen für die Berufsschifffahrt.

Aufgeben wollen die Kommunen dennoch nicht. "Wir müssen noch einmal beim Ministerium nachhaken", sagte Herbert Radtke gestern. Aus seiner Sicht handelt es sich bei dem Schreiben um ein reine Behördenantwort, die viele Fragen offen lässt. "Und vielleicht können wir gemeinsam mit unseren polnischen Partnern noch etwas bewirken."

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